Loire Solartaxi unter Aufständischen

Im Solartaxi wird es immer kälter - nun ist das Sonnenmobil sogar mit Heizlüfter ausgestattet. Louis Palmer lässt sich nicht beirren und besucht die rebellierenden Insulaner von La Charité. Den Flecken in der Loire passieren tagtäglich Tausende Lkw - zu viele, meinen die Dorfbewohner.

Unsere besten Partner in Frankreich sind die "Pompiers", die Feuerwehren. Von einer Station fahren wir zur nächsten, überall erwartet man uns mit Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Die Sonne hat sich definitiv verabschiedet und dem Winter und einem kalten Regen Platz gemacht. So nutzen wir die Spritzenhäuser, um die Batterie an der Steckdose zu laden, mit dem Solarstrom, den wir in der Schweiz ins öffentliche Netz eingespeist haben.

Unser Filmemacher Erik kauft mir einen elektrischen Heizlüfter. Für alle Fälle, wie er meint, falls demnächst bald der Schnee kommen sollte. Denn für den Wintereinsatz haben wir das Solartaxi definitiv nicht konstruiert. Nach 16 Monaten erleben wir jetzt die erste Kälte. Und da wir jetzt unterwegs sind zur Klimakonferenz ins polnische Poznan, werden wir früher oder später wohl auch auf Schnee treffen. Wie das gehen wird, steht noch in den Sternen. Aber das Solartaxi wird auch das schaffen, denken wir - danke der globalen Erwärmung...

Ein warmer Kamin erwartet uns in La Charité-sur-Loire. Ira und Henry von der Inselvereinigung (Association du Faubourg en Loire) erwarten uns. Hier bleiben wir gerne zwei Tage in dem schmucken Haus, welches einst eine Schlachterei war. Diese Insel inmitten der Loire ist mit einer 500 Jahre alten Steinbrücke ans Festland angeschlossen. Seit Jahrzehnten muss die Brücke herhalten für die Schnellstraße "Route Nationale 151", und so passieren jeden Tag auch 1500 Lkw nicht nur die Brücke, sondern auch das idyllische Dorf und die Insel.

Autobahn durchs Dorf

Bis vor kurzem, so unsere Gastgeber, lag die offiziell erlaubte Höchstgeschwindigkeit gar bei 90 km/h. Denn es ist ja eine Schnellstraße, obwohl die engste Stelle durchs Dorf das Passieren zweier Lastwagen gar nicht erlaubt! In den GPS-Systemen wurde dann ein Teil der Inseldurchfahrt dann sogar von einem auf den anderen Tag als "Autobahn" ausgewiesen – was dann natürlich noch zu mehr Schwerlastverkehr aus allen Ländern Europas führte.

Nun haben die aufständischen Inselbewohner rebelliert, und so ist die Geschwindigkeit auf der Brücke neuerdings auf 50 km/h und im Dorf auf 30 km/h beschränkt worden. "Doch daran hält sich eh keiner", meint man hier, und so will man diesen Verkehr und diese unhaltbaren Zustände endlich ganz los sein. Als wir uns die Situation auf der Hauptstrasse anschauen, sträuben sich wirklich meine Haare. Stoßstange an Stoßstange stehen da die Lastwagen, und wollen sie einander passieren, weichen sie auf den Bürgersteig aus.

Die Inselbewohner haben nun für eine Petition 3000 Unterschriften gesammelt, damit man in Paris aufwacht. Die französische Presse scheint dem kleinen aufständischen Dorf in ... nein nicht Gallien, sondern Zentralfrankreich... die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Einwohner wünschen sich eine neue Brücke neben dem Dorf - die würde nur so viel kosten wie ein Kilometer einer TGV-Trasse. Doch solange man in Paris kein offenes Ohr dafür hat, werden die Lastwagen das Dorf weiterhin belagern.

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