Jordanien Jassin und die drei schlechten Jahre

Die Schlucht zur Felsenstadt Petra, in der der Massenansturm der Touristen einst zum Problem wurde, durchqueren nur noch vereinzelte Wanderer, Fremdenführer warten vergeblich auf Kundschaft. In Jordanien bleiben wegen Intifada und Irak-Krieg die Urlauber aus, obwohl das Königreich als sicheres Reiseland gilt.


Warten auf Kundschaft: Die Fremdenführer und ihre Kamele haben unfreiwillig Pause
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Petra - Es war kein guter Tag für Jassin. "Nichts", sagt er kopfschüttelnd. Kein einziger Reisender wollte heute auf seinem Esel reiten. Es ist später Nachmittag, die Felsenstadt Petra färbt sich in der frühen Abendsonne rosarot, und nur mehr wenige Reisende halten sich in der Nabatäer-Stadt auf. Petra, auf halbem Weg zwischen dem Toten und dem Roten Meer, ist Jordaniens bekanntestes Touristenziel. Doch selbst hier laufen die Geschäfte mit den Fremden schlecht - Kriege und Konflikte in den benachbarten Staaten halten viele Touristen davon ab, das kleine Königreich Jordanien zu besuchen.

Normalerweise nehmen täglich rund 3000 Besucher den Weg durch die enge Schlucht in die Stadt Petra. In der Vergangenheit musste das Königreich den Massenansturm durch hohe Eintrittspreise von etwa 26 Euro begrenzen. Heute ist das nicht mehr nötig. "Häufig sind es in diesem Jahr gerade 20, vielleicht 30 Besucher am Tag", sagt Jassin. Um etwa die Hälfte wurden die Preise für das Eintrittsticket reduziert. Genützt hat es bisher offenbar wenig.

Überreste der antiken Handelsstadt: Als Erster berichtete 1812 ein als Muslim verkleideter Schweizer von der Felsenstadt Petra
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Vor rund 200 Jahren wurden in Petra die Reste einer der beeindruckendsten historischen Stätten Vorderasiens entdeckt: Enorme in Felsen gehauene Grabmäler, Tempel, Opferplätze und ein Theater. Die den Fassaden von Tempeln ähnelnden Grabstätten sind bis 40 Meter hoch. Die ersten Berichte aus der ehemaligen Handelsstadt stammen vom Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt. Er soll sich 1812 als Muslim verkleidet als erster Europäer in die Stadt vorgewagt haben. Versteckt machte er sich Notizen, bis die Beduinen argwöhnisch wurden und er die Stadt eilig verlassen musste.

Intifada und Irakkrieg hätten doch nichts mit Jordanien zu tun

Gerade deutsche Gäste zählten stets zu den treuesten Besuchern Jordaniens. Im Jahr 2000 machten 48.000 Deutsche hier Urlaub, zwei Jahre später waren es mit 22.700 weniger als die Hälfte. Auch dieses Jahr sollen die Zahlen nicht höher sein, heißt es. Zunächst war vor knapp drei Jahren die zweite Intifada, der Aufstand in den Palästinensergebieten, ausgebrochen, dann folgten die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und schließlich die Kriege in Afghanistan und im Irak. Dabei hätten Intifada und die vergangenen Kriege doch nichts mit Jordanien zu tun, sagen die Einheimischen.

Eigentlich gilt Jordanien als sicheres Reiseland. Selten wird von Überfällen auf Reisende berichtet. Das westlich orientierte Königreich scheint stabile Verhältnisse zu garantieren und von Überfällen islamischer Extremisten auf Ausländer hat man in Jordanien bislang kaum gehört.

Hoffen auf die Zukunft: In Akaba am Roten Meer entsteht derzeit eine der größen Tourismusanlagen Jordaniens
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Auch die traditionelle arabische Gastfreundlichkeit ist in Jordanien seltener Anbahnung zum Verkaufsgespräch als in benachbarten Reiseländern. Wer durch Jordanien reist, muss sich nicht wundern, wenn ihm wildfremde Menschen das Busticket bezahlen oder der Restaurantbesitzer das Abendessen als Einladung verstanden haben möchte. "Sie sind ja Gast in unserem Land", heißt es dann wie selbstverständlich. Drei Tage lang sollten Reisende wie Gäste behandelt und ihnen alle Wünsche erfüllt werden, sagen die Jordanier.

Drei Jahre geht's schlecht, sieben Jahre gut

Vor einigen Jahren hatte das Land noch große Hoffnungen in den Tourismus gesetzt. Heute werden eine Vielzahl von Hotels und Clubs zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt eröffnet. So etwa der "Royal Diving Club" am Roten Meer bei Akaba. Was königlich und teuer klingt, stand lange Zeit für günstige Tauch- und Schnorchel-Möglichkeiten. Vor zwei Jahren wurde der Club, etwas südlich vom Hafen, privatisiert.

Wüstenstaat: Das westlich orientierte Jordanien gilt als sicheres Reiseziel
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Derzeit wird die Anlage umgebaut, eingebettet in eines der größten Tourismusprojekte des Landes. In etwa sechs Jahren soll das Resort "Tala Bay" - bestehend aus mehreren Luxus-Hotels, Kinos und einem Yachthafen - eröffnen. Zumindest dann sollen die Sorgen vergessen sein. "Es war ja schon immer so", sagt ein Jordanier, "drei Jahre ging es uns schlecht, und darauf folgten sieben gute Jahre."

Ein anderes Tourismusprojekt, rund 200 Kilometer nördlich von Akaba, hat bescheidenere Ziele: Über die Königsstraße und den Desert Highway erreichbar, liegt auf knapp 1600 Metern über dem Meer das Bergdorf Dana. Vor fast zehn Jahren wurde hier erste sozialverträgliche Tourismusprojekt des Landes gestartet - anfangs gegen den Willen der in den Bergen lebenden Beduinen. Naturschutz hieß für sie vor allem die Gefährdung ihrer Existenz. Erst als die lokale Bevölkerung in die Tourismusprojekte stärker eingebunden wurde, fand das Projekt die nötige Akzeptanz.

Erhielt auf der ITB einen Preis für sozialverträglichen Tourismus: Projekt Dana
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Heute steht in Dana ein Besucherzentrum, Zeltplätze und ein Gästehaus warten auf die Reisenden. Wanderungen durch mehrere Klimazonen hinunter in das Wadi Araba sind in dem Naturschutzgebiet möglich. Die insgesamt 55 neu geschaffenen Arbeitsplätze sind den Einheimischen vorbehalten.

Jassin hat in Petra letztlich doch noch einen müden Reisenden gefunden. Der Esel ächzt unter der Last des groß gewachsenen Touristen. Vielleicht geht es ja wirklich wieder aufwärts. Die drei schlechten Jahre wären jetzt um.

Von Dietmar Telser, gms

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