Kentucky Wo blaues Gras high macht

Bluegrass ist in Kentucky nahezu allgegenwärtig. Entweder duftet die Luft in dem Bundesstaat im Südosten der USA nach dem blau schimmernden Gras. Oder es erklingt mit Banjos und Fiddles die gleichnamige Musik.


Live-Musik in Renfro Valley: In der Scheune begann mit dem "Valley Barn Dance" der Siegeszug des Bluegrass
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Live-Musik in Renfro Valley: In der Scheune begann mit dem "Valley Barn Dance" der Siegeszug des Bluegrass

Lexington - Die Wurzeln des Bluegrass sind lang: 1939 machte der Unternehmer und Country-Music-Fan John Lair Renfro Valley nahe der Stadt Lexington zur Hochburg der schmissigen Klänge. Jeden Samstag veranstaltete er in einer großen Scheune den "Valley Barn Dance", einen Abend mit Musik und Comedy-Einlagen. Sie wurde bald auch im Radio übertragen und entwickelte sich zu einer wichtigen Einnahmequelle für die arme Landbevölkerung.

Heute geht in der kleinen Stadt jedes Jahr im Juli das Bluegrass Festival über die Bühne. Um die Scheune scharen sich allerlei Motels, Restaurants und Andenkenläden, ein Pioniermuseum und ein brandneues Country-Music-Museum. Inzwischen gibt es darin jeden Abend klassischen Country, Bluegrass und Gospelmusik zu hören. Im Publikum sitzen Familien mit Kindern ebenso wie Rentner, die - oft mit Bussen - auf Durchreise in den Sonnenstaat Florida sind.

Im Kentucky Music Museum and Hall of Fame sind Kostüme oder Fotos großer Country-Stars zu bestaunen. Dazu gehört etwa Loretta Lynn, die mit ihren Songs "Honky Tonk Girl" und "Coal Miner's Daughter" berühmt wurde. Die in einer Kate aufgewachsene Sängerin, die mit 13 Jahren heiratete, mit 14 ihr erstes Kind bekam und mit 25 ein Musikstar war, wird in Kentucky bis heute heiß geliebt. Ihr zu Ehren richtete auch das Kentucky Coal Mining Museum in der Stadt Bentham eine Ausstellung mit Kostümen, Puppen und Küchengeräten ein.

Lodge in der Wildnis von Kentucky: Im US-Bundesstaat gibt es 18 State Parks
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Die Geschichte der weißen Siedler in Kentucky reicht bis in das Jahr 1775 zurück. Damals "eroberte" der Pionier Daniel Boone von Tennesse kommend mit 30 Männern das Gebiet, in dem bis dahin vor allem Cherokee-Indianer heimisch gewesen waren. Bald folgten weitere Siedlergruppen, und Boone gründete in der Nähe des heutigen Lexington Kentuckys erste Siedlung. Das von Palisaden umgebene Fort Boonesborough war keine militärische Anlage, sondern eine Siedlung mit geduckten Holzhäusern.

Das Leben der Siedler war hart. Der Pioniers-Alltag wird heute im Museumsdorf im Fort Boonesborough State Park für die Besucher nachgespielt: Frauen in langen Gewändern und Petticoats kochen, backen, weben und nähen mit den Werkzeugen des späten 18. Jahrhunderts. Männer bearbeiten Felle, ölen ihre Flinten oder grillen auf dem Dorfplatz Schweine und Wild.

Bis etwa in die frühen siebziger Jahre spielte dann die Kohle in Kentucky eine Hauptrolle. Übrig geblieben aus der Bergbau-Ära ist die "Firmenstadt" Stearns. Sie wurde für die Kumpel und ihre Familien von der Stearns Company gebaut. Besucher können heute deren Verwaltungsgebäude ebenso besichtigen wie die Schächte, in denen das "schwarze Gold" abgebaut wurde.

Zu den Hauptattraktionen Kentuckys zählen heute aber auch die ausgedehnten Naturschutzgebiete in den State Parks. Dort laden Berge, Wälder, Flüsse und Seen zum Wandern, Reiten, Klettern, Kanufahren, Raften, Fischen und Schwimmen ein. In den insgesamt 18 Parks finden sich jeweils an Flüssen oder Seen gelegene Lodges, in denen für rund 60 Dollar die Nacht verbracht werden kann. Ein Minuspunkt ist allerdings, zumindest für Figurbewusste, meist das Essen: Es strotzt nur so vor Kalorien.

Cumberland Falls: Unterhalb des mehr als 20 Meter hohen Wasserfalls starten Kanufahrer ihren Paddel-Trip
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Von der Lodge im Natural Bridge State Resort Park führt eine einstündige Wanderung immer bergan zur Natural Bridge. Diese natürliche Brücke besteht aus einem etwa 200 Meter langen und 20 Meter dicken Felsbogen, der in schwindeliger Höhe das Red-River-Tal überspannt.

Die historische Dupont Lodge, deren massive Steinmauern sich den Felsen anpassen, ist der Ausgangspunkt für Wander- und Reittouren zum 20 Meter hohen Wasserfall im Cumberland Falls State Resort Park. Unterhalb der Fälle werden dickwandige Schlauchboote in das Wasser gelassen. Drei Stunden lang geht es dann den Cumberland-Fluss hinunter: durch stille Gewässer, wo die Kanuten zur Abkühlung über Bord gehen und durch Stromschnellen.

Schließlich mündet der Cumberland-Fluss in den gleichnamigen See. Auf dem 300 Kilometer langen Gewässer kreuzen etwa 200 Hausboote - die meisten davon können gemietet werden. Die Gefährte bieten bis zu zwölf Menschen Platz und sind mit Küche, Schlafkabinen, Ess- und Wohnecke sowie Sonnendeck samt Wasserrutsche ausgestattet. Der Unterhalt ist zwar nicht ganz billig, da sie viel Sprit verschlingen. Dafür sind die Hausboote einfach zu steuern - einen Führerschein brauchen die Freizeitkapitäne dafür nicht.

Von Frauke de Looper, gms



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