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Wegen Corona verlassene Touristenorte Die Tiere sind los

Sika-Hirsche streunen durch die Straßen der japanischen Stadt Nara, in Thailand kämpfen Makaken um eine Banane: Wilde Tiere gehen auf ganz eigene Weise mit dem Problem wegbleibender Touristen um.

Wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, wegen der weltweite Reisewarnungen gelten, haben die Sika-Hirsche im Nara-Park keinen Grund zum Ausbüxen. Jährlich kommen etwa 13 Millionen Besucher in die Grünanlage in der östlich von Osaka gelegenen Stadt Nara, zu der auch jahrhundertealte Holztempel und Schreine gehören. Sie kaufen eigens für die Hirsche abgepackte Reiscracker und halten sie den Tieren unter die Schnauze. Es soll sogar dressierte Exemplare geben, die sich dann verneigen.

Doch nun machen sich manche der mehr als 1200 Hirsche, die im Nara-Park leben, davon. Sie verlassen die Anlage und ziehen durch die Straßen der Stadt. Bilder davon kursieren in den sozialen Medien.

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Ausnahmezustand mit Pinguin

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Die Hirsche sind als "lebende Nationalschätze" gesetzlich geschützt. Doch in den vergangenen Jahren verlief das Zusammentreffen von Mensch und Tier nicht immer harmonisch. 2018 berichtete die Parkleitung von einem starken Anstieg an Verletzten: Tiere hätten bei Fütterungen Touristen gebissen. Yuichiro Kitabata von der Parkverwaltung sagte damals: "Die Hirsche sind wilde Tiere, und sie werden wütend, wenn Menschen sie ärgern." Man sollte die Tiere nicht durch Hinhalten reizen, sondern sie sofort aus der Hand fressen lassen.

Ein viel größeres Problem ist jedoch der Plastikmüll, den die Besucher hinterlassen. Im vergangenen Jahr starben einem Bericht des "Independent"  zufolge sechs Hirsche. Einer habe 4,3 Kilogramm Plastik im Magen gehabt, wie eine Autopsie ergeben habe.

Nun sind die Touristen weg, und die Tiere treibt es auf die Straße.

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Warum sie die Ausflüge unternehmen, ist unklar. Ob sie Nahrung suchen? Die von den Touristen spendierten Cracker jedenfalls sind wohl nichts, was sie zum Überleben bräuchten. "Im Nara-Park leben wilde Tiere, die perfekt dazu in der Lage sind, ihr eigenes Fressen zu finden", schreibt die Tourismusagentur von Nara auf ihrer Website . Dazu gehörten unterschiedliche Pflanzenarten, darunter normale Gräser und Pampasgras. "Das ist ihr Hauptnahrungsmittel."

Wie es scheint, finden die Tiere auch in der Stadt manch eine Rasenfläche zum Abgrasen.

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Einen regelrechten Kampf ums Fressen hat es dagegen vor einigen Tagen im thailändischen Lopburi gegeben. Die Stadt ist berühmt für die vielen Affen, die hier leben und sich vor allem rund um einen Khmer-Tempel aus dem 13. Jahrhundert tummeln. Sie sind einerseits die wichtigste Touristenattraktion von Lopburi, andererseits auch eine Plage. Sie vermehren sich ungebremst und machen Ladenbesitzern und Anwohnern in der Nähe des Tempels das Leben schwer. Die Tourismusbehörde forderte Besucher schon auf, Wertsachen und Kameras sicher zu verwahren. "Die Affen sind dafür bekannt, alles zu stehlen, was sie in die Hände bekommen." 

Trotzdem füttern viele Touristen die Tiere mit den niedlichen Kulleraugen nur zu gern - mit Bananen, Lotusblüten und Nüssen. Seit nun die Besucher wegen des Coronavirus wegbleiben, scheinen die Tiere großen Hunger zu haben. Ein Video zeigt, wie sich unzählige Affen um eine Banane reißen, wie unter dem Clip geschrieben steht.

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Besondere Umstände erleben auch die Pinguine im Shedd Aquarium von Chicago - auch wenn sie sicher Tierpfleger um sich herum haben, die für das leibliche Wohl sorgen. Doch die gespenstische Leere dürfte auch für sie ungewohnt sein. Videos, die der Betreiber des Aquariums auf Twitter veröffentlicht, zeigen unter anderem die Pinguine Edward und Annie beim Spaziergang. Sie watscheln an leeren Bänken vorbei und sehen den Fischen hinter einer großen Panoramascheibe zu. Ein anderes Video zeigt Stachelschwein Tyson vor einem Pinguinbecken.

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"Auch wenn dies eine seltsame Zeit für uns sein mag, fühlen sich die Tage für die Tiere im Shedd normal an", schreiben die Betreiber des Aquariums bei Twitter. Die Pfleger böten den Tieren daher ständig neue Unternehmungen an, mit denen sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben könnten - in Zeiten von Corona gehören die Exkursionen durchs Aquarium nun wohl dazu.

jus