Karneval in Rio Abfeiern im Sambaschritt

Ob im Karnevalsgetümmel auf den Straßen oder in der tanzenden und singenden Masse im Sambadrom - der Karneval in Rio mit seinen heißen Rythmen und freizügigen Tänzerinnen zieht alljährlich Tausende Touristen an. Samba ist einfach ansteckend.


Rio de Janeiro - Jeder kennt den Karneval von Rio als vermutlich größte Party der Welt. Doch Rio de Janeiro ist auch berüchtigt für die Gewalt in den ihren Straßen. Das und mögliche Sprachschwierigkeiten machen es umso wichtiger, dass Touristen einige Ratschläge beachten, bevor sie sich ins Getümmel wagen.

Der Karneval in Rio wird in diesem Jahr an den ersten fünf Tagen im Februar gefeiert. Touristen können auf drei verschiedene Arten dabei sein: Feiern auf der Straße, die Sambaparade von der Tribüne aus beobachten oder - für die wirklich Leichtfüßigen und Wagemutigen - in der Parade selbst mittanzen.

Die meisten größeren Sambagruppen erlauben Touristen die Teilnahme in ihren Reihen, sofern sie als "Fantasias" bezeichnete Kostüme tragen. Die Gruppen verkaufen die Kostüme an Vergnügungswillige per Internet oder in den großen Hotels der Stadt. Sie kosten zwischen 500 Real (190 Euro) und 2500 Real (950 Euro).

Der Vorteil dieser Art der Teilnahme ist das faszinierende Gefühl, unter den gleißenden Lichtern des Sambadrome-Stadions vor der riesigen Masse von fast 90.000 Zuschauern zu singen und zu tanzen. Der Nachteil ist aber: Wenn die Parade vorbei ist, steht der Tourist in einem auffälligen Kostüm allein vor dem Stadion. Ihm bleibt nicht viel anderes übrig, als ins Hotel zurückzukehren und sich den Rest der Parade im Fernsehen anzuschauen.

"Meiner Meinung nach ist das eine der phantastischsten Feiern auf Erden", sagt Arthur Martinez, ein pensionierter amerikanischer Postbeamter aus Indio in Kalifornien. "Wenn Sie irgendwas davon im Fernsehen gesehen oder darüber gelesen haben - Dabeisein ist 20 Mal besser. Samba ist so ansteckend."

"Dabeisein ist 20 Mal besser"

"Man muss nicht Samba lernen, aber es ist eine gute Idee, es zu tun", sagt Martinez, der 1978 zum ersten Mal dabei war. Die Brasilianer schätzen es, wenn Ausländer wenigstens versuchen zu tanzen. "Natürlich lachen sie über all die falschen Schritte. Aber es ist besser, wenn Ausländer locker mitmachen, als wenn sie als Mauerblümchen enden."

Das größte Problem für Touristen ist, dass das Sambadrome und die einen Kilometer lange Paradestraße, wo die zwölf Spitzen-Sambagruppen der Stadt ihre eigenen, jeweils 80 Minuten dauernden Aufzüge mit Trommlern, Tausenden Tänzern und gut einem Dutzend riesigen Festwagen veranstalten, in einem übel beleumundeten Stadtviertel liegen.

Karten für die Parade sind üblicherweise Monate im Voraus ausverkauft. Sie sind normalerweise aber noch bei Reiseagenturen zu bekommen - oder bei Schwarzhändlern zu einem kräftigen Aufschlag.

Coimbra Sirica, PR-Managerin aus Northport im US-Bundesstaat New York, hat über einen Reiseveranstalter gebucht, der auch für den Transport zum und vom Stadion sorgt. Sie will sich keine Sorgen um die Sicherheit ihrer kleinen Kinder machen müssen. "Ich liebe das Land, ich liebe die Musik, aber ich habe etwas Bedenken wegen der Sicherheit", sagt sie. Sirica und ihre Familie waren im vergangenen Jahr zum Karneval in Rio. Sie befolgten auch den Rat, Wertsachen im Hotel zu lassen und nur etwas Kleingeld zur Parade mitzunehmen.

Warten, bis die Party kommt

Einfacher und billiger ist es, sich in die feiernde Menge auf den Straßen zu stürzen. Weder Tickets noch Kostüme sind nötig, um hinter einer der vielen "Bandas" und "Blocos" herzutanzen, den Musikgruppen, die sich während der Karnevalstage auf den Straßen drängen.

Eine der berühmtesten Karnevalskapellen und Favorit der Schwulengemeinde von Rio ist die Banda Ipanema. Sie paradiert dieses Jahr am Samstag (2. Februar) und am Dienstag (5. Februar) am berühmten Strand von Ipanema.

Die Fans der Carmalitas Bloco verkleiden sich gern als Nonnen. Die Gruppe lockt die Massen am Freitag (1. Februar) in die Gegend um Santa Teresa. Im Stadtzentrum spielt am Samstag die Cordao de Bola Preta, eine der traditionellsten Karnevalskapellen, ein Anziehungspunkt gerade für Familien mit kleineren Kindern.

Einige der größeren Blocos sind inzwischen Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Sie ziehen solche Menschenmassen an, dass selbst für die Musiker kaum noch ein Durchkommen ist. Wem das alles zu anstrengend und aufwendig erscheint, der kann immer noch den Weg des geringsten Widerstands gehen: sich an den Strand legen und warten, bis die Party zu ihm kommt.

Michael Astor, AP



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