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Mongolei: Naadam-Fest am Nationalfeiertag

Foto: © NIR ELIAS / Reuters/ REUTERS

Naadam-Festival in der Mongolei Reiten, Ringen, Schnipsen

Beim Naadam-Fest huldigen die Mongolen Dschingis Khan, feiern wilde Partys - und messen sich in Disziplinen wie Ringen, Bogenschießen und Langstrecken-Pferderennen. Bei Letzterem geht es so hart zur Sache, dass jetzt einige Todesfälle zu beklagen waren.

Sie malen sich die rot-blaue Nationalfahne oder eine winzige Landkarte ihres Landes auf die Wangen, an ihre Autos heften sie Flaggen, als ob die Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika dabei wäre. Über das Steppenland Mongolei, eingezwängt zwischen den Großmächten Russland und China, weht in diesen Tagen ein fröhlicher Patriotismus.

Die rund drei Millionen Mongolen feiern Mitte Juli das Naadam-Fest - eine Kombination aus Nationalfeiertag und Sportturnier in jenen Disziplinen, die Dschingis Khans Nachfahren am besten beherrschen: Reiten, Ringen, Bogenschießen und, nicht zu vergessen, das Schnipsen, auf mongolisch als "Shagain Haravaa" bekannt.

Letztere Sportart ist nicht gerade olympisch und wird es nie sein. Doch die Mongolen nehmen sie ungemein ernst. Sie ist den Männern vorbehalten. Die halten eine schmale Holzschiene in der Hand, von der sie ein weißes quadratisches Knochenplättchen mit dem Mittelfinger in Richtung eines gut drei Meter entfernten Kastens schnipsen. Darin liegen zwei weitere Knochenteilchen, die getroffen werden müssen - Bowling auf Mongolisch. Dabei geben die Männer Gesänge von sich, die ein wenig an die Laute einer Vuvuzela erinnern.

Farbenfrohes Spektakel im Stadion

Schon am frühen Morgen strömen am Sonntag Tausende über die Brücke ins nationale Sportstadion von Ulan Bator, wo das Fest mit Pomp und Gloria eröffnet wird. Es ist eine Arena, die dringend eine Renovierung nötig hat, aber das stört niemanden. Junge wie Alte haben sich in bunte Trachten gehüllt, viele tragen die typischen farbenfrohen Kappen mit aufragender Spitze, und keiner findet seine Kopfbedeckung auch nur einen Hauch ungewöhnlich.

Der sportliche Höhepunkt sind allerdings nicht die Schnipser und auch nicht die Bogenschützen (hier dürfen die Frauen mitmachen). Es sind die mehr als 1500 Ringer, die im Stadionrund, in einigem Abstand zu den Zuschauern, ihre Kräfte messen. Ringen ist Nationalsport, und die Kämpfe haben in etwa den Stellenwert, als ob Deutschland gegen England Fußball spielte: Das Fernsehen überträgt live, das Radio ebenso, der Wettbewerb ist in aller Munde.

Viele Paare kämpfen gleichzeitig, es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Die Kontrahenten tragen Stiefel und unter den bloßen Bäuchen eine Badehosen-ähnliche Bekleidung. Vor dem Kampf übergeben sie ihre Hüte den Schiedsrichtern.

Die Sieger tanzen einen Vogeltanz mit ausgebreiteten Armen um die weißen Banner Dschingis Khans. Die Verlierer tauchen symbolisch unter dem Flügel ihres Bezwingers durch.

Nationalstolz und Selbstbewusstsein fördern

Drei Tage feiern die Mongolen das Naadam-Fest. Zu kommunistischen Zeiten geschah dies zu Ehren des Sieges der Mongolischen Revolutionären Volkspartei, nun ist das Land demokratisch, und die Regierung nutzt es, Nationalstolz und Selbstbewusstsein zu fördern.

Zum ersten Mal seit dem Sturz der Kommunisten vor 20 Jahren veranstaltet die Mongolei deshalb in diesem Jahr auf dem Suchbataar-Platz vor dem Denkmal Dschingis Khans eine Militärparade. Viele Soldaten tragen nach wie vor die großen russischen Tellermützen aus jenen Vorwende-Zeiten, als Moskau der wahre Regent war und die Mongolei nur ein Vasallenstaat.

Doch inzwischen marschieren unter anderem mongolische Friedenssoldaten mit den blauen Uno-Baretten am Verteidigungsminister vorbei. Die Musiker der Militärkapelle in traditionellen Uniformen spielen Melodien aus "My Fair Lady". Am Rande stehen die Militärattachés jener Länder, für die das Land wegen seiner strategischen Lage und seiner enormen Rohstoffquellen besonders wichtig ist: China, Russland und die USA.

Nach dem Vorbeimarsch der Soldaten im russischen Stechschritt verbeugen sich Minister vor dem Denkmal Dschingis Khans, was für demokratisch gewählte Politiker bemerkenswert ist, denn schließlich war der Mongolenherrscher nicht gerade für seine Friedlichkeit bekannt.

Mode und Techno

Seine Nachfahren feiern derweil auf ihre Weise - etwa mit einer nächtlichen Modenschau bei dröhnender Techno-Musik. Die Veranstalter schreiben den Gästen eine "stylish, funky" Abendgarderobe vor, was die Mongolinnen dazu nutzen, sich in atemberaubend kurzen Röcken auf unendlich hohen Pfennigabsätzen zu zeigen. Die Models präsentieren heimische Kaschmir-Mode.

In der nächsten Nacht widmet sich die Jeunesse Dorée dem Endspiel der Fußball-WM. Ort: ein Bierzelt mit zwei großen Leinwänden. Das Bier fließt in Strömen, der mongolische Kommentator ist aufgeregt wie Herbert Zimmermann nach dem 3:2 der Deutschen gegen Ungarn 1954. Die Menge hält eindeutig zu "Ispan" und über allen schwebt in einer Bierreklame ("Borgio Gold") Michael Ballack.

Am nächsten Morgen holpert eine lange Autokolonne durch Ulan Bator. Die Polizei muss die Gegenfahrbahn sperren, um noch längere Staus zu vermeiden. Das Ziel der Hauptstädter ist das alljährliche Langstrecken-Pferderennen in der Steppe im Nordwesten, auf der in diesen kurzen Sommertagen das Gras wächst. In der Luft liegt der Duft von Rosmarin.

Auch hier zählt das Fest mehr als der Wettbewerb, viele Besucher erreichen das Rennen zu spät, die Pferde galoppieren ohnehin weit entfernt von den Zuschauern vorbei. Im Sattel sitzen Kinder, manche sind winzig, kaum mehr als fünf Jahre alt.

Je nach Alter der Pferde reiten sie bis zu 30 Kilometer, so manches Tier bricht tot zusammen. Dann kommt ein Bulldozer und schafft den Kadaver fort. Auch die Verlierer erhalten einen Ehrentitel: "Das vollständige Glück" - als Ansporn für das nächste Rennen.

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