Jesus-Pfad in Israel Wandern zwischen Wunderstätten

Ein staubiger Weg schlängelt sich hinter dem See Genezareth in Israel einen Hügel hinauf. Jesus persönlich soll hier vor mehr als 2000 Jahren hochgekraxelt sein. Dem Religionsstifter folgen Pilger auf einem neu geschaffenen Wanderweg.


Nazareth - Nördlich vom See Genezareth strömen Pilger aus aller Welt in eine aus hellem Stein gebaute Kirche. Christen verehren den Ort Tabgha - hier soll Jesus auf wundersame Weise fünf Brot und zwei Fische so vermehrt haben, dass 5000 Menschen davon satt wurden. In der Kirche erinnert ein Mosaik am Altar an die Geschichte. Während Jesus sich vor 2000 Jahren von hier aus vermutlich mit Sandalen auf den Weg zur nächsten Wirkungsstätte machte, ist heute der Reisebus das gängige Verkehrsmittel für Pilger. Noch.

Seit einigen Wochen gehören Wanderschuhe und GPS-Gerät zur Grundausstattung für einige Besucher, die sich auf die Spuren des Christenführers begeben wollen. Der Jesus-Pfad, eine 65 Kilometer lange Wanderstrecke, ist im Rahmen einer privaten Initiative entwickelt worden und wird nun touristisch vermarktet.

"Ich denke, dass der Weg mehr als alles andere an Jesus heranführt. Man trifft Menschen, man reist durch das Land und sieht die Blumen und die Tiere - damit wird die Bibel lebendig", sagt David Landis, ein US-Amerikaner, der den Weg gemeinsam mit dem israelischen Unternehmer Maoz Inon ausgearbeitet hat. Inon betreibt ein Hostel in Nazaret, dem Start- und Zielpunkt der Route. Zwar gibt es noch keine Beschilderung des Jesus-Pfades, aber der findige Unternehmer stellt GPS-Daten für Wanderer zur Verfügung und verleiht selbstverständlich auch die Geräte.

Die Route führt von Nazaret über Kana, Tabgha und Kafarnaum und ist in vier Tagen zu schaffen. In fünf Tagen legen Wanderer eine alternative Strecke über den Berg Tabor zurück. Hier erschien Jesus seinen Jüngern in Form einer göttlichen Gestalt - so steht es jedenfalls im Neuen Testament.

Die Idee des Jesus-Pfades passt in die Zeit: Pilgern ist als Fortbewegungsform mit spirituellem Nebeneffekt in Mode gekommen und gilt als Tourismustrend für eine Zielgruppe, die vom Urlaub mehr erwartet als Sonne und Sangria. Auch in Deutschland ist dies deutlich spürbar: Der Bericht des pilgernden Prominenten Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg") beherrscht seit Monaten die Bestsellerlisten. Gläubige wandeln Wanderrouten in Jakobswege um und verdichten so das Netz von Pilgerstrecken in Richtung Santiago di Compostela in Spanien.

Während die Wege der Jakobspilger als europäische Kulturroute vom Europarat empfohlen werden, steht für den Jesus-Pfad eine offizielle Anerkennung durch die israelische Regierung noch aus. Nach Angaben Inons will das Tourismusministerium einen eigenen Jesus-Weg markieren, schließt aber eine Zusammenarbeit mit den beiden Wegbereitern nicht aus. Parallel dazu erarbeitet die Harvard-Universität an den biblischen Orten in Osteuropa und dem Nahen Osten einen Abrahamsweg. Im Vergleich zu Jesus war der biblische Stammvater ein echter Globetrotter: Der Weg soll über 1200 Kilometer von der Türkei zur Grabstätte in Hebron im Westjordanland führen.

reh/AP

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