Manaus Wagner, Rap und Karneval

Manaus ist eine der größten Karnevalshochburgen Brasiliens, doch die lässige Sonntags-Party am Rio Negro hat noch kaum ein Tourist entdeckt: Samba, Rap und Reggae wummern aus den Boxen, der dunkle Fluss und eiskaltes Bier sorgen für die notwendige Abkühlung im Dschungel.


Manaus - Junge Brasilianerinnen flanieren mit sanftem Hüftschwung am Wasser entlang, in Bars und Buden fließen Caipirinha und Bier in Strömen. Auf der Straße wird kräftig gehupt, es herrschen Verkehrsstau und Parkplatznot. Der aufgedrehte Motor einer Harley Davidson wummert um die Wette mit Samba, Rap und Reggae aus den Boxen, die in den Kofferräumen der am Ufer geparkten Autos stehen. Die Fensterscheiben der nahen Hochhäuser glitzern in der Sonne. Es ist Sonntagnachmittag und Party-Time. Doch das ist nicht Rio, sondern eine Großstadt am Rande des Urwalds direkt am Amazonas: Manaus.

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Manaus: Am Ufer des Amazonas

Jung und Alt zieht es nach Kirchgang und Mittagessen aus dem oft glutheißen Zentrum nach Ponta Negra an den Riesenfluss. Während viele Touristen schwitzend Opernhaus und Kathedrale bewundern, kühlen sich Einheimische in den schwarzblauen Fluten oder bei eiskaltem Bier ab. Die Flasche "Kaiser" mit 0,65 Liter Inhalt gibt es für 2,50 Reales (90 Cent). Auch das "Antarctica" und die anderen einheimischen Biere, in denen oft deutsche Braukunst steckt, kosten kaum mehr.

Meist von September bis Januar wird die Kai-Party zur Fiesta am Sandstrand. Weil dann kaum Regen fällt, sinkt der Wasserspiegel. Im Herbst 2005 war die Trockenheit so extrem wie lange nicht mehr. Manche Seitenflüsse und Seen hatten kaum noch Wasser. Trotz seiner dunklen Farbe ist der Rio Negro recht sauber und lädt zum Baden ein.

Die Bands in den unzähligen Bars packen am frühen Abend ihre Instrumente ein. Montag ist Arbeitstag. Auch oberhalb der Kai-Straße an der breiten Avenida, wo zum Sonnenuntergang noch hunderte Familien mit Kind und Kegel spazierten, wird es nun ruhiger.

Wagner-Oper am Amazonas

Ponta Negra ist wie ganz Manaus mit seinen etwa 1,5 Millionen Einwohnern eine der größten Karnevalshochburgen Brasiliens. Doch erst wenige Touristen haben die ungewöhnliche Sonntagsparty in dem Vorort entdeckt. Der Rio Negro ist zur Freude von Einheimischen und Urlaubern bei Moskitos äußerst unbeliebt. Denn der Schwarze Fluss enthält viel Huminsäure und wenig Nährstoffe.

Dafür fühlen sich die lästigen Stecher am helleren Rio Solimoes umso wohler. Knapp zehn Kilometer flussabwärts von Manaus treffen beide Ströme zusammen. Ihre gelbbraunen und schwarzblauen Wassermassen vermischen sich hier am Encontro das Aguas erst allmählich. Das Farbschauspiel am Amazonas ist ein Muss für jeden Besucher.

Dank des Kautschukbooms im 19. Jahrhundert zählte Manaus einst zu den reichsten Städten der Welt. Samenschmuggler bereiteten dem Monopol und damit dem Leben in Saus und Braus ein Ende. Plantagen in Südostasien lieferten den Rohstoff für Gummi bald viel billiger in alle Welt. Das Opernhaus, offiziell "Teatro Amazonas", im Zentrum von Manaus aus dem Jahre 1896 und ein paar andere Kolonialbauten sind bis heute Zeugnis für den früheren Prunk. Wenn der "Ring der Nibelungen" wie in der Opernsaison 2005 in Manaus über die Bühne geht, mag das für Kenner und einige Touristen eine Freude sein. Für viele Brasilianer und die nahen Dschungelbewohner ist es eher grotesk.

Nur 20 Minuten dauert der Spaziergang von der Oper zu Märkten und Hafenanlage. An den schwimmenden Docks machen auch Hotelschiffe fest. Die meisten Touristen bleiben nur ein bis zwei Tage in Manaus. Die Stadt ist aber auch Drehkreuz für Flüge aus Belem, Rio de Janeiro und Salvador da Bahia.

Hängematten-Trip nach Belem

Einen Steinwurf von den Edelschiffen entfernt beginnt das wahre Amazonas-Leben. Dicht an dicht knirschen die Schiffsbäuche der weißen hölzernen Lanchas. In den Hängematten an Deck schaukeln Kleinbauern, Indiomuttis mit ihren Kindern und manchmal auch Weltenbummler aus Berlin, Paris oder New York, für die Zeit ebenso wenig eine Rolle spielt wie für die Einheimischen. Über die Kaimauer, ausgetretene Stufen und wackelige Bretter schleppen Träger Mais- und Zementsäcke, Eisenträger und Bierkästen.

Brasilien: Manaus liegt im Dschungel des Amazonas
DER SPIEGEL

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"Eine Reise nach Belem an die Küste ist mein Traum", sagt die 30-jährige Ana. Doch das lassen ihr Zwölf-Stunden-Tag und ihre Großfamilie, die sie zu versorgen hat, nicht zu. Ana verkauft an ihrer Bude Bier, Kekse, Konserven, Seife und vieles mehr. Etwa 60 Stunden dauert der gut 1800 Kilometer lange Trip in der Hängematte auf dem Amazonas nach Belem. Die Fahrt kostet im luftigen Oberdeck umgerechnet gut 100 Euro, viel Geld für einen Amazonasbewohner. Weiter unten ist es meist preiswerter.

Einstiegsdroge für Abenteuerlustige mit wenig Zeit sind zwei- oder dreitägige Bootsausflüge in nahe Seitenarme und Urwalddörfer. Alle Hotels und Herbergen in Manaus vermitteln Agenten und Reiseanbieter. Zu denen, die auch Reisebücher für Globetrotter empfehlen, zählt "Green Planet Tours". Drei-Tage-Touren mit schlichter Übernachtung in Bett oder Hängematte in einem schwimmenden Camp oder bei einer Familie sowie drei Mahlzeiten, Angel-, Wald- und Dorfausflüge sind je nach Verhandlungsgeschick ab 60 Euro zu haben.

Von Bernd Kubisch, gms



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