Mittlerer Westen Schläfchen im Solartaxi-Schatten

Das Solartaxi hat eine Macke: Seine Anhängerkupplung löst sich. Zum Glück ist der genialste Schweißer von Omaha nicht weit - und die Rennwagen-Schmiede für Leute mit kleinem Budget auch nicht. Louis Palmer staunt über einen Lamborghini für wenige tausend Dollar.

Auf unserer Fahrt durch den Mittleren Westen begleiten uns Maisfelder, so weit das Auge reicht. Wenn ich fahre, schläft Frank binnen weniger Minuten ein. Fährt Frank, passiert mir das gleiche. Die Autos spiegeln sich in der Ferne in der Straße, die Landschaft flimmert. Uns erinnert das an Saudi-Arabien.

In Omaha passiert Sonderbares. Zuerst spüre ich jedes Mal, wenn ich bei Rotlicht halte, ein Rucken. Als ob etwas im Heck lose wäre. Als ich am Straßenrand anhalte, um den losen Gegenstand zu suchen, stellen wir fest, dass die Anhängerkupplung am Abbrechen ist. Sie ist sogar schon fast aus dem Chassis gerissen. Der lose Gegenstand war nichts weiter als der Anhänger, der für einen Ruck sorgte. Schon wieder Schwein gehabt - der Anhänger hat sich nicht selbständig gemacht!

Doch noch mehr staunen wir, als hinter uns zeitgleich ein rotes Auto hält und ein Herr mit weitem, grünen T-Shirt aussteigt, ohne zu wissen, was hier passiert, und uns zuruft: "Hey, braucht ihr einen Schweißer?"

Wir schauen uns an. Wer schickt denn den? "Klar brauchen wir einen Schweißer! Und zwar sofort!", antworte ich. Mike lächelt, und wir folgen ihm ein paar Blocks weiter zu einer Werkstatt eines gewissen Genies namens Jimmy. "Das ist der beste Schweißer von ganz Omaha!", meint Mike, und Jimmy wirft sich sogleich ins Zeug.

Mit dem Charme eines US-Trucks

Jimmy flickt nicht nur unsere Kupplungsaufhängung, sondern bastelt auch noch ein Schutzblech fürs Hinterrad. Damit dieses nicht Schmutz auf die Solarzellen schleudert. Das einzige Material, das Jimmy findet, stammt von seinem Ersatzteillager für Trucks. Nach der Reparatur verströmt unser Schlitten mit verchromtem Riffelblech am Heck nun auch den Charme eines US-Trucks. In jedem Land kriegt das Solartaxi ein Teil dazu. Gut so.

Nach der Reparatur nimmt Mike uns mit in seine Rennwagen-Schmiede. Er stellt Karosserien für den Ferrari Daytona, Lamborghini Countach oder Ford Cobra her. Wie bitte? Doch schnell wird klar: Seine Kopien sehen täuschend echt aus, kosten aber nur einen Bruchteil. Die Schale für seinen MG-Oldtimer hat ihn keine 1500 Dollar gekostet.

Und unter der Schale steckt nicht etwa ein Sechszylinder-Sportchassis, sondern ein VW-Käfer. "Kitcars" nennt man diese populären Autos in den USA. Er baut die Teile, damit jeder sein Traumauto selber herstellen kann. Vielleicht sind diese Nachbauten nicht ganz so schnell, kosten dafür aber nur ein paar tausend Dollar.

Wieder unterwegs drängt uns ein überlanger Truck nach dem andern an den Straßenrand. Was ist denn hier los? Nebraska, Idaho und Illinois bauen ihre Windkraftanlagen aus. Von Solarenergie träumen hier in den USA viele, doch wirklich ausgebaut wird die Windkraft. Und so werden riesige Rotoren, Generatoren, weiße Säulen und neue Stromleitungen quer durchs Land transportiert, massenweise.

"Wir gaben ihm dafür 18 Jahre!"

In Iowa City folgen wir unserem GPS in eine kleine Kolonie in einem Wald. Hier haben uns Jane und Mike für heute Nacht eingeladen. Als wir in der Einfahrt stehen, ist das Haus leer, nur ein Hund bellt, und niemand nimmt das Telefon ab. Wir warten fast drei Stunden, es ist schon dunkel, und Frank und ich, wir stellen schon mal die Zelte auf.

Als die beiden kurz nach der Dämmerung plötzlich heimkommen, staunen sie über unser sonderbares Benehmen "Was macht ihr beide denn hier draußen? Das Haus ist offen, der Kühlschrank voll! Weshalb seid ihr nicht einfach reingegangen?"

In Clinton am Mississippi, kurz vor Chicago, geraten wir in eine Auto-Show. Das Auto-verrückte Amerika stellt hier alles aus, was in der Region Räder hat und außergewöhnlich ist. Neben einer Corvette mit der Aufschrift "Halte die Kinder weg von Drogen!" treffe ich den Hilfssheriff Larry Smith.

"Dies ist ein Polizeiauto!" meint er. "Ich präsentiere es überall, wo ich kann, vor allem an Schulen!" Larry beginnt zu lachen: "Es gehörte einmal einem Drogenhändler. Nun gehört es uns." – "Hast du etwas dafür bezahlt?" – "Na klar! Wir gaben ihm dafür 18 Jahre!"

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