Treks im Erdbebenland Diese Nepal-Wanderwege sind wieder zugänglich

Drei Monate nach dem Erdbeben hat die nepalesische Regierung den berühmten Annapurna-Trek für sicher erklärt. Auch viele andere Routen können in der bald beginnenden Wandersaison wieder begangen werden. Der Überblick.

Corbis

Von , Neu-Delhi


Das beste Reiseziel für den Oktober 2015? Für die Redaktion der Reiseführer-Reihe Lonely Planet steht die Region um den Achttausender Annapurna in Nepal ganz oben. Nur drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in dem Himalaya-Staat könnten die Mitarbeiter mit ihrem Reisetipp helfen, den Tourismus im Herbst anzukurbeln.

Einige der bekanntesten Trekking-Routen seien von den Erdstößen nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, weshalb sie nach dem Ende der Monsunregenfälle wieder ein hervorragendes Urlaubsziel seien, heißt es in dem Artikel. "Die Annapurna-Region ist ein großartiger, nein, legendärer Startpunkt" für einen Wanderurlaub, schreibt der Südasien-Experte des Verlags, Joe Bindloss.

Die Anfang Juli veröffentlichte Empfehlung dürfte in Kathmandu große Freude ausgelöst haben: Nepal braucht den Tourismus und tut derzeit viel, um das Vertrauen in die Sicherheit der heimischen Wandergebiete wiederherzustellen. Bei dem Beben am 25. April und diversen Nachbeben starben mehr als 8800 Menschen, auch viele Touristen kamen um. Etliche Sehenswürdigkeiten wurden zerstört. Die Regierung geht inzwischen davon aus, dass wegen des Bebens 2015 bis zu 40 Prozent weniger Touristen nach Nepal kommen werden.

Erdbeben-Experten geben Treks frei

Doch Kathmandu bemüht sich, die Angst zu zerstreuen. Vergangene Woche erklärte die Regierung den berühmten Rundweg um die Annapurna offiziell für wieder zugänglich. Der nepalesische Staat beauftragte das auf Erdbebensicherheit spezialisierte kalifornische Unternehmen Miyamoto mit einem Gutachten. Die Experten stellten bei Ortsbesuchen fest, dass die mehr als 200 Wegkilometer rund um die Annapurna von den Erdstößen fast gar nicht beschädigt wurden und sicher sind.

Anfang August will Miyamoto einen ähnlichen Bericht zur Everest-Region vorlegen. Danach wird die Regierung entscheiden, welche der Treks dort wieder offiziell freigegeben werden. Der von Kathmandu benutzte Begriff "Wiedereröffnung" ist allerdings etwas irreführend: Selbst in schwer betroffenen Regionen waren Nepals Wanderwege in den vergangenen Monaten nie abgesperrt, sagt Ramesh Dhamala, Präsident des Verbands der Trekkinganbieter in Nepal (TAAN). Es gebe schlicht kein Personal, das darauf achten könnte, dass bestimmte Bergpfade nicht benutzt würden.

Dennoch sei die jetzige Verlautbarung, bestimmte Wege seien wieder gangbar, wichtig. Die offizielle Klassifizierung eines Gebiets als "sicher" würde es Reisenden einfacher machen, eine Versicherung für ihre Nepal-Reise abzuschließen, so Dhamala. Auch TAAN hat die Wanderwege im Land in Augenschein genommen. Auf seiner Facebook-Seite gibt der Verband detailliert Auskunft über den Zustand einzelner Pfade und Gästehäuser.

Hier der Überblick über die Bedingungen auf zehn der schönsten Wanderwege in Nepal:

Karte: Beliebte Wanderwege in Nepal
SPIEGEL ONLINE

Karte: Beliebte Wanderwege in Nepal

Everest-Basecamp-Trek: Die enorm populäre, 12 bis 13 Tage dauernde Tour ist vorerst noch nicht offiziell freigegeben. Das gleiche gilt für den benachbarten Gokyo-Trek. Anfang August soll die Entscheidung fallen, ob die Pfade am höchsten Berg der Erde wieder für sicher erklärt werden. Ramesh Dhamala rechnet damit, dass die Wege als zugänglich markiert werden. "Weder an der Annapurna noch am Everest waren die Schäden sehr groß", so der TAAN-Präsident.

Annapurna-Umrundung: Der wegen seiner guten Herbergsinfrastruktur "Apfelkuchen-Trek" genannte Weg wurde vergangene Woche - siehe oben - für sicher erklärt. Wer den gesamten Weg laufen will, ist bis zu drei Wochen unterwegs. Der Weg ist die Hauptattraktion für Wanderurlauber in Nepal und entsprechend voll: 115.000 Besucher versuchen sich jährlich an ihm.

Annapurna-Basecamp-Trek: Auch der Pfad zum Basislager, in dem Bergsteiger sich vor der gefährlichen Besteigung des 8091 Meter hohen Gipfels akklimatisieren, ist sicher, sagt Trekking-Experte Dhamala. "Die Wege sind kaum beschädigt worden. Aber Wanderer müssen sich natürlich im Klaren darüber sein, dass es im Hochgebirge immer ein Restrisiko gibt."

Poonhill-Trek: Der vergleichsweise leichte Poonhill-Trek, der in fünf Tagen an einigen der schönsten Aussichten auf das Annapurna-Massiv und die Dhaulagiri-Berge vorbeiführt, ist ohne Weiteres gangbar, entschieden die Experten von Miyamoto. Der Weg führt durch beschauliche Dörfer und ist ein Geheimtipp unter kulturell interessierten Wanderern.

Langtang-Trek: Das Langtang-Tal war einst eines der beliebtesten Ziele für Wandertouristen in Nepal. Doch dann wurde es während des Erdbebens am 25. April zum Schauplatz einer Tragödie, als eine Lawine aus Geröll und Eis das gleichnamige Dorf unter sich begrub. Dabei starben bis zu 300 Menschen, darunter auch einige Dutzend ausländische Gäste. "Das Langtang-Tal wurde nicht offiziell geschlossen, aber seit dem Erdbeben trauen sich Touristen nicht mehr dorthin. Es gibt auch keine Herbergen mehr, in denen sie unterkommen könnten. De facto ist das Tal unbegehbar", sagt TAAN-Präsident Dhamala.

Manaslu-Trek: Der abgelegene, nicht ganz einfache Trek ist stark beschädigt und sollte vorerst gemieden werden, sagt Dhamala. "Die meisten Wege sind so zerstört, dass komplett neue gebaut werden müssen." Das dauere sicher bis zum nächsten Jahr.

Oberes Mustang: Die 14-tägige Wanderung führt durch ein stark von der tibetanischen Kultur beeinflusstes Gebiet. Viele Trekker sind hier mit Zelten unterwegs, obwohl es inzwischen auch Gästehäuser gibt. Ob die Wege sicher sind, wird sich zeigen, wenn Miyamoto seinen Abschlussbericht vorlegt. Darin soll auch über die Lage in dem ehemaligen Königreich Auskunft gegeben werden.

Innere Dolpo-Region: Die sehr abgelegene Dolpo-Region war schon vor dem Beben schwer zu erreichen. Vier Tage brauchte man damals, um sich aus Kathmandu nach Dolpo durchzuschlagen. Ob die Wege der 22-Tage-Route gangbar sind, will Miyamoto in einigen Tagen mitteilen.

Kangchendzönga-Trek: "Die Wanderwege im Osten Nepals sind völlig unbeschädigt geblieben und dementsprechend sicher", sagt Dhamala. Der Kangchendzönga-Trek ist einer der weniger begangenen Wege in Nepal. Wanderer müssen 20 Tage lang campen, das Terrain ist anspruchsvoll.

Makalu-Basecamp-Trek: 17 Tage echtes Trekking-Erlebnis für Fortgeschrittene bietet der Weg zum Basislager am fünfthöchsten Berg der Erde. Die Wege sind steil und schwer gangbar, aber unbeschädigt, sagt Dhamal. "Wir stehen bereit, um Abenteuer dort und anderswo zu organisieren."



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endew 31.07.2015
1. Korrektur
Bild Nummer 2 zeigt nicht die Annapurna, sondern den Machhapuchhare oder Fishtail im Annapurna-Massiv.
patras 31.07.2015
2. Korrektur 2
Und Foto Nummer 8 zeigt zwar den Everest, aber von Tibet aus und nicht von Nepal.
mcvitus 31.07.2015
3. Warum muss es ausgerechnet Nepal sein?
Ich liebe die Berge, vor allem die abseits der Jahrmärkte liegenden Gebiete. Und die gibt es nach wie vor reichlich. Dort finde ich alles was ich brauche : einsame Wanderungen, grandiose Natur, anspruchsvolle Touren, innere Kraft für den Alltag usw. Nichts berührt mich mehr als der Gang durch diese wunderbare Natur. Weshalb also für das gleiche Erlebnis um die halbe Welt reisen und dann noch aufgrund der unsicheren Verhältnisse vor Ort unnötigerweise Gesundheit und Leben riskieren? Klar, Bergtouren in den Alpen sind für das Erzählen eigener Heldengeschichten weniger hip als die vom anderen Ende der Welt. Aber darum geht's ja auch nicht.
k70-ingo 31.07.2015
4.
Zitat von mcvitusIch liebe die Berge, vor allem die abseits der Jahrmärkte liegenden Gebiete. Und die gibt es nach wie vor reichlich. Dort finde ich alles was ich brauche : einsame Wanderungen, grandiose Natur, anspruchsvolle Touren, innere Kraft für den Alltag usw. Nichts berührt mich mehr als der Gang durch diese wunderbare Natur. Weshalb also für das gleiche Erlebnis um die halbe Welt reisen und dann noch aufgrund der unsicheren Verhältnisse vor Ort unnötigerweise Gesundheit und Leben riskieren? Klar, Bergtouren in den Alpen sind für das Erzählen eigener Heldengeschichten weniger hip als die vom anderen Ende der Welt. Aber darum geht's ja auch nicht.
Weil die Alpen vollkommen zerstört sind, verbaut, versaut, zersiedelt, überfüllt, übervermarktet uvm. Allein die Rocky Mountains sind schon um Dimensionen besser erhalten, die Anden und Kordilleren ebenso, vom Himalya gar nicht erst zu reden.
cor 31.07.2015
5.
Zitat von mcvitusIch liebe die Berge, vor allem die abseits der Jahrmärkte liegenden Gebiete. Und die gibt es nach wie vor reichlich. Dort finde ich alles was ich brauche : einsame Wanderungen, grandiose Natur, anspruchsvolle Touren, innere Kraft für den Alltag usw. Nichts berührt mich mehr als der Gang durch diese wunderbare Natur. Weshalb also für das gleiche Erlebnis um die halbe Welt reisen und dann noch aufgrund der unsicheren Verhältnisse vor Ort unnötigerweise Gesundheit und Leben riskieren? Klar, Bergtouren in den Alpen sind für das Erzählen eigener Heldengeschichten weniger hip als die vom anderen Ende der Welt. Aber darum geht's ja auch nicht.
Ihnen ist schon klar, dass der Nepal die Touristen gerade heute mehr als je zuvor braucht, oder? Ausserdem sehe ich überhaupt nicht, dass man bei den normalen Treks seine Gesundheit und Leben riskiert. Wir reden hier nicht vom Everest selbst sondern vom Basecamp-Trek.
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