Maori-Weingut in Neuseeland Reben unterm Regenbogen

Neuseeland hat vier Millionen Einwohner, 39 Millionen Schafe - und ein einziges maorisches Weingut. Tohu Wines in Marlborough legt Wert auf Nachhaltigkeit, schließlich fühlen sich Maori der Mutter Erde verpflichtet. Dem preisgekrönten Wein kommt das zugute.

Kono Beverages

Von Rainer Schäfer


In eine Höhe von fast 3000 Metern streckt sich der Mount Tapuae-o-Uenuku, seine schroffen Flanken sind von Puderschnee überzogen. Davor fügen sich Weinreben auf Terrassen in die majestätische Kulisse, über den Stöcken hängen Netze, um sie vor Schwärmen von Staren zu schützen. Im Westen begrenzt der Awatere River das Rebland. Dieser Platz im Norden von Neuseelands Südinsel ist so beeindruckend, dass ein Kinoregisseur hier die Schöpfungsgeschichte der Erde drehen könnte.

"Der Awatere Valley Vineyard ist ein Ort, den man nicht mehr verlassen möchte", sagt Mike Brown. Der Exportmanager arbeitet bei der Tohu Wines Company, dem ersten und bislang einzigen Weingut, das von Maori geleitet wird. Heute hat Brown noch in seinem Büro in der rund 140 Kilometer entfernten Kleinstadt Nelson zu tun.

An den Wänden hängen Bilder von Häuptlingen. Mannsgroße Holzschnitzereien erzählen die Geschichte der Maori, die vor rund tausend Jahren aus Polynesien nach Neuseeland kamen. Bei ihnen spielt der Ahnenkult eine große Rolle. Auch in einem modernen Unternehmen wie Wakatu Incorporation, zu dem Tohu Wines gehört. Vier Stämme hatten sich 1977 zusammengeschlossen und Wakatu gegründet, das vor allem Fischfang und Landwirtschaft betreibt.

Junges Weinland Neuseeland

Bei Tohu Wines arbeiten Maori und Pakeha wie Mike Brown eng zusammen. Pakeha, so werden die Weißen von den Maori genannt. Brown hat viel angenommen von deren Kultur, die es ihm merklich angetan hat. "Ich habe noch nie irgendwo gearbeitet, wo die Leute so respektvoll miteinander umgegangen sind", sagt er. Besonders wird darauf geachtet, dass den Kindern und Jugendlichen gute Ausbildungen und Studien finanziert werden: Mit ihrem Wissen sollen sie helfen, das Unternehmen abzusichern und weiter zu entwickeln.

Maorische Jungwinzer würden auch nach Europa geschickt, um in den bekannten Anbaugebieten zu lernen, sagt Brown. Denn Neuseeland ist ein junges Weinland, noch 1960 hatte das Land nicht einmal 400 Hektar Weinberge. Eine Lagenklassifikation und detaillierte Regeln für die Weinproduktion wie in Europa existieren nicht. Vieles ist erlaubt, auch im Keller.

In den achtziger Jahren begann im sanft geschwungenen Hügelland von Marlborough der Sauvignon-Blanc-Boom, angefacht von Weingütern wie Cloudy Bay. Heute stammen rund drei Viertel der gesamten Weinproduktion des Landes aus dem Norden der Südinsel, und Neuseeland ist nicht mehr wegzudenken von der Weltkarte der Weinnationen.

Tohu Wines startete 1998 in den Regionen Nelson und Marlborough mit der Weinerzeugung. Inzwischen bewirtschaftet das Unternehmen 145 Hektar Weinberge, mit Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir. Die Kiesel- und Lössböden, die kalten Nächte und eine lange Vegetationsperiode im Awatere Valley sorgen für ausgeprägte Aromen und eine feine Mineralik in den Weinen.

Aromen von Kiwi, Stachelbeere und Zitronengras

Der Awatere Valley Vineyard ist der liebste Arbeitsplatz von Mondo Kopua. Der Weinbergmanager von Tohu hat als Erntehelfer begonnen und ist dann rasch aufgestiegen. Der Mann mit der Baseballkappe und dem Kinnbart fühlt sich als Maori, obwohl er auch irische und walisische Wurzeln hat. Kopua kennt die Sagen der Maori, die sich um die neuseeländischen Berge, Flüsse und Seen ranken, und erzählt: Am Mount Tapuae-o-Uenuku bilden sich nach Unwettern häufig riesige Regenbogen. An denen soll man mit etwas Geschick direkt in den Himmel gelangen können.

Zwischen den Stahltanks und Barriquefässern des Weinguts pendelt Bruce Taylor geschäftig hin und her. Er gilt als einer der besten Önologen Neuseelands und hat schon in Kalifornien, Australien, Sizilien, Spanien und zuletzt bei der renommierten neuseeländischen Kellerei Villa Maria gearbeitet. Aber am Ende hat er sich für Tohu entschieden, seit 2008 ist er für die Weinerzeugung verantwortlich. "Hier kann ich einige der charaktervollsten Weine der Welt erzeugen", sagt Taylor.

Tohu Wines wird bei internationalen Wettbewerben regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet. Der Sauvignon Blanc gefällt mit intensiven Aromen von Kiwi, Stachelbeere und Zitronengras, der Riesling imponiert mit einer eleganten Mineralität und Frische am Gaumen. Tohu und Bruce Taylor haben auch ein Gespür für die schwierige Rebsorte Pinot Noir, die in der neuen Weinwelt oft etwas schwerfällig ausfällt. Ihr Pinot Noir bewegt sich auf der eleganten und sinnlichen Seite, er zeigt neben einer reinen Kirschfrucht und feinen Säurestruktur viel Finesse.

Koru-Spirale als Logo

Tohu Wines hat sich somit zu einem erfolgreichen Zweig von Wakatu entwickelt - und hat als Maori-Unternehmen noch ein paar Besonderheiten: Denn während der Fischfang bei den Stämmen eine lange Tradition besitzt, ist die Weinerzeugung noch ein neues Terrain. Mit Alkohol, den die Weißen einführten, "gab es wie bei vielen indigenen Völkern auch bei den Maori einige Probleme", sagt Mike Brown. Das Unternehmen engagiert sich daher in der Alkoholberatung, um Missbrauch vorzubeugen.

Außerdem bemüht sich Tohu Wines - wie viele Winzer in Neuseeland - um einen naturnahen Weinbau. Ressourcen zu schonen ist die wichtigste Grundregel. Denn Maori empfinden eine ausgeprägte Ehrfurcht vor der Natur und pflegen eine spirituelle Beziehung zu Papatuanuku, zu Mutter Erde, und zu allem, was sie darauf anbauen. "Wir spüren die Verantwortung, das Land den kommenden Generationen in bestmöglicher Verfassung zu übergeben", sagt Mike Brown. Gewirtschaftet wird nicht nach den Prinzipien der schnellen Profitmaximierung, sondern nach einem 100-Jahre-Businessplan.

Auf den Etiketten der Weine ist eine Spirale abgebildet, ein Koru, es symbolisiert Wachstum und erfülltes Leben in einer natürlichen Welt. Dass sich solche Symbole der Maori-Kultur auch bestens zur Vermarktung eignen, hat man bei Tohu längst erkannt. Die Winzer jedenfalls sind überzeugt, dass ihre tiefe Verbundenheit zur Natur sich auch in den Weinen ausdrückt.



insgesamt 5 Beiträge
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KARTOFFELACKER 11.11.2013
1. Vielen Dank für die TOLLE WERBUNG Herr Naubert!!!!
Ich werde sogleich ein paar Kisten bei Ihnen bestellen ;-)
filewalker 11.11.2013
2. ... das toent ja gut, aber....
Wir leben nun schon einige Jahre hier in Neuseeland, in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit ist dieses Land um Jahre dem mitteleuropäischen Standard bezüglich Ökologie, Recycling, Nachhaltigkeit zurück. Ebenso ist der Gebrauch von Chemie im Lebensmittel- und in der Foodindustrie bei weitem über dem mitteleuropäischen Schnitt. Der einzige Grund, weshalb es hier noch anders ist, ist auf die geringe Bevölkerungsdichte zurück zu führen. Das grüne Image (Nachhaltigkeit, Ökologie etc.) ist hinsichtlich der hiesigen Lebensweise absolut unzutreffend. So romantisch das dieser Bericht auch tönt, die Realität ist gewiss anders. Wenn ich die Erdverbundenheit von Maoris höre, muss ich schon schmunzeln, das ist etwa das gleiche wenn man von den Weissen als absolute Gutmenschen schreibt, denn sie leben ja nach den zehn Geboten....
kalumeth 11.11.2013
3. Ferntransport gegen Nachhaltigkeit
Sie haben es nicht verstanden: Maori bauen NACHHALTIG an, weil sie MutterErde lieben. Wer aber Wein konsumiert, der erstmal CO2-intensiv um die halbe Welt geflogen ist, hat mit Nachhaltigkeit sicher nichts im Sinn!
sangerman 11.11.2013
4. die Waldelben
stehen auf guten Wein!
k70-ingo 12.11.2013
5.
Zitat von kalumethSie haben es nicht verstanden: Maori bauen NACHHALTIG an, weil sie MutterErde lieben. Wer aber Wein konsumiert, der erstmal CO2-intensiv um die halbe Welt geflogen ist, hat mit Nachhaltigkeit sicher nichts im Sinn!
Die wahre CO2-Belastung entsteht nicht bei dem Transport des Weines um die halbe Welt, sondern wenn Sie Ihr Auto für wenige km Kurzstrecke anwerfen, um ebendiese Weinkartons vom Händler abzuholen.
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