Trotz Nachbeben Königsplätze in Nepal wieder für Touristen geöffnet

Wackelige Fassaden, ein Trampelpfad mit Warnhinweisen: Der Durbar-Platz in Kathmandu ist noch immer gezeichnet vom verheerenden Erdbeben vor sieben Wochen. Trotzdem ist er nun wieder für Touristen zugänglich.

DPA

Aus dem Trümmerfeld wird eine Tanzfläche: Ungeachtet aller Sicherheitsbedenken haben die nepalesischen Behörden die vom Erdbeben im April teilweise zerstörten historischen Stätten im Kathmandu-Tal wieder für den Tourismus geöffnet. Mit traditionellen Gesängen ist in der alten Königsstadt Bhaktapur der Durbar-Platz wiedereröffnet worden. Auch andere Königsplätze - in der Hauptstadt Kathmandu sowie in Patan - sind nun wieder für Besucher zugelassen.

Dabei hatte die Unesco in der vergangenen Woche von einer vorschnellen Wiedereröffnung abgeraten. "Die Gefahr ist immer noch groß, dass Gebäude einstürzen", sagte der Leiter der Unesco in Nepal, Christian Manhart. "Auf dem Durbar-Platz in Kathmandu beispielsweise ist eine ganze Fassade instabil, wir können da keine Besucher entlanglaufen lassen".

Bhesh Narayan Dahal ist da anderer Meinung. "Nepal ist sicher, da können Sie unbesorgt sein" lautet die Botschaft des Leiters der Archäologie-Abteilung im Tourismusministerium. Tatsächlich jedoch müssen Besucher des Durbar-Platzes in der Hauptstadt einem Trampelpfad zwischen Hindu-Tempeln und Palast folgen, auf dem überall Warnhinweise angebracht sind.

Fast tägliche Nachbeben

Auf allen drei Plätzen zeugt immer noch Schutt von dem verheerenden Erdbeben am 25. April. Mehr als 8700 Menschen sind vor sieben Wochen gestorben, noch heute gibt es fast täglich Nachbeben. Tausende Häuser sowie unzählige Tempel und Statuen aus dem 12. bis 18. Jahrhundert wurden beschädigt oder ganz zerstört.

Jedes Jahr reisen etwa 800.000 Menschen nach Nepal. Das Erdbeben der Stärke 7,8 hat den Tourismus des Himalaya-Staats schwer getroffen. Dieser ist aber für den Wiederaufbau des armen Landes noch dringender nötig als sonst. Deshalb bestehen die Behörden darauf, alles für die nächste Saison nach Ende der Regenzeit vorzubereiten.

"Es ist nicht verfrüht, die Plätze wiederzueröffnen. Wir müssen für die nächste Touristensaison im September und November gewappnet sein", sagte der Ministeriumsvertreter Dahal. "Wenn die Touristen denken, dass Nepal sicher ist, werden sie auch kommen".

Ähnlich sieht es der niederländische Reisespezialist Bill Calderwood. Der Schritt sei eine "sehr gute Botschaft an den Rest der Welt, dass Nepal nach vorne blickt", sagt er. Sein britischer Kollege Simon Watkinson ist skeptischer: "Die Wiedereröffnung der Kulturstätten bringt nichts - solange die Behörden anderer Länder vor Reisen nach Nepal warnen, werden sich die Touristen nicht sicher fühlen."

Im Kathmandu-Tal befinden sich neben den Durbar-Plätzen der Königsstädte Kathmandu, Bhaktapur und Patan vier weitere Kulturstätten, die gemeinsam von der Uno-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt werden.

jus/AFP

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Trainspotter 15.06.2015
1. Tourismus
Natürlich ist der Tourismus für Nepal sehr wichtig, aber man sollte sich eher darauf konzentrieren, das Land wieder zu stabilisieren. Wortwörtlich in dem Fall. Denn wenn das nicht gegeben ist, werden die Touristen langfristig ausbleiben und die eigene Bevölkerung darunter doppelt leiden.
puschelmaus 15.06.2015
2. Tourismus absolut möglich u.notwendig
Ich war selbst ab 27.4.fuer 4 wochen in nepal,um meine nepalesischen freunde zu unterstützen.selbst zu der zeit war es möglich,die sehenswürdigkeiten zu besichtigen.es sind lediglich 5 % vom land extrem zerstört.ktm steht zu 95 %.von anfang an konnte man alles in ktm kaufen,selbst zelte u.planen.die touriregion pokhara und die verbindungsstrassen haben überhaupt nix abbekommen.dt.grosse reiseveranstalter bieten touren nach nepal an.traeger,guides u.haendler sind aktuell arbeitslos,haben aber häufig ein haus oder ein wichtiges tier verloren.ohne einnahmen aus dem tourismus haben die überhaupt keine chance wieder an ein normales leben anzuknüpfen.ganz thamel u.die hotels sind heile.sicher muss man am durbar square in ktm ein bischen aufpassen bei dem riesigen weissen gebäude.aber das ist grossflächig abgesperrt.und wenn man sich die erdbeben in nepal aktuell anschaut....die haben max.5 und sind nur wenige sekunden.ich kann aus eigener erfahrung sagen, dass man die draussen, wenn man in bewegung ist,gar nicht merkt.ich lebe in deutschland im 4.stock.wenn da ein laster unten lang faehrt,da wackelt es mehr.ich werde im oktober wieder angstfrei nach nepal fliegen.es ist weiterhin ein tolles u.sehenswertes land.
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