»Sea Cloud Spirit« in der Werft im spanischen Vigo: Jungfernfahrt im April geplant
»Sea Cloud Spirit« in der Werft im spanischen Vigo: Jungfernfahrt im April geplant
Foto: Dejan Nikolic / TMN

Geplante Jungfernfahrten Diese neuen Kreuzfahrtschiffe gehen 2021 an den Start

Corona hat die Kreuzfahrt ausgebremst – auch Premieren von Neubauten verzögerten sich. Nun sollen wieder Schiffe in Dienst gestellt werden.

Nach Feierlichkeiten ist bei den Kreuzfahrtreedereien wohl niemandem zumute. Ein katastrophales Jahr mit Zwangspause aufgrund der Coronakrise liegt hinter der Branche, und auch die Aussichten für 2021 sehen noch düster aus. Eine Taufe mit Champagner und Jungfernfahrt? Die möchte wohl zurzeit niemand planen müssen.

Viele Kreuzfahrtschiffe, die 2020 zum ersten Mal auslaufen sollten, befinden sich immer noch in den Werften. Und auch andere Neubauten verzögern sich aufgrund der Corona-Pandemie. Gleichzeitig haben Reedereien mit dem Abwracken von alten Schiffen begonnen – vor der Krise war das nicht geplant gewesen: Die Nachfrage nach Kreuzfahrten war zu groß. Immerhin könnte sich so die Gesamtklimabilanz der Branche verbessern, denn viele der neueren Schiffe verbrauchen weniger Treibstoff und haben moderne Umwelttechnologie an Bord.

Ein Ende der Kreuzfahrt durch Corona sehen Experten aber nicht. »Kreuzfahrten werden wieder boomen«, sagt zum Beispiel der Tourismusforscher Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Das Geschäftsmodell hält er nicht für bedroht. »Kreuzfahrt wird es weiterhin geben – sie wird sich aber verändern«, sagt auch Alexis Papathanassis, Professor für Cruise Tourism Management an der Hochschule Bremerhaven. Kreuzfahrtschiffe würden weiterhin größer, sie hätten aber mehr smarte Technologien an Bord, auch würden Automatisierung und Robotisierung eine Rolle spielen.

Doch wann können Urlauber auf den neuen Schiffen in See stechen? Die Reedereien weltweit planen Indienststellungen ab Februar. Ob diese Pläne wirklich umgesetzt werden können, hängt wohl vom Verlauf der Corona-Pandemie ab. Ein Überblick mit den wichtigsten Reedereien für deutsche Reisende:

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Kreuzfahrtpremieren 2021: Von »Mardi Gras« bis »Sea Cloud Spirit«

Foto: Westend61 / TMN

Aida Cruises: zweites LNG-Schiff verzögert sich

Für Kreuzfahrt-Fans in Deutschland wird dies wohl der wichtigste Neubau des Jahres: die »Aida Cosma«. Die Premierensaison des zweiten LNG-Schiffes von Aida – also eines Schiffes, das komplett mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben wird – sollte eigentlich im Sommer 2021 stattfinden, doch daraus wird nichts. Es wird später fertig als geplant. Die geplanten siebentägigen Kreuzfahrten von Kiel nach Norwegen und ins Baltikum ab Mai 2021 übernimmt nun das Schwesterschiff »Aida Nova«.

Die zweite große Reederei in Deutschland, TUI Cruises, hatte weder für das Jahr 2020 noch für 2021 geplant, neue Schiffe in Dienst zu nehmen. Hier geht es erst 2023 mit der »Mein Schiff 7« weiter.

MSC: zwei neue Schiffe in einem Jahr

Die »MSC Virtuosa« ist das vierte Schiff der Meraviglia-Klasse, es sollte ursprünglich im November 2020 seine erste Saison beginnen. Nun ist der Start laut MSC Cruises für den 8. Mai 2021 geplant. Im Programm stehen 7- bis 14-Nächte-Kreuzfahrten in Nordeuropa ab Kiel. Das Schiff fährt abwechselnd zu Norwegens Fjorden und auf der Ostsee.

Die Reederei will 2021 aber noch ein zweites neues Schiff auf Reisen schicken: Die »MSC Seashore« mit Platz für bis zu 5632 Passagiere wird als erstes Schiff der sogenannten Seaside-Evo-Klasse ab 1. August für einige Fahrten im Mittelmeer unterwegs sein, so der Plan. Im November 2021 wird das Schiff für Karibik-Kreuzfahrten nach Miami in den USA versetzt.

Carnival: LNG-Premiere in den USA

Die »Mardi Gras« von Carnival Cruise Line wird das erste LNG-Kreuzfahrtschiff einer US-amerikanischen Reederei sein. Eigentlich sollte das Riesenschiff mit Platz für 5200 Passagiere und einer Achterbahn an Bord im Spätsommer 2020 ausgeliefert werden. Nun soll es im Februar 2021 in Port Canaveral in Florida den Dienst aufnehmen, wie Carnival Cruise Line mitteilt. Derzeit erhalte die »Mardi Gras« in der Meyer Werft im finnischen Turku ihre endgültige Ausstattung.

Royal Caribbean: »Odyssey of the Seas« im Frühjahr fertig

Auch die »Odyssey of the Seas« von Royal Caribbean International sollte 2020 ihr Debüt feiern. Das 27. Schiff der Flotte wird laut Reederei nun jedoch erst im März 2021 übergeben. Zunächst stünden ab April Minikreuzfahrten vom englischen Southampton und Barcelona aus im Programm, bevor dann die reguläre Sommersaison mit Kreuzfahrten von Rom aus ins östliche Mittelmeer beginne. Im November 2021 geht es auch für dieses Schiff in die USA. Die »Odyssey of the Seas« mit Platz für mehr als 4000 Gäste wird von der Meyer Werft gebaut.

Corona und Kreuzfahrt

Viele Kreuzfahrt-Reedereien verlangen von ihren Gästen einen negativen Covid-19-Test, bevor sie an Bord gehen dürfen. Aida Cruises,  TUI Cruises  und Hapag-Lloyd Cruises  zum Beispiel bieten ihren Kunden dazu eine kostenfreie Möglichkeit für PCR-Tests an. Der Zeitpunkt des Testabstrichs hängt auch von eventuellen Vorgaben der Reiseländer ab. Wer sich etwa in Helios-Kliniken  testen lassen will, erfährt von diesen das Zeitfenster.

Die Testpflicht zum Beispiel bei TUI Cruises gelte zunächst weiterhin unabhängig von einer möglichen Impfung, wie Pressesprecherin Godja Sönnichsen sagt. Aida wird laut Sprecher Hansjörg Kunze die Hygiene-Protokolle aktualisieren, sobald die Kreuzfahrten Ende Januar wieder aufgenommen werden. In welcher Hinsicht lässt er offen,

Auch die Crews durchlaufen Tests: Bei TUI Cruises zum Beispiel werden die Mitglieder sowohl vor der Abreise aus ihrer Heimat als auch vor dem Boarding getestet. Zusätzlich müssen sie sich an Bord für 14 Tage in Einzelisolation begeben. Danach finden tägliche Temperatur-Checks und monatliche Tests statt.

Über die Boarding-Bedingungen geben die Webseiten der jeweiligen Reedereien Auskunft.

Hurtigruten und Nicko Cruises: keine gute Zeit für Expeditionskreuzfahrten

Die »Fridtjof Nansen« ist dafür gedacht, extreme Regionen des Planeten zu besuchen, zum Beispiel die Arktis und die Antarktis. Das Expeditionsschiff von Hurtigruten mit 265 Kabinen nahm zwar 2020 seinen Dienst auf, doch das Vergnügen war von kurzer Dauer: Nachdem im Sommer auf dem Schwesterschiff »Roald Amundsen« das Coronavirus ausgebrochen war, sagte die norwegische Reederei alle Reisen bis Ende 2020 ab.

Auch die Premierenplanungen des zweiten Hochseeschiffes von Nicko Cruises hat das Virus ruiniert: Die »World Voyager« mit Platz für 200 Reisende sollte 2020 an den Start gehen, aber dazu kam es nicht mehr. Nach Angaben des Veranstalters soll die erste Fahrt nun im März 2021 zu den Kanaren führen. Im Sommer 2021 will Nicko Cruises das neue Schiff dann unter anderem im Mittelmeer einsetzen. Die »World Voyager« ist das Schwesterschiff der »World Explorer«.

Sea Cloud Cruises: endlich die Segel setzen

Als die unendliche Geschichte der Kreuzfahrt könnte man den Werdegang des Großseglers »Sea Cloud Spirit« bezeichnen. 2008 als »Sea Cloud Hussar« auf Kiel gelegt, ging die Werft kurz vor der Auslieferung insolvent. Erst 2018 hatte Sea Cloud Cruises wieder Zugriff auf den Dreimaster, seitdem wird daran gewerkelt. Im Jahr 2020 sollte das imposante Schiff für maximal 136 Gäste endlich in See stechen, doch dann kam Corona. Die Jungfernfahrt ist nach Angaben der Reederei nun im Frühjahr 2021 geplant: Der Großsegler soll am 22. April 2021 von Palma de Mallorca erstmals mit Passagieren in See stechen.

Ponant: im Zeitplan

Zwei Neubauten hat die französische Reederei Ponant 2020 fristgerecht in Dienst gestellt: »Le Bellot« und »Le Jacques Cartier«. Die Schiffe gehören zu den wenigen neuen Kreuzfahrtschiffen, die 2020 bereits zu Seereisen aufgebrochen sind. Die »Le Bellot« sei termingerecht Ende März fertig und ab Juli rund um Island im Einsatz gewesen, so Ponant. Die »Le Jacques Cartier« folgte Ende Juni und fuhr im Juli zum ersten Mal entlang der französischen Küste.

Costa: erst Europa, dann China

Die neue »Costa Firenze« ist eigentlich für den chinesischen Markt konzipiert, soll aber zuerst in Europa fahren. Die Indienststellung ist laut Costa für Februar 2021 geplant. Reisen im westlichen Mittelmeer sollen nach derzeitigen Plänen am 28. Februar beginnen. Im Sommer 2021 soll das Schiff nach Reedereiangaben in Europa fahren. Für die für 2021 geplante »Costa Toscana« gibt es laut Costa noch keinen endgültigen Termin – wahrscheinlich ist der Herbst.

Princess Cruises: Mittelmeer im Sommer 2021

Die »Enchanted Princess« mit Platz für 3660 Passagiere ist das fünfte Kreuzfahrtschiff der sogenannten Royal-Klasse von Princess Cruises. Das Schiff sollte ursprünglich im Juni 2020 in Dienst gestellt werden, dies verzögerte sich aber bis September. Die erste Seereise mit Passagieren findet zudem erst 2021 statt – und zwar laut Plan vom 22. Mai an, wie die Reederei bestätigt. Es geht ins östliche Mittelmeer.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Kreuzfahrtschiffe, die 2021 in Dienst gestellt werden – teils verspätet, teils pünktlich, darunter zum Beispiel das Expeditionsschiff »Crystal Endeavour« (Crystal Cruises) und das Luxusschiff »Seabourne Venture« (Seabourne Cruises).

Wann die Nachfrage nach Seereisen wieder so richtig Fahrt aufnimmt, wird aber vom Verlauf der Pandemie abhängen. Schiffe gibt es genug.

Philipp Laage, dpa/abl
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