Kreuzfahrtschiffe Arbeiten im Luxus

Ferne Länder, Sonne, Wellen und Luxus vom Feinsten – auf noblen Kreuzfahrtschiffen lässt sich das leichte Leben genießen. Wer nicht das nötige Kleingeld hat, kann dennoch an Bord der Ozeanriesen gelangen: indem er dort arbeitet.


Irgendetwas geht an Bord immer schief - und wenn es nur die verlegte Sonnenbrille ist, die ein Kreuzfahrt-Passagier vermisst. Gut, wenn es dann jemanden gibt, der für solche Probleme zuständig ist. Gefragt sind dafür Persönlichkeiten mit einem Händchen für Organisation, die auch bei Stress die Ruhe bewahren und selbst auf ausgefallene Wünsche nie ausfallend reagieren.

Ein offenes Ohr für die Gäste: Hostessen auf Kreuzfahrtschiffen helfen zum Beispiel bei der Planung eines individuellen Ausflugs
GMS

Ein offenes Ohr für die Gäste: Hostessen auf Kreuzfahrtschiffen helfen zum Beispiel bei der Planung eines individuellen Ausflugs

Eine einheitliche Bezeichnung für solches Personal auf Kreuzfahrtschiffen gibt es nicht. "Früher hieß das mal Kummertante, heute klingen die Bezeichnungen dynamischer", sagt Johann Zurnieden vom Schifffahrtsausschuss des Deutschen Reiseverbandes (DRV). "Mal heißt es Butler, mal Concierge oder Hostess", so der Geschäftsführer des Veranstalters Phoenix Reisen in Bonn. "Bei uns heißen sie schlicht Reiseleiter." Je nach Reederei oder Veranstalter sind sie fest angestellt oder haben so genannte Schiffsverträge zum Beispiel für ein halbes Jahr.

Eigentlich sollte man meinen, Passagiere auf der "Queen Mary 2" ("QM2") müssten wunschlos glücklich sein. Als der Luxusliner vor zwei Jahren erstmals den Atlantik überquerte, war er das größte und teuerste Passagierschiff der Welt. Das teuerste ist er noch heute. Die Innenausstattung, von den mit Teakholz verkleideten Gängen bis zu den fünf Swimmingpools, gilt als verschwenderisch. Und nicht einmal jede normale Wohnung ist so groß wie die geräumigeren "QM2"-Kabinen. Trotzdem gibt es immer wieder Gäste, die noch etwas auf dem Herzen haben. Dann ist Isabelle Bastian gefragt.

Erfahrung in der Hotelbranche ist von Vorteil

Die gelernte Hotelfachfrau arbeitet als Hostess auf dem Ozeanriesen und ist damit Ansprechpartnerin Nummer eins für alle erdenklichen Sorgen und Nöte, die an Bord auftauchen können. Kundenwünsche zu erfüllen, ist die 26-Jährige gewohnt, die unter anderem in der Schweiz in mehreren Hotels gearbeitet hat und fünf Sprachen spricht. Auf der "QM2" ist sie als sogenannte German Hostess allerdings vor allem für die deutschsprachigen Gäste zuständig.

Ein Ausbildungsberuf ist Hostess nicht, Erfahrung in der Hotelbranche ist aber nicht ungewöhnlich. "Fundierte touristische Fachkenntnisse sind eine absolute Voraussetzung", sagt Negar Etminan, Pressereferentin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg. "Qualifikationen, die an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gebraucht werden, gehören auch für Hotelfachleute zur Ausbildung", ergänzt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin. "Zum Beispiel Flexibilität, ein hohes Maß an Belastbarkeit, die Fähigkeit zu organisieren und zu improvisieren." Auch viele Hotels haben Mitarbeiter im sogenannten Guest Relation Management - genau das, wofür Isabelle Bastian auf der "QM2" verantwortlich ist.

Bei den Kreuzfahrtreedereien sind die Zuständigkeiten dafür unterschiedlich verteilt. Auf den Schiffen von Transocean Tours zum Beispiel gibt es sie nicht. Auf der "MS Astor" fährt seit diesem Frühjahr allerdings ein Concierge mit. "Der hat gegenüber der Rezeption seinen eigenen Tresen", sagt Reederei-Sprecher John Will, "und ist Ansprechpartner für individuelle Wünsche, vor allem, was das Ausflugsprogramm betrifft." Wer beim nächsten Landgang einen Mietwagen braucht, einen Stadtplan oder für abends Theaterkarten, bespricht das mit dem Concierge an Bord. Der organisiere das dann per Telefon oder E-Mail.

Extrawünsche mit einem Lächeln lösen

"Wo wir in Lissabon oder Manaus die Windeln für die Kleinkinder an Bord bekommen, wird allerdings schon vor der Abreise geklärt", sagt Will. Viele Wünsche seien eben viel einfacher zu erfüllen, wenn sie nicht erst auf hoher See bekannt werden. "Wir haben einen Gast, der isst bevorzugt Spaghetti - allerdings mit einem ganz bestimmten Parmesan. Den besorgen wir dann."

Vom Concierge wird auch bei Hapag-Lloyd erwartet, dass er schnell und diskret die Wünsche seiner Gäste erfüllt - selbst wenn von einem Tag auf den anderen noch ein Tisch in einem New Yorker Restaurant reserviert werden soll, das üblicherweise auf Monate im Voraus ausgebucht ist. Weltweite Kontakte sind deshalb unverzichtbar.

"Wir hatten auf der 'Queen Mary 2' mal einen Passagier, der sich unbedingt Kobe-Beef zum Essen gewünscht hat", erzählt Cunard-Sprecher Ingo Thiel. "Das stammt von Rindern, die täglich mit Bier massiert werden, und soll superzart sein, kostet aber 250 Dollar das Kilo." Das Fleisch hat Cunard extra aus Japan einfliegen lassen.

In der Mehrzahl sind die Anliegen, mit denen sich Passagiere an Hostessen wie Isabelle Bastian wenden, aber eher alltäglich. "Das fängt mit der vergessenen Zahnbürste an und endet beim verlorenen Ehering", sagt Thiel. Oft ist Kreativität gefragt, wie im Fall der aufgeregten Dame, die auf der "MS Europa" an den Kapitänstisch geladen wurde, aber ihre schwarzen Schuhe zu Hause gelassen hatte. Der Concierge löste das Problem auf seine Weise und färbte ein weißes Paar Schuhe mit schwarzer Schuhcreme. Die Passagierin war glücklich, dem Kapitän fiel nichts auf.

Andreas Heimann, gms



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