Moai-Statuen auf der Osterinsel Mystische Steinköpfe durch Feuer zerstört

Die gigantischen Moai-Statuen sind das Wahrzeichen der Osterinsel. Nun sind mehrere der Steinriesen bei einem Buschbrand verkohlt. »Irreparabel«, sagt die Naturparkverwaltung.
Durch Feuer beschädigt: Ein Moai auf der Osterinsel

Durch Feuer beschädigt: Ein Moai auf der Osterinsel

Foto: Rapanui Municipality / AFP

Mit unbewegten Gesichtern wachen die Moai seit Jahrhunderten über die Osterinsel vor der chilenischen Westküste. Jetzt scheinen einige der monumentalen Wahrzeichen durch einen Buschbrand zerstört worden zu sein, der seit Montag auf der Insel tobt: Von dem Feuer seien rund hundert Hektar Land und mehrere der Moai-Statuen betroffen, schrieb die chilenische Vize-Kulturministerin Carolina Perez am Donnerstag auf Twitter.

Die schwersten Schäden gab es nach ihren Angaben im Gebiet des Rano-Raraku-Vulkans, wo etwa 400 Moai stehen. Der Vulkan im Osten der Insel gehört zum Nationalpark Rapa Nui, der etwa 40 Prozent der Osterinsel umfasst und als Unesco-Welterbe gilt.

Niemand weiß mit Sicherheit, warum die Ureinwohner die Skulpturen mit den übergroßen Köpfen einst aufstellten – die meisten von ihnen mit dem Rücken zum Meer. An die 900 von ihnen finden sich meist in der Nähe der Küste der Insel, die für Touristinnen und Touristen nur nach langer Flugreise zu erreichen ist.

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Ariki Tepano, Direktor der Gemeinde Ma’u Henua, die für die Verwaltung und Instandhaltung des Nationalparks zuständig ist, beschrieb den Schaden auf der Website der Gemeinde als »irreparabel«, die betroffenen Moai seien »völlig verbrannt«. Der Mangel an Freiwilligen habe die Kontrolle der Brände erschwert, erklärte der Nationalpark.

Der Bürgermeister der Osterinsel, Pedro Edmunds Paoa, sagte dem lokalen Radiosender Radio Pauta, er glaube, dass das Feuer »kein Unfall« gewesen sei und dass »alle Brände auf Rapa Nui von Menschen verursacht werden«. »Der Schaden, der durch das Feuer verursacht wurde, kann nicht rückgängig gemacht werden«, fügte er hinzu. »Ein Riss in einem originalen und symbolträchtigen Stein kann nicht repariert werden, egal wie viele Millionen Euro oder Dollar investiert werden.«

»Das lebendige Gesicht unserer Vorfahren«

Die 162,5 Quadratkilometer große, isolierte Osterinsel liegt mehr als 3500 Kilometer von der chilenischen Küste entfernt im Südpazifik. Sie wurde geformt durch drei Vulkane, zwischen ihnen liegt im Süden eine fruchtbare Ebene. Die Insel war lange Zeit von polynesischen Völkern bewohnt, bevor Chile sie 1888 annektierte.

»Die Gesellschaft polynesischen Ursprungs, die sich dort um 300 nach Christi niederließ, begründete eine kraftvolle, fantasievolle und originelle Tradition der Monumentalskulptur und -architektur, frei von jeglichem äußeren Einfluss«, schreibt die Unesco auf ihrer Website. Vom 10. bis zum 16. Jahrhundert habe diese Gesellschaft die Moai errichtet »und schuf damit eine unvergleichliche Kulturlandschaft, die bis heute Menschen in aller Welt fasziniert«.

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Foto: John Milner / ZUMA Wire / IMAGO

Die im Schnitt 4,5 Meter hohen und mehr als fünf Tonnen schweren Moai stehen zum Teil einzeln in der Landschaft, zum Teil aber auch in Gruppen in Zeremonialanlagen, den sogenannten Ahus. »In der Sprache der Rapa Nui werden die Moai als Moai Aringa Ora bezeichnet«, lautet die Erklärung auf der Nationalpark-Seite. »Die genaue Übersetzung lautet ›das lebendige Gesicht unserer Vorfahren‹.«

Man vermutet, dass die durchweg männlichen Statuen einst Ahnen oder berühmte Häuptlinge der polynesischen Bevölkerung darstellen sollten. Sie könnten bei rituellen Handlungen eine Rolle gespielt haben. Meist sind sie aus Tuffstein geformt, der aus einem Steinbruch am Vulkan Rano Raraku stammt. Viele sind unvollendet, so wie etwa der größte, Te Tokanga, der 21 Meter misst und noch im Felsen am Fuß des Rano Raraku verankert ist.

Erst Anfang August war die Insel nach zweijähriger Coronasperrung wieder für den Tourismus geöffnet worden. Vor Beginn der Coronapandemie zählte die Insel jährlich rund 160.000 Besucherinnen und Besucher, die mit zwei Flügen pro Tag anreisten.

abl/AFP
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