Michigans Upper Peninsula In aller Seenruhe

Auf der Landkarte liegt sie eingeklemmt zwischen drei der fünf Großen Seen Nordamerikas: Michigans Upper Peninsula. Wer sie bereist, dem öffnet sich ein beeindruckender Flecken Natur.

TMN

Fast alle Farben sind vertreten: In Rot, Grau, Schwarz, Braun, Grün, Weiß, Ocker und Gelb glitzern die Sandsteinfelsen, gegen die der Lake Superior seine Wellen schwappt. Kapitän Jaden Niemi steuert an den farbprächtigen steilen Klippen vorbei, während die Touristen an Bord die Speicherkarten ihrer Kameras füllen. Für sie steht fest: Der Ausflug an die Pictured Rocks National Lakeshore auf der Upper Peninsula von Michigan hat sich jetzt schon gelohnt.

Sucht man die Obere Halbinsel auf der Landkarte, liegt sie eingeklemmt zwischen drei der fünf Großen Seen Nordamerikas: dem Lake Superior im Norden, dem Lake Michigan im Süden und dem Lake Huron im Südosten. Zwar ist die Upper Peninsula so groß wie Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen, doch nur gut 310.000 Menschen leben hier. Die Gegend zählt zu den wenigen Regionen in den USA, in denen die Bevölkerungszahl stetig zurückgeht.

Ein See wie ein wilder Ozean

An Bord der "Miners Castle" allerdings herrscht an diesem Abend dichtes Gedränge. Die 150 Passagierplätze sind fast alle besetzt. Im Hochsommer legen die Ausflugsboote von Pictured Rock Cruises, einem von drei Tourenanbietern in Munising, bis zu zwölfmal täglich ab, um zwei bis drei Stunden lang an den Klippen entlangzufahren.

Am beliebtesten sind die Touren am Spätnachmittag und am Abend, wenn die Sonne von Westen auf die Küste scheint. Was die Pictured Rocks so glitzern lässt, sind Mineralien, die nach und nach aus dem weichen Gestein gespült werden und Farbstreifen auf den Klippen hinterlassen.

Ranger der US-Nationalparkbehörde kümmern sich um den 67 Kilometer langen Küstenstreifen entlang des Lake Superior von Munising im Westen bis Grand Marais im Osten. Wanderpfade führen zum See, der vom Ufer aus gesehen manchmal mehr wie ein wilder Ozean wirkt, und zu den Klippen. Aber auch zu Wasserfällen wie den Miners Falls, den Mosquito Falls und den Sable Falls am Rand der rund hundert Meter hohen Grand-Sable-Dünen. Der Wind hält die Sandberge ständig in Bewegung. Einen guten Blick darauf bekommen Besucher am Log Slide Overlook am Westrand der Dünen.

Rettung für Bären-Waise

Im späten 19. Jahrhundert wurde das Hinterland des Lake Superior im großen Stil gerodet, um Bauholz für die rasch wachsenden Städte an den Großen Seen zu gewinnen. Der kleine Ort Grand Marais mit seinem Sägewerk war vor mehr als hundert Jahren ein boomendes Städtchen mit rund 3000 Einwohnern - heute leben hier noch 400 Menschen.

Dass die Upper Peninsula trotz des jahrzehntelangen und intensiven Einsatzes von Äxten und Sägen noch ziemlich waldreich ist, erfährt jeder, der von Grand Marais aus nach Osten oder Südosten reist: Bäume, so weit das Auge reicht. Dazwischen taucht, etwa 15 Kilometer vor dem Städtchen Newberry, der Abzweig zu Oswald's Bear Ranch auf, dem größten reinen Bärenzoo in den USA. Insgesamt 29 Schwarzbären leben hier in weitläufigen Freigehegen, nach Männchen und Weibchen getrennt, denn Bärenzucht ist verboten.

Dean Oswald und seine Crew nehmen immer wieder Jungtiere auf, die irgendwo ohne Mutter aufgefunden wurden. "Wir haben Tiere schon aus New York, Ohio und Minnesota bekommen, aus Wisconsin und selbst aus so entfernten Staaten wie Arizona", erzählt der Ranchbesitzer. Die ganz kleinen Bären lässt er in einem halboffenen Käfig für Fotos mit Besuchern posieren. Die Ranch hat den Tieren das Leben gerettet, weil die kleinen Schwarzbären in der Natur ohne Mutter wohl keine Chance gehabt hätten. Der Preis dafür ist ein von Touristen begafftes Leben in Gefangenschaft.

Zu Besuch im Leuchtturm

Von Oswald's Bear Ranch gut 30 Autominuten entfernt liegt im Osten der Tahquamenon Falls State Park, dessen größte Attraktion der gleichnamige Wasserfall ist. Östlich des Mississippi wird er nur von zwei anderen, unter anderem den mächtigen Niagarafällen übertrumpft. Im April und Mai, wenn es auf der Upper Peninsula oft regnet und der meterhoch liegende Schnee schmilzt, schwellen die Tahquamenon Falls massiv an.

Im Hochsommer, wenn die meisten Touristen hier sind, wirkt das Schauspiel nicht mehr ganz so spektakulär. Dafür sind die Wanderwege entlang des Tahquamenon River dann gut in Schuss. Besonders beliebt ist der acht Kilometer lange Pfad von den Oberen zu den Unteren Fällen.

Nicht um Boote, sondern um richtige Schiffe geht es in Whitefish Point am nordöstlichen Ende der Upper Peninsula. An dem Ort, der wie ein Sporn in den Lake Superior hineinragt, kann der 1861 errichtete Leuchtturm besichtigt werden, dessen heute automatisch betriebene Signalanlage 29 Kilometer weit auf den See hinausstrahlt. Vor dem Strand herrscht ständiges Kommen und Gehen der Große-Seen-Frachter.

"Wenn die Schiffe hierher kommen, sind sie nur noch eine Stunde von den Schleusen in Sault St. Marie entfernt. Von hier kündigen sie sich per Funk an", erklärt die Besucherführerin, bevor es wieder die 56 Stufen hinuntergeht, die der Leuchtturmwärter einst alle zweieinhalb Stunden hinaufgehen musste, um Brennstoff nachzufüllen. Das Petroleum wurde aus Brandschutzgründen nicht im Turm gelagert.

Dramen auf dem Wasser

Der Leuchtturm am Whitefish Point ist heute Teil des Great Lakes Shipwreck Museum, das sich den großen und kleinen Katastrophen der Große-Seen-Schifffahrt widmet. Das Südufer des Lake Superior wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert geradezu zu einem Schiffsfriedhof. Im Museum gibt es zum Beispiel einen fast vier Meter langen Nachbau aus Legosteinen des 1975 vor Whitefish Point untergegangenen Frachters "Edmund Fitzgerald" zu sehen.

Beladen mit 29.000 Tonnen Takonit für ein Stahlwerk in Detroit, war das 222 Meter lange Schiff in einem schweren Wintersturm gesunken. Alle Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Auch die 1995 aus 160 Metern Tiefe geborgene Schiffsglocke der "Edmund Fitzgerald" ist ausgestellt - für viele Amerikaner und Kanadier ein wichtiges Exponat, weil es die von vielen Unglücken geprägte Geschichte der Schifffahrt auf den Großen Seen symbolisiert.

Christian Röwekamp/dpa/ele



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
global player 15.08.2015
1.
Die Natur ist auf der kanadischen Seite des Sees genauso schön, dafür ist die Einreise nach Kanada aber humaner als die in die USA, ohne herablassende Behandlung durch arrogante immigration officers, die die Touristen wie Bittsteller behandeln.
Forums-Geschwurbel 15.08.2015
2.
Zitat von global playerDie Natur ist auf der kanadischen Seite des Sees genauso schön, dafür ist die Einreise nach Kanada aber humaner als die in die USA, ohne herablassende Behandlung durch arrogante immigration officers, die die Touristen wie Bittsteller behandeln.
Die Kanadier sind keinen Deut weniger streng bei der Einreise. Erzählen Sie keinen Unfug ...
philosophex 15.08.2015
3. Unter sich
Wirklich schöne Ecke der Welt, interessant für Fossiliensucher, sehr heiss im Sommer. Leider viele Mücken, wer mit Hund reist sollte deshalb unbedingt Herzwurmbehandlungen machen. Was die Einreise betrifft: Ich bin die personifizierte Red Flag: Deutsch-muslimischer Doppelname, Einreisestempel nach Irak im Pass, Ehemann ist Iraker, mehrmals jährlich zum Teil ausgedehnte Reisen in die USA, zum Teil über einen Monat, zum Teil mit grossem Hund im Cargo, was den Anschein erwecken könnte, dass ich nicht mehr ausreisen möchte. Trotzdem wurde ich nie anders als höchst zuvorkommend, respektvoll, freundlich, oft auch mit Witz und Humor und einem Lächeln behandelt, die 'Befragung' geht meist auch nicht über die Frage zur Dauer des Aufenthalts oder der Art der eingeführten Waren (bzw. Tiere) hinaus. Alles ganz legitim. Meiner Meinung nach muss man sich schon ausgesprochen dämlich aufführen, um Verdacht zu erregen. Dass Immigration Officers unhöflich sind, glaube ich schlichtweg nicht. Die sind stolz auf ihren Professional Code, und halten sich daran. Im Vergleich mit der Heimreise in die Schweiz finde ich den Empfang in der USA ungleich herzlicher, wärmer. Meist wird man vom Officer mit den Worten 'welcome to the US' entlassen, davon kann man bei der Einreise in Zürich nur träumen.
nordstern76 15.08.2015
4. Ist ja krankhaft!
Sogar ein harmloser und positiver Reiseartikel wird umgehend als eine Gelegenheit fuers Amerika-bashing genutzt. Ich reise seit 22 Jahren regelmaessig in die USA ein und aus und wurde immer gut behandelt von den immigration officers. Man darf sich eben nicht bloed anstellen oder denen einen Grund geben misstrauisch zu sein. "dafür ist die Einreise nach Kanada aber humaner als die in die USA, ohne herablassende Behandlung durch arrogante immigration officers, die die Touristen wie Bittsteller behandeln."
urlauber10 15.08.2015
5. Amerikanisches Sprichwort
"You can always tell a German but you can't tell him much"- sehr frei übersetzt: man weiß immer wer Deutsche(r) ist denn die wissen immer alles besser. Und bei SPON Artikeln über die USA in der Kommentarsparte wimmelt es nur so von Deutschen (Sarkasmus).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.