Jordanien Lichter am Horizont

Man kann nicht behaupten, dass das Haschemiten-Reich im Fadenkreuz der europäischen Touristenbomber liegt. Dabei kann das Land der Bibel mit einem veritablen Angebot aufwarten - vom weitläufigen Badestrand bis zu antiken Städten.


Amman - Von der Zitadelle aus ist der Blick auf Amman besonders atemberaubend. Im gleißenden Sonnenlicht wirkt die jordanische Hauptstadt friedlich - fast wie ein Symbol für den Ruf des haschemitischen Königreiches als Hort der Stabilität im Nahen Osten. Wie schon sein Vater Hussein versucht auch König Abdullah, einen Kurs des "Friedens durch Tourismus" zu steuern.

Erholung unter und über Wasser: Akaba amRoten Meer bietet Jordanien-Touristen viele sportliche Aktivitäten
Foto: GMS

Erholung unter und über Wasser: Akaba amRoten Meer bietet Jordanien-Touristen viele sportliche Aktivitäten

Touristen können in Jordanien vieles erleben - vor allem Historie. Schon auf dem Zitadellenhügel zeigt sich, dass das Land zwischen Jordan und Wüste auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Ausgrabungen unter der Leitung spanischer Archäologen haben die Reste von Jahrtausenden ans Licht geholt: den Tempel des Herkules etwa und den weitläufigen Burgkomplex Al-Qala, der zu Beginn der arabischen Omaijaden-Herrschaft im sechsten Jahrhundert errichtet wurde.

Wie weltläufig das antike Jordanien war, wird in Jerash deutlich, der römischen Ruinenstadt vor den Toren Ammans. Unter Kaiser Trajan erlebte das Gebiet von Gerasa gut 100 Jahre nach Christi Geburt den Beginn einer 200-jährigen Blütezeit. Der Cardo Maximus von Jerash - eine rund einen Kilometer lange, gepflasterte Hauptstraße - lässt noch erahnen, wie wichtig diese Region in der Antike gewesen ist.

Die Hauptstadt zu Füßen: Der Blick vom Zitadellenhügel gehört zu den Höhepunkten eines Besuches in Amman
Foto: GMS

Die Hauptstadt zu Füßen: Der Blick vom Zitadellenhügel gehört zu den Höhepunkten eines Besuches in Amman

Dass Jordanien auch ein Land der Bibel ist, wird an etlichen Stellen deutlich. In Madaba südlich von Amman befand sich während der byzantinischen Herrschaft das Zentrum der Mosaikmaler, was dieser Stadt zu ungeahntem Aufschwung verhalf. Noch heute sind die Mosaiken in Kirchen, Wohnungen und Werkstätten eine der Hauptattraktionen der Stadt. Das berühmteste Werk, das Mosaik in der griechisch-orthodoxen St. Georg-Kirche, stammt aus dem sechsten Jahrhundert und zeigt die Landkarte von Palästina, die von den damaligen Besuchern des Heiligen Landes zur Orientierung genutzt wurde.

Auch der Berg Nebo westlich von Madaba legt Zeugnis ab von der biblischen Vergangenheit Jordaniens. Von hier aus erblickte Moses der biblischen Überlieferung zufolge das gelobte Land, das er niemals betreten sollte. Vom Berg Nebo aus wurde er in den Himmel aufgenommen, nachdem er sein Volk aus der Verbannung heimgeführt hatte. Franziskanermönche betreuen heute die heilige Stätte und die Ausgrabungen. Sie sind stolz darauf, dass Papst Johannes Paul II. in der Bergkapelle niederkniete und diese durch sein Gebet weihte.

Juwel in der Wüste: Das "Schatzhaus des Pharaos" zählt zu den bekanntesten Bauwerken in der Felsenstadt Petra
Foto: GMS

Juwel in der Wüste: Das "Schatzhaus des Pharaos" zählt zu den bekanntesten Bauwerken in der Felsenstadt Petra

In Bethanien spannt sich der Bogen vom Alten zum Neuen Testament: Hier, am Rande der Wüste, wurde Jesus von Johannes getauft. Die Taufstelle am Jordan - vom Vatikan als authentisch anerkannt - liegt heute zwar im militärischen Sperrgebiet an der Grenze zu Israel, sie ist jedoch frei zugänglich.

Weiter südlich am Toten Meer herrscht rege Bautätigkeit. Große Konzerne errichten in Jordanien ihre Hotelanlagen, nachdem Israel manchen für Investitionen zu unsicher geworden ist. Das Bad im Toten Meer ist ein unvergessliches Erlebnis, während nach Sonnenuntergang am Horizont die Lichter Jerusalems am Ufer gegenüber erkennbar sind.

Unbestrittener Höhepunkt eines jeden Jordanien-Urlaubs ist die antike Nabatäer-Stadt Petra am Wadi Musa. Der Eintritt von 20 Dinar mag einige abschrecken - die Investition von umgerechnet rund 60 Mark lohnt sich jedoch in jedem Fall. Schon der Weg durch den rund zwei Kilometer langen Bab as-Siq wird zu einer Wanderung durch Zeit und Raum. Die Felswände des früheren Prozessionsweges mit ihrem verwitterten Gestein geben nur noch vereinzelt die Reliefs antiker Meister preis. Von der Religion der Nabatäer künden auch die Weihe-Nischen, die für Zeremonien genutzt wurden.

Ein Tag ist zu wenig, um die Schätze und architektonischen Juwelen dieser einst blühenden Wüstenstadt zu ergründen. Monumente, Schatzhäuser, Mausoleen und Felsenwohnungen zeigen, wie mächtig die Stadt Petra gewesen sein muss. Erst nach einem verheerenden Erdbeben im sechsten Jahrhundert nach Christus wurde sie verlassen.

Reste einstiger Pracht: Ruinen erinnern noch heute an die Blütezeit von Jerash in der Zeit um 100 nach Christi
Foto: GMS

Reste einstiger Pracht: Ruinen erinnern noch heute an die Blütezeit von Jerash in der Zeit um 100 nach Christi

Das bekannteste Bauwerk Petras ist sicherlich das so genannte Schatzhaus des Pharao, Al-Khaznah. Welchen Zweck das in den Fels gehauene Denkmal einmal erfüllt hat - Tempel, Grab oder Mausoleum - ist unter Experten umstritten. Von der Größe der einstigen Metropole zeugt auch das antike Amphitheater, das 3000 Zuschauern Platz bot.

Auch rund um Petra gibt es Luxushotels. Von Investorengruppen wurden verlassene Bergdörfer aufgekauft, die zu einem Hotelkomplex mit eigenem Reiz umgebaut wurden. Aus den einfachen Behausungen wurden individuelle Gästezimmer und Suiten. Während der Charakter des Dorfes erhalten blieb, erwartet der Komfort eines Fünf-Sterne-Hotels die Gäste. Auch lockt ein eigener Souk zum Bummeln und Shoppen.

In Akaba am Roten Meer, direkt neben dem israelischen Badeort Eilat gelegen, laden weite Strände und kristallklares Wasser nach dem Ausflug in die Geschichte zu Tagen der Erholung ein. Milde Temperaturen lassen das ganze Jahr über Tourismus zu, der Akaba zu einem quirligen Ferien- und Tauchziel gemacht hat. Die vorhandene Hotellerie kann sich durchaus mit der anderer Ferienziele messen. Dennoch ist hier eine eigene Atmosphäre spürbar, die mit ihrem diskreten Charme die Erholungssuchenden schnell gefangen nimmt.

Udo J. Sabock, gms


Informationen
Informationsbüro Jordanien
Weserstraße 4
60329 Frankfurt am Main
Tel.: 069-92 31 88 70, Fax: 069/92 31 88 79




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