Vier Tage kanadische Wildnis Bärenbeobachtung für Fortgeschrittene

Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. Wer Grizzlys in freier Natur beobachten will, kommt hier auf seine Kosten - mit etwas Glück. Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche.

Chris Howey/ Shutterstock

Von Christian Haas


Ich will dahin, wo sich die Bären im Herbst ihren Winterspeck anfuttern, jenseits von Lodges und Plattformen, überhaupt jeglicher Besiedlung und Infrastruktur. Wo die Regenwaldbäume alt und groß sind. Und wo es keinerlei Handyempfang, Strom oder Betten gibt - stattdessen Zweimannzelte, Eigenversorgung über dem Feuer, Wildnis-Setting. Also breche ich mit fünf Freunden auf ins Toba Inlet an der Westküste British Columbias.

Doch so ganz alleine können wir nicht einfach ins ungesicherte Bärenland fahren. Da wir keine touristische Bärenbeobachtungstour machen wollen, wie sie zahlreiche Anbieter auf Kanada-Websites anpreisen, wenden wir uns an die Stiftung Wilderness International. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, über Patenschaften und Spenden, den kanadischen Regenwald und seine Bewohner zu schützen. Die Umweltschützer Kai Andersch, Tobias Hürten und David MacDonald werden uns begleiten. Sie geben uns Tipps, was wir auf unserer Tour ins Toba Inlet dabei haben sollten.

Neben Outdoor Equipment und Lebensmitteln gehört zur Vorbereitung auch ein Stopp in einem Angelladen, um Angellizenzen und Bärenverteidigungsmittel zu kaufen. In unseren wasserdichten Säcken landen Hupen, Pfeffersprays und ein Gewehr - für den Extremfall. Wobei unsere Guides nicht müde werden, auf gewaltlose Maßnahmen hinzuweisen, allen voran umsichtiges Verhalten, sodass es gar nicht erst zu brenzligen Begegnungen kommt.

Per Wassertaxi in die Wildnis

Am Tag darauf legen wir mit einem Wassertaxi um neun Uhr morgens ab. Unser Fahrer Richard steuert das Schiff behutsam durch die Inselwelt der Strait of Georgia. "Diesen Sommer hat es zwar wenig geregnet, aber so viele Buckelwale und Orcas haben wir selten gesehen", sagt er. Sein heutiger Auftrag ist speziell: uns im Toba Inlet an einem bestimmten Felsen rauszulassen und in vier Tagen an der gleichen Stelle wieder abzuholen.

Sein Verständnis hält sich allerdings in Grenzen: "Was zur Hölle macht ihr im Toba Valley? Da ist doch nichts!" Nach zweieinhalb Stunden Fahrt halten wir "in the middle of nowhere", am Ende des schönen Fjordes an besagtem Felsen. Richard hupt zum Abschied, zurück bleiben neun Männer mit einem Haufen Gepäck.

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Kanada: Grizzly-Tour im Toba Inlet

"Daumen drücken, dass unser Motorboot noch da ist und funktioniert", sagt David MacDonald. Für Unwissende nicht einsehbar haben die drei Naturschützer hier ein Metallboot versteckt. Mit vereinten Kräften lassen wir es erst über Baumstämme ab und dann zu Wasser. Der Motor springt an. Da höchstens vier Mann ins Boot passen, dauert es, bis alle an der ersten Sandbank ein paar Kilometer flussaufwärts ankommen.

In der Auftaktfuhre wird ohnehin erst mal das Equipment verschifft, was uns den ersten annähernden Bärenkontakt beschert: Denn als 20 Minuten später meine Freunde Erik und Joschi nachkommen, entdecken sie Kratzspuren und Tatzenabdrücke. "Eindeutig Schwarzbären, auch wenn die primär auf Vancouver Island sind und hier am Festland von British Columbia eher Grizzlys vorkommen", sagt der 41-jährige Forstwissenschaftler Kai Andersch, der Experte in Sachen kanadischer Flora und Fauna ist.

Selbst wenn wir die Bären nicht direkt sehen: Sie sind also da. Ebenso wie Wölfe, Kojoten, Wapitihirsche und Pumas. Wer sich hingegen blicken lässt, sind Kanadareiher, Biber und Weißkopfseeadler, die majestätisch über den bis zu 15 Meter breiten Toba River segeln.

Bei der Fahrt auf dem Fluss kommen ständig Entdeckergefühle auf. Erst recht, als wir einige Flusswindungen später die Zelte aufstellen, Feuerholz sammeln, Cowboykaffee und Kartoffeln mit Speck kochen.

Am nächsten Tag dringen wir in den Regenwald vor. Wo Little und Big Toba River zusammenfließen, schlagen wir auf einer Sandbank das Hauptlager auf - im Herzen eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. Was auch an Wilderness International liegt, denen hier über 400 Hektar Land gehören, das unberührt bleibt.

Lachsleichen: Sehen wir jetzt Bären?

Bei uns keimen neue Hoffnungen in puncto Bärenbeobachtung auf. Fabian sichtet Lachse im Wasser (wo Lachse, da Bären!) und Tobi Bärenkuhlen im Unterholz. Bei einem mehrstündigen Rundgang finden wir sogar Lachsleichen im Wald, eindeutig das mörderische Werk von Grizzlys. Die sind ja bekanntlich auf den Rogen besonders scharf. Wie viel der pro Fisch ausmacht, sehen wir, als Carsten nach kurzer Zeit ein prächtiges Sockeye-Weibchen samt jeder Menge roter Eier herauszieht.

Später am Feuer klärt uns Kai Andersch noch einmal auf. "Ab jetzt gelten zusätzliche Regeln: weniger Lärm, mehr Konzentration und keiner verlässt allein das Camp." Schließlich sei es in Kanadas Geschichte immer wieder zu Unfällen, gar Todesfällen mit Bären gekommen. Wobei die eigentlich nicht aggressiv sind. Daher lautet eine weitere Regel: immer genug Abstand, keine Provokation.

Am nächsten Tag folgen weitere Existenzhinweise: Kratzspuren am Baum, Tatzenspuren am Fluss, lautes Knacken in unmittelbarer Nähe. Kurze Anspannung in der Gruppe. Als sich die Lage beruhigt, bleibt Zeit, sich den Wald genauer anzusehen. Er entpuppt sich als noch zauberhafter und abwechslungsreicher als Avatar Grove, British Columbias Vorzeigeschutzwald auf Vancouver Island, rund 150 Kilometer Luftlinie von hier entfernt. Bis in die Kronen sind einige Bäume mit Moosen und lamettaartigen Blatt- und Bartflechten bewachsen.

Am vorletzten Tag regnet es fast durchgehend. Doch auch ohne Sonnenschein und Bärenbeobachtung sind alle guter Stimmung. Angeln, über dem Feuer Fleisch und Fisch braten, Storys erzählen. Die Stimmung steigt weiter, als David MacDonald berichtet: "Seit 2018 sind die Abschusslizenzen, durch die rund hundert Grizzlybären pro Jahr starben, ausgesetzt. Zu diesem Umdenken hat sicher auch der Bear-Watching-Tourismus beigetragen."

Letzter Tag in British Columbia, immer noch keine Bärensichtung: Im Stockdunkeln bauen wir die Zelte ab und schleppen unser gesamtes Gepäck wieder durch den Fluss zum Boot am anderen Ufer. Das eiskalte Wasser schwappt bis zum Bauchnabel. Dann geht es flussabwärts Richtung Fjord. Absolutes Yukon-Feeling, bei dem der nebelverhangene Wald und die aufragenden Tafelberge im Hintergrund für mystische Stimmung sorgen. Nach drei Stunden sind wir komplett durchgefroren und platt, weil wir wegen der mäßigen Strömung stets paddeln müssen. Plötzlich ruft Fabian: "Da im Gebüsch, ein Bär."

Wenn es einer war, ist er der einzige, der ihn gesehen hat. Wir anderen freuen uns darüber, gleich Richard zu sehen. Und tatsächlich: Hupend und mit laufender Heizung wartet er an unserem Felsen.

srt



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Seite 1
j.for2015 30.07.2019
1. Was für ein merkwürdiger Artikel...
Sieht aus wie ein Gefälligkeitsartikel für ein Reiseunternehmen und tut so, als würde über eine gemeinnützig arbeitende Stiftung berichtet. Der "Reisebericht" scheint dem zu entsprechen, was das Unternehmen DIAMIR Erlebnisreisen unter dem Titel "Toba Inlet – Bären am DIAMIR-Wald" anbietet. Ob das Waldstück am Toba River in B.C., das angeblich im Eigentum der Stiftung Wilderness International steht, identisch ist mit dem DIAMIR-Wald, ist nicht erkennbar. Aber zumindest ist einer der Unternehmensverantwortlichen von DIAMIR als Gründer/Zustifter von Wilderness International auf deren Homepage genannt. Die im Artikel abgebildete Karte zeigt wohl auch nicht das Gebiet am Toba River, der weiter östlich in den Toba Inlet mündet, sondern ein Gebiet nördlich des Quaniwsom Indian Reserve. Das mag aber auch nur einer Ungenauigkeit geschuldet sein oder dem Versuch, nicht jedem interessierten Dritten eine Wegbeschreibung zu liefern. Ich kann mir indes nicht vorstellen, dass der Autor wirklich glaubt, eines der letzten unberührten Wildnistäler Kanadas gesehen zu haben. Zum einen gibt es gerade an der kanadischen Westküste eine Unzahl vergleichbarer Biotope und zum anderen wird der East Toba River ausweislich einer kurzen Internetrecherche zur Energiegewinnung durch Flusskraftwerke genutzt. Nicht gerade ein Zeichen unberührter Wildnis. Die Stiftung Wilderness International macht mit ihrer Homepage einen professionellen Eindruck. Aber Transparenz über die aktuelle Mittelverwendung findet man dort nicht. Eine Bilanz aus dem Jahr 2015 ist veröffentlicht. Für die Folgejahre ist nichts hinterlegt. Übrigens heißt es in der Internetdarstellung, man habe 3,16 Millionen Quadratmeter Wald in B.C. gekauft. Also 316 ha. Nicht gerade riesig, aber immerhin. Im SPON-Bericht ist von mehr als 400 Hektar Land die Rede, "das unberührt bleibt". Das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), das seit 1991 die Verwendung von Spendengeldern prüft und ggfs das bekannte Spendensiegel vergibt, nennt Wilderness International nicht einmal – warnt aber auch nicht ausdrücklich vor der Stiftung. In der Badischen Zeitung vom 13.12.2015 heißt es, das DZI habe 2014 zuletzt versucht, Informationen von Wilderness International zu erhalten; auf das Auskunftsbegehren sei eine Reaktion jedoch nicht erfolgt. Alles in allem: Was für ein merkwürdiger Artikel.
Dicke_Berta 30.07.2019
2. Jo, das war es
"Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. " Nach diesem Artikel wohl nicht mehr lange. Bald gibt es die ersten Selfies mit Grizzlies auf Instagram und infolgedessen die ersten Toten. Wieso berichtet man über solche Weltgegenden?
k70-ingo 30.07.2019
3.
Zitat von Dicke_Berta"Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. " Nach diesem Artikel wohl nicht mehr lange. Bald gibt es die ersten Selfies mit Grizzlies auf Instagram und infolgedessen die ersten Toten. Wieso berichtet man über solche Weltgegenden?
Ihre Sorge ist unbegründet. Lesen Sie den Text mal genauer - da stehen nur Horrorbotschaften für die digitalisierten Hipster-Weicheier drin, wie "nichts für Zimperliche" und vor allem "Kein Handyempfang". Von den Strapazen, dorthin zu kommen, wie auch den (hier nicht näher erwähnten) hohen Kosten (Kanada ist keine Billigdestination) nicht zu reden. Zudem ist SPON nicht Lonely Planet. Nein, da passiert nichts.
Delfinder 30.07.2019
4. Helft den Bären in Alberta
In Alberta hat es dieses Jahr einen Regierungswechsel gegeben und die sehr Konservativen sind wieder an der Macht. Der Umweltminister ist ein verurteilter Wilderer und betreibt ein Trophäenjagd Geschäft. Alberta ist nach einer Entscheidung der neuen Regierung, die einzige kanadische Provinz in der die Rehabilitation von größerem Wild (Bären, Wölfe, etc.) nicht erlaubt ist. Es gibt eine AVAAZ Petition, um das wieder zu erlauben: https://secure.avaaz.org/en/community_petitions/Premier_Jason_Kenney_&_Environment_Minister_Jason_Nixon_Help_Albertas_Bears_1/ Bitte helft, diesen Rückschritt zu stoppen. Danke!
tpro 31.07.2019
5.
Klingt eher wie "wie mache ich einen geilen Outdoortrip und bringe die Geschichte an den Mann/Frau". Dann wird ein leicht grünes Mäntelchen umgehängt, denn es waren ja Umweltschützer und ein Experte/Forstwissenschaftler dabei. Etwas getrübt wird die Geschichte durch ein Motorboot, das mit röhrendem Außenborder die Gesellschaft transportiert. Das hupende Auto, mit laufender Heizung zum Schluß, hätte ich nicht erwähnt. Man könnte auch hinterfragen, ob so ein Flug nötig ist, um sein Ego zu befriedigen. Wahrscheinlich schreibt der Verfasser seinen nächsten Reisebericht aus dem Westerwald, über die Gefährlichkeit einheimischer Feldhasen und wieviel CO2 man sparen kann, wenn man zuhause einen auf Outdoor macht. "....Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche....." Klar doch. Wer ein Zelt nur nur aus Katalogen kennt und zum ersten Mal im Freien schläft, für den ist jeder Spaziergang durch einen Wald ein Abenteuer. "Lachsleichen"? Er meint wohl Kadaver.
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