Kanadische Weltraumbehörde Solartaxi auf Mondkurs

Man nehme ein Elektroauto und einen Anhänger mit Solarzellen - und voilà: Man erhält ein Solartaxi. Oder ein Mondauto. Die kanadische Weltraumbehörde zeigt großes Interesse an Louis Palmers Gefährt und setzt große Hoffnungen in neue Batterietechnologien.

"Sieben Generationen planen wir voraus", sagt Lynn und beschreibt damit die Weitsicht der kanadischen Ureinwohner. Lynn arbeitet im Umweltamt des Reservats namens "Kahnawake", in der Nähe der Innenstadt Montreals, am bewaldeten, malerischen Ufer des St.-Lorenz-Stroms.

Auf der Suche nach Lösungen gegen die Erderwärmung sind wir in Kanada noch nicht weit gekommen, aber hier bei den Mohawks, da schlägt mein Herz höher: Lynn wohnt in einem Solarstrohhaus, das nach neuster Technik gebaut wurde. Die Wände sind aus Strohballen, und das Warmwasser sowie teils auch die Beheizung des Hauses funktionieren mit Wärme vom Solarkollektor auf dem Hausdach.

"Wir haben nur umweltfreundliche, gesunde Materialien verwendet, und dank der einfachen Bautechnik hat die ganze Familie beim Bau mitgeholfen", erzählt Lynn. "So haben wir eine ganz andere Beziehung zu unserem Haus, als wenn wir es einfach nur gekauft hätten. Wir lieben es!"

Bei so viel Euphorie frage ich mich, weshalb nicht ganz Kanada aktiver ist. Momentan ist der Wahlkampf voll im Gang, und die wohl wichtigste Streitfrage ist der Klimaschutz sowie die Energiefrage. Kanada hat neben Saudi-Arabien die größten Erdölvorkommen der Welt. Beim Abbau des Ölschiefers ergibt sich nur ein Problem: Für das Fördern von einer Gallone Benzin wird viel mehr Energie aufgewendet, als der Energiegehalt dieser einen gewonnenen Gallone ist.

Kanada hat in Sachen CO2-Ausstoß die USA bereits überholt. Und so ist es kein Wunder, dass die momentane Regierung nichts von Klimaschutz wissen will und sich an die Seite der USA stellt. Der Oppositionsführer Stephan Dion will das ändern. Mit ihm hatten wir auf Bali auf der Weltklimakonferenz einen ganzen Abend verbracht.

Doch wenn ich hier Fernsehen schaue, mache ich mir nicht viel Hoffnung, dass Kanada den Weg zum Klimaschutz einschlagen wird. In aufwendige Werbespots diffamieren die Kandidaten sich gegenseitig gnadenlos. Die Schlacht "Jeder gegen jeden" ist im vollen Gange, und die Interessen der Erdölwirtschaft treten hier ganz offensichtlich zutage.

Prompte Reaktion in der Weltraumbehörde

Nächster Halt ist die kanadische Weltraumbehörde. Louis Grenier, der Senior Manager und selbst ernannte "Philosoph" des Unternehmens, war einer der Ersten, die das Solartaxi zu einem Event eingeladen hatten. Und dies nach dem ersten Bericht, der je irgendwo übers Solartaxi veröffentlicht wurde, im Dezember 2006 bei SPIEGEL ONLINE. Denn Louis hält Ausschau nach Elektrofahrzeugen.

Seine Behörde plant, für die nächste Mondlandung das Mondfahrzeug zu entwickeln. Dabei denkt er über dasselbe Prinzip wie das Solartaxi nach: Man nehme ein batteriebetriebenes Elektroauto und hänge einen Anhänger mit Solarzellen dran, um die Reichweite zu erhöhen. Sein Ziel: Die für das Mondauto entwickelte Batterietechnologie könnte später in Elektroautos auf der Erde zum Einsatz kommen.

Mein heutiger Fahrgast ist Steve McLean, der Präsident der Weltraumbehörde. Steve war erst vor kurzem noch im Weltraum an Bord des Space Shuttle. Heute genießt er die paar Runden rund ums Hauptquartier in einem irdischen Elektrofahrzeug. Denn bis das kanadische Mondauto wirklich auf dem Mond fahren wird, wird es noch eine Weile dauern.

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