Kuba Lieber individuell als pauschal

Die meisten Touristen erleben Kuba als Gast in einer der großen Ferienanlagen. Dabei reichen ein paar Brocken Spanisch und eine gute Portion Gelassenheit vollkommen aus, um diese wunderbare Insel auf eigene Faust zu entdecken.


Eindrücke vom Alltagsleben: Domino unter freiem Himmel
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Eindrücke vom Alltagsleben: Domino unter freiem Himmel

Havanna - 200.000 Urlauber aus Deutschland kommen pro Jahr auf die Insel, die meisten ziehen die Sicherheit und Bequemlichkeit einer Pauschalreise vor. Dabei hat das Land mit seinen elf Millionen Einwohnern mehr zu bieten als Pulversand und azurblaues Wasser.

Auf dem Weg quer über die Insel sind schroffe Küsten, Seen, unwegsames Gebirge, Bananen- und Zuckerrohrfelder zu entdecken, aber auch leere Fabriken und zerfallende Gebäude. Die Tabakfelder im Westen, die pulsierende Hauptstadt Havanna, die Strände von Varadero, die Städte Trinidad, Camagüy, Holguín und das Zentrum des Son, Santiago de Cuba bis hin zu Baracoa im Osten der Insel.

Seit ein paar Jahren ist es kein Problem mehr, auf Streifzügen durch das Land ein einfaches, bezahlbares Zimmer zu finden. Privat vermietete Quartiere, die "Apartamentos particulares", schossen wie Pilze aus dem Boden.

Ganz offiziell bei Kubanern wohnen und bekocht werden
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Ganz offiziell bei Kubanern wohnen und bekocht werden

Manche Kubaner haben ihre große Wohnung zweigeteilt und ein Bad dazu gebaut. Andere ziehen, wenn Gäste anklopfen, zu Freunden um die Ecke oder zur Oma aufs Land. Teilweise bekochen die Gastgeber auch ihre Gäste und nehmen ihren Besucher zum Einkauf mit. Der erlebt, dass es für Peso meist nur Reis, Brot, Bohnen, Rum sowie einiges Obst und Gemüse gibt. Alles andere ist nur gegen harte US-Dollar zu haben.

In Dollar müssen auch die Abgaben an den Staat für die lizenzierten Zimmer berappt werden. Das Quartier für eine bis zwei Personen wird je nach Qualität für 15 (33 Mark) bis 30 Dollar pro Nacht vermietet. "Unsere Preise sind fair", sagt Zoraya Marquez. Sie vermietet im Zentrum Havannas für 25 Dollar eine kleine, ordentliche Wohnung mit Klimaanlage, Bad und Telefon. Und Nachbar Andres Vilarino ergänzt: "Viele Vermieter haben kräftig in die Quartiere investiert." Die beste Werbung für das Geschäft sei die Mundpropaganda.

In der Gegend um die Calle Neptuno nahe der Uferpromenade Malecon gibt es einige hundert Privatquartiere, in besseren Vierteln wie Miramar auch Villenetagen und Häuser zu Preisen ab 60 Dollar pro Nacht. Neben Papp- und Metallschildern mit der Aufschrift "Apartementos para alquilar" und "Rooms for rent" erstrahlen in Havanna nachts die ersten Quartierhinweise in Leuchtschrift.

Ein Preisvergleich lohnt sich durchaus. Für 25 Dollar zum Beispiel werden karge Minizimmer, plüschige Räume mit Schrankwand und Vitrine, aber auch Wohnungen mit separatem Eingang, Bad und kleiner Küche offeriert. Manche Kubaner offerieren Kärtchen mit Quartier-Adressen. Wer ohne Lizenz vermietet, dem drohen saftige Geldbußen, ebenso Taxifahrern, die ohne korrekte Papiere Ausländer gegen Dollar durchs Land kutschieren.

Kuba hautnah mit etwas Abenteuerlust, Geduld und einer Hand voll Dollar
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Kuba hautnah mit etwas Abenteuerlust, Geduld und einer Hand voll Dollar

Neben Havannas Altstadt mit Kathedrale und Plaza de Armas, Fort El Morro, dem Kolumbusfriedhof mit seinen Grabtempeln, die Lieblings-Bars von Ernest Hemingway, Cabarets und Discotheken lässt sich auch die Umgebung leicht auf eigene Faust erkunden. Die Playas del Este gehören nicht zu den schönsten Stränden der Insel, sind aber durchaus einen Ausflug wert, um der meist stickigen und heißen Hauptstadt mal für ein paar Stunden zu entkommen.

Nach knapp 20 Kilometern zum ersten Strand zeigt der Gebührenzähler der gelbschwarzen "Panataxis" etwa zwölf Dollar. Andere staatliche Taxiunternehmen haben zwar schickere Autos, sind aber noch teurer. Und auch in einem Fünfziger-Jahre-Chevrolet wird die Fahrt zum Strand nicht günstiger.

Im Prinzip stehen den Ausländern auch die öffentlichen Busse zur Verfügung. Allerdings ist dies ohne kubanische Begleitung ein eher schwieriges Unterfangen. Es gibt keine Fahrpläne, an den Haltestellen bilden sich meist endlose Schlangen und immer wieder fällt eines der veralteten Gefährte wegen Motorschadens komplett aus. Wegen des dichten Gedrängels in den Bussen wird auch vor Taschendieben gewarnt.

Weltkulturerbe der Unesco: Die Altstadt Havannas
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Weltkulturerbe der Unesco: Die Altstadt Havannas

Wer es etwas ruhiger mag und sich nach Landleben sehnt, reist vielleicht am besten nach Westen nach Pinar del Rio zu Tabakfeldern, Wasserfällen, Kalksteinkegeln und Höhlen mit Zeugnissen der Taino-Ureinwohner. Die Produktion feiner Zigarren statt Zucker wie im Osten der Insel hat den Lebensstandard hier sichtbar gehoben.

Sehenswert für Touristen ist die Mural de la Prehistoria, eine riesige Felswand-Malerei, an der Dutzende von Künstlern arbeiteten. In der nahen Gemeinde Vinales dürfte es den Schildern zufolge heute mehr Privat- als Hotelbetten geben. Am Kirchplatz werden Fahrräder für Stunden und Tage vermietet.

Der "Astro"-Bus, für den Kubaner sieben Pesos und Ausländer sieben Dollar zahlen, braucht für die 180 Kilometer bis Pinar vier und mehr Stunden, die etwas teurere "Viazul"-Linie fährt die Strecke in drei Stunden.

Mietwagen sind nicht billig in Kuba. Sie kosten ab 50 Dollar aufwärts pro Tag plus Versicherung und Benzin, das fast so teuer wie in Deutschland ist. Flüge zu Dollarpreisen sind meist spontan ohne Wartezeit zu haben. Der Flug von Havanna nach Santiago im Osten kostet einfach hundert Dollar.

Karibikinsel Kuba
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Karibikinsel Kuba

Vor allem junge Reisende mit schmalem Geldbeutel besuchen auch Peso-Lokale, um "Kuba pur" zu erleben. Diese Gaststätten gibt es auf dem Land noch reichlich, in Havanna dagegen schrumpft ihre Zahl. Stattdessen befinden sich dort jetzt vor allem in der Altstadt in kunstvoll restaurierten Gebäuden schicke neue Lokale, die entsprechend teuer sind.

Für Urlaub auf eigene Faust in Kuba brauchen die Reisenden - neben Flugticket, Pass und vielen kleinen Dollarscheinen - eine Touristenkarte. Diese gibt es entweder vom Veranstalter oder von der kubanischen Botschaft in Bonn und Berlin. Das Dokument kostet 48 Mark pro Person, so Wolfgang Krumbein vom Fremdenverkehrsamt. Zudem sei es ratsam, bei der Einreise am Flughafen ein Hotel nennen zu können, in dem man übernachten will. Andernfalls kann es zu langwierigen Diskussionen kommen - ein schlechter Start in den Individualurlaub.

Von Bernd Kubisch, gms



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