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Träger im Himalaya: Ohne sie geht nichts

Foto: Claus Hecking

Sherpas im Himalaya "Ich habe Träger zusammenbrechen sehen"

Dosenbier, Kühlschränke oder Toilettensitze für die Touristen: Im Himalaya muss alles von Männern auf die Berge befördert werden. Ein nepalischer Träger erzählt von seinem zehrenden Job.

Von weitem sieht es so aus, als würden fünf Matratzen durch das Hochgebirge wanken. Doch als sich die Kolonne dem nepalesischen Himalaya-Örtchen Dole auf 4080 Meter Seehöhe nähert, wird klar: Es sind Menschen. Lastenträger. Sie haben Paletten mit Bauelementen auf den Rücken geschnallt. Ihr Ziel ist das Bergdorf Gokyo: 4750 Meter über Normalnull.

Nichts geht im Himalaya ohne die Lastenträger. Die Männer schleppen auf ihren Rücken alles mögliche nach oben, wonach Everest-Gipfelstürmer und Trekkingtouristen verlangen: von Dosenbier und Coca-Cola bis hin zu Holzwänden, Toilettensitzen oder sogar Kühlschränken für die Lodges, in denen die Gäste nächtigen. Denn Straßen gibt es hier keine.

Abgesehen von Yaks und Maultieren - die vor allem Gasflaschen und Reissäcke befördern - sind die Lastenträger fast das einzige Transportmittel in dieser Höhe. Von 2500 Meter bis auf teils über 5000 Meter Seehöhe steigen sie in tagelangen Touren auf: viele in Sandalen - und mit Lasten, die mehr wiegen als sie selbst. Wie schaffen sie das?

Tila Bahadur Bhurel

Tila Bahadur Bhurel

Foto: Claus Hecking

Tika Bahadur Bhurel, 40, ist seit 27 Jahren Träger. Er erzählt von seiner Arbeit:

"Ich habe mit 13 Jahren mit dem Tragen angefangen. In unserer Familie reichte das Geld nicht zum Essen. Und es gab keine andere Arbeit. Was soll man denn sonst hier machen? Angefangen habe ich mit 15 Kilogramm, aber das hat zu wenig gebracht. Wir werden ja nach Gewicht bezahlt. Als 15-Jähriger habe ich schon 50 Kilo getragen, mit 25 Jahren dann 80 Kilo. Das ist eine Menge, ich selbst wiege keine 60.

Manche Kollegen schaffen sogar 110 oder 120 Kilo, aber das hält niemand lange durch. Jeder von uns hat Rückenschmerzen und Nackenschmerzen, wir tragen ja viel Gewicht über den Kopf. Es gibt keine besondere Technik, die das Tragen leichter oder gesünder macht. Fast alle, die zu lange zu schwer tragen, werden krank.

Ich habe schon Kollegen auf dem Weg zusammenbrechen sehen, manche sind nie wieder gesund geworden. Zum Arzt gehen Lastenträger fast nie. Niemand von ihnen hat eine Krankenversicherung. Es gibt auch keine Gewerkschaften. Jeder arbeitet für sich.

Am meisten verdienen kann man auf den anstrengendsten Strecken. Zum Beispiel vom Dorf Namche Bazaar (3450 Meter über NN, Anm. d. Red.) oder dem darüber liegenden Flugfeld nach Gokyo. Der Weg ist insgesamt etwa 60 Kilometer lang: zwei Tage hin, einen zurück. Pro Kilo gibt es 80 bis 110 Rupien (0,70 bis 0,90 Euro) für die ganze Strecke. Dafür kann es da oben auch richtig kalt werden: nachts schon mal minus 20 Grad. Wenn man Pech hat, sind die Wege vereist und verschneit. Einige Träger, die aus niedriger gelegenen Regionen kommen, werden höhenkrank.

Umkehren? Traut sich niemand. Die Ware muss pünktlich ankommen. Und unbeschädigt. Wenn etwas kaputt geht, müssen wir Träger die Hälfte bezahlen. Und wenn wir dafür nicht genug Geld haben, müssen wir die Schulden abarbeiten. Mir ist einmal ein 24er-Pack Bierflaschen heruntergefallen, da war die ganze Tour umsonst.

Ich arbeite jetzt als Gepäckträger für Touristen. Da verdiene ich weniger, 1400 Rupien (12 Euro) am Tag. Aber ich muss höchstens 30 Kilo schleppen und bin versichert, wenn mir etwas passiert. Außerdem gibt es manchmal Trinkgeld. Mit den Touristen habe ich wenig zu tun, ich spreche fast kein Englisch. Wenn gerade keine Trekkingsaison ist, arbeite ich mit meiner Frau auf unserem kleinen Acker. Wir bauen Gemüse an, das meiste essen wir selbst.

Früher war die Arbeit noch härter. Da mussten wir unterwegs draußen schlafen, wenn uns die Hütten und Teehäuser nicht reingelassen haben. Dann haben wir uns Höhlen gesucht oder Löcher im Boden gegraben, wenn er nicht gefroren war. Seit einigen Jahren müssen die Teehäuser die Träger unter ihrem Dach umsonst übernachten lassen. Normalerweile schlafen wir auf dem Fußboden. Wenn es leer ist und man Glück hat, gibt es eine Matratze, vielleicht auch eine Decke. Manchmal setzen wir Männer uns abends zusammen: reden, rauchen, singen. Aber meistens sind wir einfach nur fertig und gehen schlafen.

Wenn ich frühmorgens loslaufe und die Sonne über den hohen Bergen aufgeht, ist das ein schöner Moment. Ansonsten mag ich meine Arbeit nicht besonders. In meinem Dorf gibt es Dutzende Jungen, die sich als Träger anbieten. Ich gehe immer wieder zu ihnen und sage: "Geht lieber in die Schule, lernt was Richtiges." Aber die wollen das schnelle Geld verdienen.

Der schönste Moment auf jeder Tour ist, wenn ich die Last am Ende abladen kann. Dann komme ich nach Hause, trinke einen Raksi-Schnaps, und meine Frau kocht mir ein Büffel-Curry. In zehn Jahren will ich mich zur Ruhe setzen. Denn mit 50 sind die meisten von uns kaputt. Ich hoffe, dass ich bis dann genug verdient habe, sonst muss ich länger arbeiten. Wissen Sie, ich habe drei Kinder. Ihre Ausbildung ist sehr teuer, aber das ist es mir wert. Meine Kinder sollen es einmal besser haben."

Übersetzung: Chhewang Sherpa. Aufgezeichnet von Claus Hecking.

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