Khao Lak nach dem Tsunami Wiedergeburt eines Urlaubsparadieses

Zwei Jahre nach dem Tsunami ist Khao Lak im Süden Thailands in die Reisekataloge zurückgekehrt. Aufräumarbeiten und Wiederaufbau in dem Urlauberparadies der Deutschen sind fast abgeschlossen - neu sind nur die Schilder für Fluchtwege in die Berge.


Frankfurt/Bangkok - Die meisten Deutschen hätten wohl passen müssen, wären sie vor Weihnachten 2004 gefragt worden, wer oder was Khao Lak ist. Dann kam der Tsunami im Indischen Ozean und mit ihm viel Leid und Zerstörung. Es gab Küstenabschnitte, die noch härter von den Todeswellen getroffen wurden, insbesondere in Indonesien. Gerade in Deutschland rückte aber rasch Khao Lak im Süden Thailands in den Fokus: Dort gab es besonders viele tote Urlauber aus der Bundesrepublik zu beklagen.

Für den Tourismus sei Khao Lak verloren, befürchteten manche Experten. Doch zwei Jahre später sieht die Sache anders aus: Khao Lak ist zurück in der Normalität - und in den Reisekatalogen.

Rund 40 Hotels und größere Bungalowanlagen standen in Khao Lak, als der Tsunami am Zweiten Weihnachtstag 2004 über sie hereinbrach. Die Bettenzahl lag bei etwa 4000, berichtet Bettina Kraemer vom Thailändischen Fremdenverkehrsamt TAT in Frankfurt. Beide Werte seien inzwischen wieder annähernd erreicht, auch wenn noch nicht alle zerstörten Hotels an dem Kilometer langen Sandstrand wieder aufgebaut seien. 2005 sei ein Jahr des Aufräumens gewesen, 2006 eines des Wiederaufbaus, lautet Kraemers Bilanz.

Als "aufsteigende Region mit Baustellentätigkeit" bezeichnet auch Sedat Tatli Khao Lak. Der Bereichsleiter Asien bei Meier's Weltreisen in Frankfurt sagt, die Region stehe touristisch heute wieder da, wo sie ein Jahr vor dem Tsunami schon einmal war. Derzeit baue die Kempinski-Gruppe das ehemalige Sofitel um, aus dem am Jahresende 2004 viele Bilder totaler Zerstörung um die Welt gingen. Die Neueröffnung ist für 2008 geplant.

Zu spüren seien die Bauarbeiten vor allem im Zentrum der Küste von Khao Lak, südlich und nördlich lägen die Hotels jetzt weiter auseinander als früher. Tatli erwartet aber, dass in den kommenden Jahren weitere Hotels entstehen.

Nur wenig deutet noch auf die Katastrophe hin

Ein Gedenkplatz erinnert an die Zerstörungen des 26. Dezember 2004 in Khao Lak. Auf Tafeln seien dort Namen der Opfer verzeichnet, erzählt Bettina Kraemer vom Fremdenverkehrsamt. Auch ein größeres Patrouillenboot der Polizei, das von den Wellen weit ins Landesinnere gespült wurde, sei noch dort, wo es das Wasser damals zurückließ – "und da soll es auch liegen bleiben."

Neu ist für Urlauber, dass es nun überall Hinweisschilder gibt, die Fluchtwege in die Berge weisen, sagt Jan Respen, der Asien-Direktor des Reiseveranstalters FTI in Bangkok. Neben den Baustellen seien sonst aber kaum Flutfolgen sichtbar. "Jeder Tourist, der jetzt nach Khao Lak kommt, ist völlig überrascht", schreibt auch der Asien-Experte und Reiseführerautor Richard Doring auf seiner Homepage www.khaolak.de. Die Region habe sich "unglaublich schnell erholt".

Auch in den Katalogen der Reiseveranstalter nimmt Khao Lak wieder ähnlich viel Raum ein wie vor dem Tsunami. Die TUI etwa listet in dem entsprechenden Sommerprospekt sieben Hotels dort auf. FTI hat acht Anlagen im Programm und Meier's Weltreisen neun. Das ist nur eine weniger als im Winter vor dem Tsunami, aber es sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Winter, als Khao Lak nur im Programm geblieben war, "um den Namen nicht aus den Katalogen verschwinden zu lassen", wie Tatli es ausdrückt.

Höchstens Baustellenlärm hält Reisende ab

Die Nachfrage zieht mit. Khao Lak werde "überdurchschnittlich gut gebucht", sagt Stefanie Berk, Fernreisen-Direktorin bei Neckermann in Oberursel. Der Tsunami wirke sich auf die Touristenzahlen nicht mehr aus, weil das Ereignis von den Urlaubern als "einmalige Naturkatastrophe, die sich nicht wiederholt" eingestuft werde. Sie rechne deshalb damit, dass Khao Lak für Neckermann Reisen bald wieder das wichtigste Zielgebiet in Süd-Thailand sein wird, sagt Berk. Meier's Weltreisen stehe bei der Nachfrage "knapp vor dem Stand, den wir zu Weihnachten 2004 hatten", sagt Sedat Tatli.

FTI erreicht in Khao Lak immerhin 50 Prozent des Niveaus vor der Katastrophe. Laut Asien-Direktor Respen sei Khao Lak die Destination, die in Thailand nach dem Tsunami "am langsamsten zurückgekehrt" ist. Er erklärt das mit der Furcht der Touristen vor Baustellenlärm. Auch FTI rechne aber mit einer vollständigen Normalisierung im Winter 2007/08.

Insgesamt habe die Hotelauslastung im vergangenen Winter, als erst wenige Anlagen geöffnet waren, bei 80 Prozent gelegen, teilt das thailändische Fremdenverkehrsbüro mit. Nun seien es bei deutlich mehr Häusern 90 Prozent, und für manche Wochen sei Khao Lak fast ausgebucht. Mit seinen Stränden und den eher ruhigen Hotels sei die Region ein Gegenpol zum Trubel in Phuket und werde gerade von Deutschen gezielt ausgesucht. Es sei daher nicht zu erwarten, dass die Erinnerung an den Tsunami der Entwicklung von Khao Lak langfristig im Wege steht, sagt Bettina Kraemer.

Christian Röwekamp, gms



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