Luxus auf Schienen Durch Reisfelder und Regenwälder

Edles Mahagoni, schweres Messing: Der Eastern & Oriental Express, einziger Luxuszug Südostasiens, bringt seine 120 Passagiere in zwei Tagen von Thailand nach Singapur.
Von Till Bartels

Robert Pijls ist ein Meister auf engem Raum: In seiner fünf Quadratmeter großen Küche gießt er die Gemüsesuppe in edle Porzellanschalen und garniert sie mit großen Garnelen. Pijls, der belgische Koch im Eastern & Oriental Express , ist auch ein Meister des Gleichgewichts. Denn wenn sich der Zug in enge Kurven legt oder über Weichen rattert, muss das Küchenteam die Fliehkräfte geschickt ausgleichen. Dabei vollbringen die Köche dieser Gourmetküche, die kaum breiter als ein Handtuch ist, nicht nur akrobatische Kunststücke, sie bringen auch kulinarische Höchstleistungen zu Stande.

Zwei Tage und zwei Nächte dauert die fast 2000 Kilometer lange Bahnreise auf der Malaiischen Halbinsel. Die Idee zum Eastern & Oriental Express hatte vor wenigen Jahren James B. Sherwood, der bereits in Europa den legendären Orient-Express zu neuem Leben erweckte. Drei Jahre Planungsarbeit waren erforderlich, denn noch nie hatte es einen durchgehenden Zug von Thailand über Malaysia bis Singapur gegeben.

Neben den bürokratischen Schwierigkeiten musste vor dem Start im Jahre 1993 auch passendes Wagenmaterial gefunden werden. Sherwood fand ältere Schlaf- und Speisewagen japanischer Bauart, die bis 1980 in Neuseeland unterwegs waren. Die Waggons wurden generalüberholt und mit feinsten Materialien ausgestattet: edles Mahagoni, schweres Messing und Chinalack.

Jedes Abteil verfügt über einen winzigen Waschraum mit Dusche und WC. Im "Standard Compartment" steht ein bequemes Sofa, das am Abend vom Steward in zwei übereinander liegende Betten verwandelt wird. Im "State Compartment" schläft man standesgemäß in zwei nebeneinander angeordneten Betten.

Einmal in der Woche verlässt der nostalgische Luxuszug um 11.10 Uhr den Bahnhof Hualomphong in Bangkok. Die 22 dunkelgrünen Wagen rollen in Richtung River Kwai, vorbei an goldenen Tempeldächern und kleinen Wellblechhütten. Während der Zug durch endlose Reisfelder und Sümpfe mit blühenden Wasserlilien und Lotosblumen fährt, serviert ein Steward duftenden Tee.

Gesellschaftlicher Höhepunkt an Bord ist das Dinner: Die Zeit des eleganten Reisens wird wieder lebendig. "Das Ambiente an Bord bietet die fantastische Gelegenheit, sich entsprechend stilvoll zu kleiden", steht im Reiseprospekt. Und die Gäste machen davon nur allzu gern Gebrauch. Die Herren tragen Smoking, die Damen zeigen viel Schmuck und Dekolleté. Nur der Farmer aus dem australischen Perth am Nachbartisch ordert das mehrgängige Feinschmeckermenü im blauen Blazer.

Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde zuckelt der Express durch den dichten Dschungel. Beim Betreten des luftigen Aussichtswagens am Ende des Zuges schlägt einem die tropische Schwüle wie ein feuchtes Tuch ins Gesicht.

Hier auf der offenen Veranda hört man das Knirschen der Bremsen, erahnt die betörenden Gerüche der Tropennacht und plaudert mit anderen Passagieren. Wer in der Kabine keinen Schlaf finden kann, vertreibt sich die Zeit in der rollenden Bibliothek oder im Barwagen, wo eine Wahrsagerin aus den Händen liest.

Nach dem Frühstück, das stilvoll im Compartment gereicht wird, passiert der Zug die Grenze nach Malaysia. Dort, in Butterworth, steht ein Ausflug zur Insel Penang auf dem Programm. Mit Bus, Fähre und Trishaw - einem Fahrradtaxi - geht es in Richtung Georgetown, der chinesisch geprägten Hauptstadt der Insel. Ziel ist der Tempel des liegenden Buddha. Derweil werden Lokomotive, Generator- und Aussichtswagen im Sackbahnhof gewendet.

Am späten Nachmittag stehen die Stewards auf dem Bahnsteig Spalier. Die Reise kann weitergehen. Bei Sonnenuntergang passiert der Express Ipoh, es folgen die vertraut gewordenen Essensrituale. Es ist bereits kurz nach Mitternacht, als der Zug in einem der schönsten Bahnhöfe der Welt hält: Mit seinen Minaretten wirkt der Bahnhofsbau von Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, wie ein märchenhafter Sultanspalast aus Tausendundeiner Nacht.

Nur noch wenige Stunden Schlaf, dann geht für die 120 Passagiere die fast 48-stündige Reise zu Ende. Der Eastern & Oriental Express läuft in Singapurs Keppel Station ein. Für viele ein Abschied mit Schmerzen. Denn die Reise im einzigen Luxuszug Südostasiens könnte noch tagelang weiter gehen.

Informationen:

Die Zugfahrt von Bangkok nach Singapur (oder umgekehrt) ist im Pullman Compartment ab 1350 Dollar pro Person zu haben. Die nächsten Fahrten starten am 6. März, 13. März, 20. März und 27. März. Weitere Informationen beim Eastern & Oriental Express, Sachsenring 85, 50677 Köln, Tel. 0221-33 803 00, Fax 0221-338 03 33.