Kurioses aus dem Cockpit "Ihr Ankunft-Gate ist auch Ihr Absturz-Gate"

In der Luft sind Pilotenversprecher manchmal gar nicht lustig. Aber nach der Landung... - ein SPIEGEL-ONLINE-Buch über kuriose Cockpit-Ansagen provozierte Leser zur Dokumentation neuer Höhenflüge. Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie hören: "Liebe Fluggäste, gerade kam es zum Totalabsturz"?
Stewardess bei der Arbeit: Manche Crew-Ansagen sorgen für unfreiwillige Komik

Stewardess bei der Arbeit: Manche Crew-Ansagen sorgen für unfreiwillige Komik

Foto: Corbis

Drücken Sie Ihr Kinn gegen die Brust und die Fersen gegen den Boden, ballen Sie die Fäuste und spannen Sie die gesamte Muskulatur an. Dann wieder entspannen. Und jetzt? Nach dieser Übung der Progressiven Muskelrelaxation gegen Flugangst dürfen Sie weiterlesen - auch wenn Sie eher zu den bangen Passagieren gehören. Denn im Folgenden werden SPIEGEL-ONLINE-Leser von ihren Erlebnissen über den Wolken erzählen. Die können auch Vielfliegern einen Schauer über den Rücken laufen lassen - und zum Schmunzeln bringen.

Unsere Leser folgten einem Aufruf auf SPIEGEL ONLINE und im neuen Buch "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt"  von Stephan Orth und Antje Blinda, das Anfang April im Ullstein-Verlag erschienen ist. Sie schickten erneut Dutzende amüsanter Anekdoten ein, die hier erstmals veröffentlicht werden.

Schlagfertige Stewardessen, sich verhaspelnde Piloten und begriffsstutzige Passagiere - Reisen per Flugzeug müssen gar nicht so öde sein, wie oft angenommen wird!

Vor dem Flug: "Sind Sie wahnsinnig?!"

Beim Check-in: "Am Gang zieht es nicht so"

Beim Check-in: "Am Gang zieht es nicht so"

Foto: Corbis

Ein Flugkapitän sagte bei der Begrüßung der Passagiere: "Zufälligerweise und ohne unser Wissen sind heute meine Ehefrau und meine Ex-Ehefrau unter den Passagieren. Bitte sorgen Sie dafür, dass sie sich nicht im Gang begegnen - oder ich muss das Flugzeug verlassen."

M. M. Sieczkowski

In einem Air-India-Flugzeug auf dem Weg von Mumbai nach Delhi waren die Türen bereits geschlossen, die Triebwerke liefen. Mitten in der Begrüßung schrie die Stewardess hysterisch ins Mikrofon: "Are you mad?!" ("Sind Sie wahnsinnig?!") Die Fluggäste sahen sich alle geschockt an. Keiner wusste, was los war. Dann stellte sich heraus, dass jemand vom Bodenpersonal mit leuchtender Warnjacke noch auf der Toilette gesessen hatte. Als er merkte, dass das Flugzeug bereits losrollte, rannte er zur Tür und versuchte, diese zu öffnen. Wir fuhren dann zum Gate zurück, um den blinden Passagier abzugeben.

Martin Leybold

Beim Start eines United-Airlines-Transatlantikfluges auf dem Dulles Airport in Washington sagte der Pilot: "Meine Damen und Herren, wir starten jetzt. Ich hoffe, Ihr Ziel ist Frankfurt, Deutschland. Wenn nicht, dann ist es das jetzt."

Jörn Pachl, Braunschweig

Als Student habe ich am Flughafen Düsseldorf bei der Gepäckannahme gejobbt. Dort checkte ein älteres Ehepaar ein und wurde gefragt: "Gang oder Fenster?" Die beiden sahen sich an, der Mann meinte vorsichtig "Fenster?", die Frau entgegnete energisch: "Nein, wir nehmen Gang, da zieht es nicht so, wenn einer das Fenster öffnet."

Ein anderes Mal wollte ein Passagier ein Klappfahrrad aufgeben und wurde aufgefordert, die Luft aus den Reifen zu lassen. Er weigerte sich, und es entwickelte sich eine längere Diskussion über Sinn und Zweck dieser Maßnahme. Schließlich rief die Flughafenangestellte einen Vorgesetzten und erläuterte ihm kurz den Fall. Dieser lächelte den Passagier an und sagte kurz entschlossen: "Kein Problem, das Fahrrad kommt in den Anhänger." Der Passagier war erleichtert: "Ich wusste doch, dass es eine Lösung gibt!"

Ludwig Mertens, Viersen

Turbulenter Start: "Sie dürfen wenigstens Alkohol trinken"

Turbulenter Start: "Sie dürfen wenigstens Alkohol trinken"

Turbulenter Start: "Sie dürfen wenigstens Alkohol trinken"

Foto: Corbis

Auf einem sehr schwach besetzten Flug von Nürnberg nach Hamburg mit einer kleinen Propellermaschine wurden vor dem Start einige Personen gebeten, sich auf einen anderen Platz zu setzen. Als Passagier dachte man in dem Moment, das wäre ein besonderer Service aufgrund der vielen freien Plätze.

Auf dem Weg zu Startbahn sagte dann aber der Pilot durch: "Guten Morgen, wir bitten Sie zu entschuldigen, dass sich einige von Ihnen umsetzen mussten. Doch da Sie fast kein Gepäck aufgegeben haben, mussten wir dafür sorgen, dass sich der Schwerpunkt des Flugzeugs an der richtigen Stelle befindet. Ob wir das auch richtig gemacht haben, werden wir in wenigen Minuten wissen."

Jonas Kühle

Auf einem Flug in die USA hat ein Freund von mir vor ein paar Jahren Folgendes erlebt: Der Pilot machte die gewöhnliche Ansage nach dem Start - und vergaß dann, das Mikrofon auszuschalten. In die Kabine hallte es: "Jetzt einen starken schwarzen Kaffee und eine Stewardess, die mir einen bläst!" Woraufhin eine Stewardess zum Cockpit stürzte und ein Passagier ihr nachrief: "Hey Süße, vergiss den Kaffee nicht!"

Angelo Schneider, Karlsruhe
Bemerkung der Redaktion: Vielleicht hat der Freund von Herrn Schneider auch dieses Erlebnis genossen. Bekannt ist es schon durch das US-Filmdrama "Good Will Hunting" (1997), in dem es zitiert wird.

Anfang der achtziger Jahre war ich in der DDR auf dem Flughafen Dresden als Bodenpersonal der Transportfliegerstaffel der Luftstreitkräfte stationiert. Eventuelle Passagiere der Transportflugzeuge mussten in der absoluten Holzklasse fliegen: klappbare Sitzbretter entlang des Rumpfes, ein Transport- und Verzurrband, Ladekran und absenkbare Heckrampe zum Auffahren von Fahrzeugen. Und ein Plumpsklo.

Einmal tauchten um 3 Uhr früh ein paar Mannschafts-Lkw auf mit Jungs von den Raketentruppen. Die meisten hatten Schiss, weil sie noch nie geflogen waren. Da drängelte sich ein Major die Rampe hoch und verkündete, dass die Überlebenschance bei einem Absturz am Heck unter dem Leitwerk am größten sei - dort, wo er gerade Platz für sich "befohlen" hatte. Der Mann hatte meinen Chef und mich kurz zuvor wegen unseres angeblich nicht-militärischen Verhaltens angemacht - da bot sich die Chance einer Revanche.

Mein Vorgesetzter sagte laut zu mir: "Liebscher, das klappert!" und rüttelte eindrucksvoll an dem Gestänge der Rampe. "Mach den Krempel richtig fest, nicht dass wir wieder die Laderampe beim Flug verlieren!" Blitzartig verschwand der Major Richtung Flugzeugspitze, wo er es sich dann neben dem Plumpsklo gemütlich machte.

Wir klärten natürlich die "einfachen" Dienstgrade auf, dass sie den sichersten Platz im ganzen Flugzeug hätten und die Rampe auf keinen Fall verloren ginge.

Ingo Liebscher, Bobritzsch

Auf einem Flug von Manila nach Singapur gab es bereits beim Steigflug Turbulenzen. Ich fragte bei dem Steward nach, wie lange das noch andauern würde: "Weiß ich nicht, aber Sie dürfen wenigstens Alkohol trinken."

Claudia Hauenstein, Singapur

Auf Reiseflughöhe: "Gerade kam es zu einem Totalabsturz"

Gute Reise: Manche Flüge bleiben durch amüsante Zwischenfälle jahrelang in Erinnerung

Gute Reise: Manche Flüge bleiben durch amüsante Zwischenfälle jahrelang in Erinnerung

Foto: Corbis

Während eines Lufthansa-Fluges von Frankfurt nach Osaka mit einem neuen Airbus fielen plötzlich alle Bildschirme aus, einzelne Lampen erloschen. Dann kam die Durchsage: "Verehrte Fluggäste, gerade kam es zu einem Totalabsturz des Bordcomputers, alle Funktionen sind momentan ausgefallen! Wir versuchen nun einen Neustart."

Kurz darauf fügte die Stewardess hinzu: "Sobald der Entertainment-Computer wieder läuft, können Sie Ihre Filme weiterschauen." Zum Glück hatten die Piloten einen anderen "Computer", mit dem sie dann schließlich eine sehr gute Landung hinbekamen.

Kalle Hübner, Berlin

Auf einem Flug von Malaga nach Deutschland mit Germanwings flogen wir nachts über Paris. Der Kapitän sagte: "Die Passagiere auf den linken Sitzreihen können zu ihrer Linken Paris bei Nacht bewundern. Die Passagiere auf den rechten Sitzreihen hingegen können zu ihrer Linken Passagiere bewundern, die gerade Paris bei Nacht bewundern."

Tom Janas

Es war 1998 auf dem Rückflug von Nizza nach Frankfurt. Über den Alpen bemerkte ich beim Blick aus dem Fenster ein anderes Verkehrsflugzeug, das sich uns auf gleicher Höhe von der Seite näherte. Plötzlich gab unser Pilot voll Schub und zog die Maschine stark nach oben, während die andere Maschine unverändert auf ihrem Kurs weiterflog. Sie war inzwischen so nahe, dass wir die Fenster des Cockpits erkennen konnten.

Wir machten eine Stewardess darauf aufmerksam. Diese schaute aus dem Fenster, lächelte und meinte dann nur: "Gegen einen Quickie in dieser Höhe ist eigentlich nichts einzuwenden. Nur mit Flugzeugen ist das höchst ungesund." Ich war durchaus beeindruckt.

Peter Freier, Offenbach am Main

Bei einem Lufthansa-Flug nach Rom tönte es aus dem Cockpit: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, binnen Kürze werden wir in Rom landen. Ich bitte Sie, sich nun wieder anzuziehen..." - gefolgt von einer kurzen erschreckten Pause, dann hemmungslosem Losprusten und schnellem Ausschalten des Mikrofons.

Dreimal versuchte der Pilot, seine Ansage zu wiederholen, dreimal musste er sie kichernd wieder abbrechen. Mittlerweile gluckste das ganze Flugzeug, jeder hatte offenbar das Bild einer Maschine voller nackter Passagiere vor Augen. So viele fröhliche Gesichter habe ich selten beim Aussteigen gesehen!

Friederike Mühlhans

Landung: "Willkommen in den Kolonien"

Service in der Kabine: "Verzeihen Sie, gestern war Karneval"

Service in der Kabine: "Verzeihen Sie, gestern war Karneval"

Foto: Corbis

Der Pilot: "Herzlich willkommen in Hannover. Wir sind pünktlich, und Sie werden alle Anschlüsse bekommen, auch nach Hamburg." Die Passagiere schauten aus den Fenstern und wunderten sich, schließlich sollte die Kiste in Hamburg landen und nicht in Hannover. Der Co-Pilot: "Sorry, das war ein kleiner Spaß von meinem Chef hier - der hat heute früh was Falsches geraucht."

Tobias Pottek

Durchsage des Flugkapitäns der PanAm nach der Landung auf dem John-F.-Kennedy-Flughafen in New York: "Meine Damen und Herren, willkommen in den Vereinigten Staaten! Und für unsere britischen Passagiere: Willkommen in den Kolonien."

Harald Spies

Die Landung in Berlin war eher ein Aufschlag. Der Kapitän kommentierte per Bordlautsprecher: "Meine Damen und Herren, das Flugzeug muss einfach wissen, dass es unten ist."

Georg Igl

Nach einer Landung in Hamburg sagte der Pilot: "Herzlich willkommen in Hamburg. Wir fahren Sie jetzt zum indischen Gate. Sie wissen schon, das ist ganz am Ende des Ganges."

Tobias Pottek

Nach einem Air-Berlin-Flug von Köln nach Valencia am sehr frühen Dienstagmorgen nach Rosenmontag kündigte der Kapitän an: "Eine Information für die Fluggäste, die den Anschlussflug nach Palma de Mallorca nehmen: Bitte beachten Sie, dass das Ankunft-Gate auch gleichzeitig Ihr Absturz-Gate ist." Kurze Pause. Dann sagte der Kapitän kichernd: "Das sollte natürlich Abflug-Gate heißen! Da waren meine Gedanken gerade wohl woanders. Verzeihen Sie, verehrte Passagiere, gestern war Karneval." Da wir schon sicher gelandet waren, bekam der Pilot Applaus.

Mark Jakob, Köln

Sie haben noch nicht genug gelacht? Dann lesen Sie weiter im SPIEGEL-ONLINE-Buch "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt"  oder lauschen Sie dem gleichnamigen Hörbuch.