Von Herd zu Herd durch Afrika Maismehl gegen Fernweh

Auf ihren Reisen durch Afrika hat die Fotografin Maria Schiffer gemeinsam mit den Menschen vor Ort Familiengerichte und Lieblingsspeisen gekocht. Aus den Rezepten ist ein besonderes Kochbuch entstanden.
Von Maren Keller

Womit ersetzt man fermentierte Sauermilch? Was macht man, wenn es im Supermarkt nur eine Sorte Bananen gibt? Und würde ein Deutscher frische Schnecken in Palmfruchtsoße essen? Während der Arbeit an ihrem Buch "Eating with Africa" war die Fotografin Maria Schiffer mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.

Mehr als ein Jahr war sie immer wieder nach Afrika gereist, hatte zehn Länder in verschiedenen Teilen des Kontinents besucht. Sie war unter anderem in Malawi und Uganda, in Südafrika und Namibia, in Madagaskar und Sierra Leone. Auf Weingütern, in Nomadendörfern und in großen Städten. Und hatte überall, wo sie war, die Menschen gebeten, mit ihr zusammen zu kochen. Leibspeisen, Familienrezepte, traditionelle Gerichte.  

Denn – so lautet Schiffers Ansatz – wie ließe sich ein Ort besser kennenlernen als über das Essen?

Und Afrika, glaubt Schiffer, ist ein Kontinent, den viele Menschen besser kennenlernen wollen und sollten, auch sie selbst.

Die meisten Porträtierten sind Zufallsbekanntschaften

Herausgekommen ist ein Buch, das auch in normalen Zeiten besonders gewesen wäre: Mehr als ein normales Kochbuch, weil es die Leserinnen und Leser eine andere Welt kennenlernen lässt, Geschichten erzählt und in wunderschönen Bildern ein anderes Leben zeigt. Aber auch mehr als ein normaler Bildband, weil man beim nächsten Einkauf die Zutaten für Bananenküchlein besorgt, wie sie Alaisa Babirye macht, die am Victoriasee in Uganda lebt (keine Sorge – im Buch sind die Rezepte ausführlicher beschrieben als in den Bildunterschriften in diesem Text).

In diesen außergewöhnlichen Zeiten aber, in denen Reisen nicht möglich sind, könnte das Buch nicht perfekter sein. Es lässt uns das Fernweh mit Maismehl bekämpfen.

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Eating with Africa

Schiffer sagt, während ihrer Reise sei ihre wichtigste Regel gewesen: Sprich mit allen darüber, was du machst. Um dem Schicksal möglichst viele Chancen zu geben, dich an interessante Orte zu führen. Einmal saß sie zum Beispiel in einem Sammeltaxi und erzählte davon, dass sie gern eine Herero-Familie finden würde, um mit ihnen gemeinsam zu kochen. Und wie sich herausstellte: Die Frau, die neben ihr saß, war selbst eine Herero und nahm Schiffer mit in ihr Dorf.

Von einzelnen Menschen, die in dem Bildband auftauchen, wusste Schiffer schon von vorneherein, dass sie sie gern besuchen würde, um gemeinsam mit ihnen zu kochen. Zum Beispiel von der Südafrikanerin Rosa Kruger, die Schiffer bei ihrer Arbeit für eine Gourmetzeitschrift kennengelernt hatte, weil Kruger es sich zur Mission gemacht hat, alte südafrikanische Weinreben wieder salonfähig zu machen.

Die meisten der Porträtierten aber sind Zufallsbekanntschaften wie die junge Frau aus dem Sammeltaxi.

Sich auf das eigene Gefühl verlassen, offen sein, auf Menschen zugehen – so ist Schiffer also gereist. Und diese Zugewandtheit gegenüber den Menschen lässt sich auch in den Texten und Bildern erahnen, die Schiffer für ihr Buch mitgebracht hat.

Oft lernt man sich bei wichtigen und großen Reisen selbst besser kennen

Inzwischen ist Schiffer wieder zu Hause in Deutschland. Am Telefon sagt sie, natürlich sei es nicht so, dass sie das Gefühl habe, Afrika nun komplett zu kennen und zu verstehen. Besser natürlich als vor ihrer Reise und vor dem Buch. Aber nicht vollständig. Und vielleicht sei das auch gar nicht möglich.

Man bekommt aber das Gefühl, dass Schiffer sich selbst dafür ein bisschen besser kennt. Und das ist ja oft so bei wichtigen und großen Reisen.

Vor der Arbeit an dem Buch, erzählt Schiffer, habe sie eigentlich nicht gern gekocht. In Afrika habe sie aber gesehen, wie man auch kochen könne: nach Gefühl statt nach genauen Gramm-Angaben. Und mit anderen zusammen.

Sie erinnere sich noch gut an den Moment, so schreibt sie das sinngemäß in ihrem Buch, an dem sie sich plötzlich gefragt habe, wie oft sie allein gekocht habe. Die Antwort: viel zu oft.

Und übrigens: Würden ein Fotograf oder eine Fotografin bei Maria Schiffer zu Hause klingeln, um gemeinsam ein Gericht zu kochen – sie würde wahrscheinlich Spaghetti Bolognese wählen.

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