Kuala Lumpur Gigantomanie auf der grünen Wiese

Ein Park mit Moschee. Links die Skyline der Stadt, rechts die höchsten Türme der Welt. Im Hintergrund Harfenmusik: Kuala Lumpur ist ein Kaleidoskop voller Kontraste.

Von Hilke Maunder


Die Hauptstadt Malaysias gleicht einem Moloch, pendelt zwischen Mittelalter und Moderne, Militär und Markt, Gottesfurcht und Globalisierung. Mit 1,6 Millionen Einwohnern zählt die Metropole im Klang Valley zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsstandorten Asiens.

Aufgeräumt: Die Skyline von Kuala Lumpur
Hilke Maunder

Aufgeräumt: Die Skyline von Kuala Lumpur

Die Stadt, kurz "KL" genannt, verkörpert mit architektonischen Superlativen wie den 88 Stockwerke hohen Petronas Twin Towers Malaysias Ehrgeiz und Anspruch auf Führung und Vormacht.

Superlative sind nationaler Stolz - und Ziel jedes Strebens. Deutlich zeigen Stadt und Land Flagge: Am Merdeka Square erhebt sich mit 95 Metern der welthöchste Fahnenmast. Im neuen Kuala Lumpur International Airport (KLIA), der als Drehkreuz Bangkok und Singapur den Rang ablaufen will, verwöhnt Malaysia Airlines ihre Business- und First-Class-Gäste in der weltweit größten und modernsten Lounge: 4.000 Quadratmeter Luxus in Erdtönen, Glas und Marmor; samt Internet, Sauna und Gebetsraum.

Als weltbeste Bar heimst "The Pub" im Shangri-La-Hotel alljährlich internationale Auszeichnungen und Preise ein. Bis zu 2000 Gäste können im Ballsaal des Mandarin-Oriental-Hotels tanzen - stadtweit spitze. Rekordfreude dominiert auch bei den Sehenswürdigkeiten. Der weltgrößte Bierhumpen lädt zur Besichtigung der königlichen Bleigießerei "Royal Selangor".

Die Petronas Twin Towers sind 452 Meter hoch
Hilke Maunder

Die Petronas Twin Towers sind 452 Meter hoch

Mehr als 5000 Vögel aus 100 Arten umschwirren die Besucher in den Taman Tasik Perdana (Lake Gardens). Der 3,2 Hektar große Bird Park zählt zu den größten begehbaren Volieren der Welt. Gläubige Hindus steigen die 272 Stufen zu den Batu Caves hinauf.

In den drei hinduistischen Höhlentempeln vor den Toren der Stadt wird Ende Januar alljährlich das laut Eigenwerbung "weltberühmte" Thaipusam-Festival gefeiert.

Wahrhaft einmalig und außergewöhnlich sind die wenigen, noch erhaltenen Zeugen islamisch inspirierter Architektur aus der britischen Kolonialzeit. Mit Minaretten und Kuppeln, Säulen und Bögen, 1910 strahlend weiß erbaut, gleicht KL Railway Station eher einem Traum aus 1001 Nacht als einem pulsierenden Zentrum des Nah- und Fernverkehrs.

Das passende Bett zum Bahnhof bietet das Heritage Hotel, integriert im historischen Ensemble. Die Kolonialverwaltung residierte im 1848 erbauten Sultan-Abdul-Samad-Gebäude mit seinem markanten 40 Meter hohen Uhrturm.

Westlicher Einfluss allenthalben: Werbetafeln in der City
Hilke Maunder

Westlicher Einfluss allenthalben: Werbetafeln in der City

Am Zusammenfluss von Klang und Gombak erbauten die Briten für "ihre" malaiischen Moslems die Jamek-Moschee - heute eines der meistfotografierten Gebäude der Stadt.

Sonntags konzentriert sich jegliches Streben auf Shopping. Nicht nur bei Asiaten gilt KL als Mekka für Markenbewusste. Unter den welthöchsten Türmen sind sie im siebten Himmel: Trend-Designer und Kult-Klassiker aus Asien, Amerika und Australien präsentieren Shop an Shop, Etage um Etage im Suria KLCC (Kuala Lumpur City Centre) Kleidung, Kosmetik, Lebensart.

Europas Elite residiert im Starhill Centre, auf fünf Etagen mit dem JW Marriott verbunden: Prada, Versace, Vuitton, nur wenige Schritte vom Hotel entfernt. Auf Wunsch wird die Ware ins Zimmer geliefert.

Londons Covent Garden diente als Vorbild für die Wiederbelebung des Central Market. Wo ab 1928 Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch verkauft wurden, bieten heute Händler Souvenirs zwischen Kitsch und Kunst, serviert mit Shows und Snacks.

Immer gut frequentiert: Kuala Lumpurs China Town
Hilke Maunder

Immer gut frequentiert: Kuala Lumpurs China Town

Exotischer geht es nur wenige Schritte weiter zu: Shopping in Chinatown. 300 Mark verlangt der Straßenhändler für eine Rolex-Uhr. An den Ständen der Petaling Street ist Feilschen Pflicht. Uhren, Telefone, Taschen, T-Shirts, CDs und Software: Dicht an dicht stapeln sich auf wackeligen Tischen Plagiate von schlecht bis superb.

In den Gassen und Gängen ringsum: Garküchen. Männer beugen sich über hohe Schalen, verzehren schnell und schweigend Hainanese Fried Rice, balancieren gefüllte Pau-Klößchen zwischen Plastikstäbchen, löffeln Suppe. In diesem Reich der Mitte scheint Malaysia meilenweit entfernt.

Und dringt von allen Seiten doch hinein: Überall wird gebaut und gebuddelt, die historische Substanz der Stadt dem Erdboden gleichgemacht, noch nachts im Licht riesiger Scheinwerfer der nächste Neubau hochgezogen. Das "Golden Triangle" entstand in drei Jahren.

Asiatische Küche ist überalll zu bekommen
Hilke Maunder

Asiatische Küche ist überalll zu bekommen

Für Gigantomanie auf der grünen Wiese steht die Mid-Valley Mega-Mall mit 1,7 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche. Mehr als 400 Shops auf fünf Etagen machen sie zum derzeit beliebtesten "Ausflugsziel", leicht zu erreichen mit Auto, Bus und Light-Rail-Transit (LRT)-Schnellbahn.

Wer nicht einkauft, genießt Freizeit der Superlative im Sweat Club, Südostasiens größtem Fitness- und Wellness-Center, beim Bowling auf 39 Bahnen oder im Kino - mit 18 Sälen - wen wundert's - das größte Asiens.



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