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Argentinien bis Australien: Ende einer Familienweltreise

Foto: Alexandra Frank

Familie auf Weltreise Baby mit Fernweh-Blues

Fünf Monate Weltreise sind vorbei: Nach ihrer Rückkehr plagen Familie Frank Fieber, Fernweh und die Furcht vorm Alltag. Was bleibt von der Zeit in Übersee übrig, wenn die Koffer ausgepackt und die Souvenirs verstaut sind? Heftiger Abschiedsschmerz - und eine Wombat-Frisur.
Von Alexandra Frank

Vergangenes Jahr im September, kurz bevor der Mann, das Kind, das Baby und ich zu unserer fünfmonatigen Weltreise aufbrachen, lag ich abends im Bett und schaute verdrießlich.

"Was ist los?", fragte mich der Mann.

"Ich bin traurig", sagte ich.

"Warum?", wollte er wissen.

"Weil: Wenn die Reise vorbei ist, ist die Reise vorbei", sagte ich.

Mein Mann, der mich schon ein paar Jährchen kennt und gelernt hat, kryptische Aussagen zu dechiffrieren, seufzte.

"Du musst mir versprechen", sagte ich, "dass das nicht unsere einzige Weltreise ist. Dass wir noch mal eine machen."

"Jetzt", sagte er besänftigend, "machen wir erst mal diese Reise."

Nun, ein halbes Jahr später, liegen wir wieder zu Hause im Bett.

"Jetzt ist die Reise vorbei, und die Reise ist vorbei", sage ich und stiere betrübt auf die Schneeflocken, die draußen vor dem Fenster herunterrieseln.

Heimkommen nach einer langen Reise ist - sagen wir mal - heiter bis wolkig. Für alle Familienmitglieder.

Sturm aufs Kinderzimmer

Das Baby packt seine Füße mit beiden Händen und betrachtet sie neugierig. Monatelang durfte es mit nackten Beinen im Kinderwagen strampeln. Nun trägt es Strumpfhose, Hose, Strümpfe, Schühchen. Draußen sogar einen Schneeanzug, da das Hamburger Wetter Kapriolen schlägt und Mitte März mit Schnee aufwartet. Das Baby schaut mich verdrossen an.

"Siehst du", sage ich zu meinem Mann. "Das Baby möchte diese Station auf der nächsten Reise gerne überspringen."

Das Kind stürmt los, kaum haben wir unser Gepäck durch die Haustür manövriert. "Mein Zimmer!", ruft es und verschwindet. Als es gefühlte Stunden später wieder herauskommt, sitzt es auf einem Hüpfball, Becherstelzen unter den Füßen. Auf dem Kopf trägt es einen Fahrradhelm, über der Schulter zwei Taschen und unter beiden Armen Puppen. "Spielzeug!", jubelt es. Es ist nicht schwer zu erraten, was meine Tochter auf der Reise am meisten vermisst hat.

Nach drei Tagen Schlittenfahren bekommt sie einen Schnupfen, dann Fieber. Auf der ganzen Reise war sie kerngesund. "Blödes Wetter", schimpft sie. "Wir hätten länger auf Weltreise bleiben sollen."

"Siehst du!", sage ich zu meinem Mann. Er seufzt.

Er hat sich gefreut. Über die Familie, die uns vom Flughafen abgeholt hat. Über die Nachbarin, die uns zur Begrüßung Pizza gebacken hat. Über den Willkommensgruß, den Freunde vor die Haustür gemalt hatten. Über den Platz in der Wohnung. Über deutsches Brot. Und über den Schnee. Zumindest die ersten Tage. Nach einer Woche liegt auch er mit Fieber im Bett.

Känguru-Rucksäcke und Kiwi-Kettchen

Und ich? Ich verabschiede mich langsam vom Urlaub. Und beim Frisör von meiner Wombat-Frisur. Wombats sind kniehohe, dickliche Tiere, die in Australien oft um unser Wohnmobil herum grasten. Ihr Fell ist struppig und von undefinierbarer Farbe. Etwa so wie mein Haar nach dieser Reise, dem das gute Wetter anscheinend nicht bekommen ist.

Ich packe die Koffer aus und sortiere die Känguru-Rucksäcke, Kiwi-Kettchen und Panda-Regenschirme weg. Die wenigen Klamotten, die ich monatelang getragen habe, wandern in die Wäsche. Das Reisetagebuch meiner Tochter kommt in ihr Kinderzimmer.

Als der Koffer leer ist, lege ich mir die Kette um, die mir eine Mapuche-Frau in Chile geschenkt hat, ziehe das Shirt an, das eine Argentinierin geschneidert hat, und streife mir die Klimperarmreifen aus Singapur über, zu deren Kauf mich meine Tochter genötigt hat.

"Ich möchte nicht", erkläre ich meinem Mann, "dass sich diese Reise einfach auflöst. Stückchen um Stückchen wie der Inhalt des Koffers."

Den Urlaub in den Alltag retten

"Wie wäre es", erwidert er, "wenn wir uns auch hier abends immer erzählen, was uns am Tag besonders gut gefallen hat." Ein Ritual, das wir am Anfang der Reise in Buenos Aires begonnen hatten und das uns den ganzen Urlaub über begleitet hat.

"Ja", sagt meine Tochter, "und ich könnte auch hier ein Tagebuch schreiben."

"Gäh", quakt das Baby aufgeregt und schaut auf eine Katze, die vor der Verandatür vorbeiläuft. In den letzten Monaten hat es Pinguine, Kängurus, Pandabären gesehen. Katzen kennt es nicht.

Ich reagiere nicht gleich. Ich werde das Reisen vermissen. Die Gastfreundschaft der Chilenen. Die abwechslungsreiche Landschaft Neuseelands. Die lustigen Tiere Australiens. Das multikulturelle Treiben Singapurs. Die Abwechslung. Die Sonne. Aber vor allem: die intensive Zeit mit meiner Familie.

Das, was uns im Urlaub gut gefallen hat, in den Alltag hinüberzuretten, das, denke ich, muss doch irgendwie machbar sein. Familienrituale pflegen. Tiere gucken. Einen neuen Blog  starten. Sich nicht zwischen Arbeit, Kita und Haushalt aufreiben lassen, sondern manchmal einfach in den Tag hineinleben. Und natürlich: neue Pläne schmieden.

Abends im Bett, als mein Mann und ich nebeneinanderliegen, beschließen wir: Das war keine einmalige Weltreise. Sondern nur Teil eins.

Alexandra Frank war mit ihrer Familie fünf Monate lang auf Weltreise. Von ihren Erlebnissen unterwegs berichtete sie bei SPIEGEL ONLINE.

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