Mauritius Schöner als der Himmel

Sonnenschein, Tropenschauer und Kokospalmen: Auf den ersten Blick unterscheidet sich Mauritius nicht von anderen Inseln im Indischen Ozean. Doch das Eiland hat sich einen eigenen Charme bewahrt - sei es ein reizender Hotel-Butler oder Affenfleisch auf dem Speiseteller.


Der Butler Jean Claude steht lächelnd zum Empfang vor der Hotelvilla, und die Sonne scheint urlaubsgerecht vom blauen Mauritiushimmel - so passt es in unsere Vorstellung. Dabei gehören auch kurze Tropenschauer zu diesem "Paradies im Indischen Ozean", von dem der amerikanische Schriftsteller Mark Twain behauptete, dass es noch vor dem Himmel geschaffen worden sei: Mauritius. Der Himmel, so Twain, sei nur eine Kopie dieser Insel. Unsere Villa im Hotel Belle Mare Plague, an der gleichnamigen Ostküste der Insel, hat zwar einen eigenen Pool, trotzdem geht es gleich an den Strand.

Mit der Sonnenliege unter Kokospalmen ist das allerdings so eine Sache. Hauptsächlich säumen Filao-Bäume das Ufer, die an Lärchen erinnern. Dazwischen konkurrieren rot blühende Flamboyants mit lila Jacaranda-Bäumen, Bougainvilleas und Hibiskus. Die saftige Vegetation auf der Insel bildet einen reizvollen Kontrast zu den rund 800 Meter hohen vulkanischen Bergmassiven und den flachen weißen Sandstränden. Nicht zu vergessen das "süße" Vermächtnis: Vom malerischen Cap Malheureux im Norden bis Souillac an der wilden Südküste wiegt sich Zuckerrohr im Wind.

Badeurlaub kann anstrengend sein. Die Zeit reicht nicht, alle Möglichkeiten auszuprobieren, die von Wasserski über Tauchen und Unterwasserspaziergänge bis zu Massagen von den Hotels meist inklusive angeboten werden. Mit dem Unterwasserspaziergang ist nicht etwa ein Schnorchelausflug gemeint. Man lässt sich eine "Käseglocke" überstülpen und wandelt im Astronautenlook auf dem Meeresgrund, um Fische und Korallenbänke zu beobachten.

Palmherzen und "Liebesäpfel"

Wie Mauritius schmeckt, lässt sich bei Kochkursen, zum Beispiel im 5-Sterne-Hotel Le Prince Maurice, erfahren. Die mauritische Küche entspricht einer kulinarischen Weltreise, lebt auf der Insel doch ein buntes Völkergemisch. Die Flagge der Republik steht für die Volksgruppen und Religionen: Rot für Hindus, Blau für Christen, Gelb für Chinesen und Grün für Muslime. Alle Kulturen haben die Speisekarte beeinflusst. Das Gericht "Curry Nr. 2" etwa bezeichnet eine beliebte kreolische Delikatesse aus Affenfleisch. Man kann aber auch auf Palmherzen oder "Liebesäpfel" ausweichen, wie Tomaten hier heißen.

Doch auch ein, zwei Ausflüge ins Landesinnere müssen sein. Bei der Organisation hilft Jean Claude. Er sei gern Butler, sagt er. Da verdiene er besser. Schließlich gehören zu seinen Aufgaben mehrere Tätigkeiten, vom "Zimmermädchen" bis zum Fremdenführer. "Wenn einer der Gäste schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel geschlossen hat, werde ich sogar zum Krankenpfleger", verrät er. Die Löhne auf Mauritius sind niedrig, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Neben Zuckerexport und der Textilindustrie ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. Die Insel setzt auf weniger, aber gut zahlende Gäste statt auf Massentourismus.

Lokaltermin bei der berühmtesten Briefmarke der Welt

Der Norden ist touristisch am besten erschlossen. Die Grand Baie gilt als die Cote d'Azur von Mauritius. Port Louis, größter Hafen und Hauptstadt der Insel, wurde 1735 vom französischen Gouverneur Mahé de Labourdonnais gegründet. Sein Gemüsegarten ist heute als Botanischer Garten ein Anziehungspunkt für Touristen und Liebespärchen. Eindrucksvoll ist die große Sammlung einheimischer und exotischer Pflanzen, darunter die Victoria Amazonica, deren gigantische Blätter wie große Tabletts auf dem Wasser schwimmen. Neben vielen Palmenarten steht hier einer der letzten Ebenholzbäume. Die meisten dieser Bäume wurden ebenso ausgerottet wie der Dodo.

Diesen plumpen Laufvogel mit großem Hakenschnabel, kurzen Beinen und Stummelflügeln, der keine natürlichen Feinde kannte, nannten die Holländer "Dickarsch", woraus verballhornt Dodo wurde. Jetzt gibt es ihn nur noch als Wappentier, auf keinem Souvenir darf er fehlen.

Deshalb auf zum Marktbummel! Die nach dem Vorbild Kapstadts erbaute Caudan Waterfront ist die Einkaufspromenade von Port Louis. Hier konzentriert sich das touristische Nachtleben, und hier zeigt das Blue Penny Museum die Blaue Mauritius, die wohl berühmteste bBriefmarke der Welt. Die Philatelie ist zwar ein wenig aus der Mode. Aber den berühmten Fehldruck kann man hier aus nächster Nähe anschauen, wenn schon nicht erwerben.

Cornelia Höhling, ddp

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