Lesotho Afrikas ehrgeizige Skiregion

Das winzige Königreich Lesotho hat ehrgeizige Pläne: Es will zur wichtigsten Skiregion Afrikas werden. Dafür rüstet das verarmte Land von einer auf fünf Skipisten auf und will hundert Skihütten bauen. Nur mit zahlenden Touristen wird es schwierig.


Mahlasela Valley - "Dies wird das größte Skigebiet in Afrika", sagt stolz der Manager von Afri-Ski, Ollie Esplin. Dann erklärt er, wie er künftig das Risiko einer Schneeschmelze im Mahlasela-Tal von Lesotho möglichst klein halten will. Erste Urlauber aus Südafrika schlängeln sich bereits die bislang einzige Piste hinunter. In den kommenden Jahren sollen vier weitere Abfahrten mit einfachen bis mittleren Schwierigkeitsgraden entstehen. Auch rund 100 Skihütten sind geplant und der höchstgelegene Golfplatz der Welt auf 3300 Metern Höhe.

Einige Hütten stehen bereits an den Berghängen Lesothos. Sie wurden aus Estland importiert. Dennoch bleibt das afrikanische Flair allgegenwärtig: Von Rindern gezogene Karren und traditionelle Lehmhütten prägen die Landschaft entlang der der schmalen, kurvigen Straße, die in das entlegene Skigebiet führt. "Das Schönste ist, dass es am Ende der Welt ist, nicht wie europäische Gebiete", sagt Manager Esplin.

Bereits seit den 1970er Jahren seien immer wieder mal Skifahrer nach Lesotho gekommen, auch wenn er deren genaue Zahl nicht kenne, erzählt Esplin. Im vergangenen Jahr hätten sich immerhin 5000 Sportbegeisterte im örtlichen Skigeschäft eine Ausrüstung geliehen oder sogar gekauft. Mindestens einmal im Jahr schneit es an den Hängen des malerischen Mahlasela-Tals. Um ein zu schnelles Abschmelzen zu verhindern, haben die Initiatoren von Afri-Ski aus Österreich und Südafrika Vorsichtsmaßnahmen getroffen: "Wenn man eine Skipiste anlegt, besonders in Afrika, muss sie nach Süden zeigen, wo sie am wenigsten Sonne bekommt", sagt Esplin.

Skitouristen kommen aus Südafrika

Der Tourismusmanager preist den Binnenstaat Lesotho als die "Schweiz des Südens" an. Dabei zählt Lesotho zu den ärmsten Ländern Afrikas. Die meisten Menschen leben von der Hand in den Mund und betreiben Landwirtschaft. Die umgerechnet 42 Euro für einen vierstündigen Skikurs in Afri-Ski kann sich fast niemand leisten. Im Durchschnitt verdienen die Lesother weniger als 750 Euro pro Jahr. Nur die Touristen - vor allem aus der südafrikanischen Provinz Gauteng - erhalten den Skisport in Lesotho am Leben.

Mit dem Ski-Angebot hat Lesotho auf dem heißen Kontinent kaum Konkurrenz. Nur in Südafrika kann man in Tiffendell noch durch Schnee rutschen. Dort gibt es zur Zeit drei Pisten, und ein Skikurs kostet umgerechnet 120 Euro. Für Skisportler aus den großen südafrikanischen Metropolen Johannesburg und Pretoria hat Afri-Ski neben seinen niedrigen Preisen einen weiteren Vorteil: Es ist nicht so weit weg. "Das ist sehr bequem - nur vier Stunden Fahrt, und die sind überwältigend", sagt der Südafrikaner Billy Becker, der Lesotho mit dem Snowboard erkundet. Er schwärmt von traumhaften Ausblicken auf schneebedeckte Berge.

Lebohang Ramonotse gönnt sich als einer der wenigen Einheimischen einen Skikurs. Normalerweise verkauft der Lesother Skier im Mahlasela-Tal. Er hofft, dass das künftige Skigebiet weiteren Landsleuten eine berufliche Perspektive eröffnet. "Das ist eine große Sache für uns", freut er sich, wohl wissend, dass die Mehrheit seiner Landsleute diese Ansicht nicht teilt. Doch auch die Manager von Afri-Ski glauben fest an den Erfolg: Ein Wellness-Center und Einrichtungen zum Höhentraining sind schon geplant.

Von Fran Blandy, AFP



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