Mount Everest Nepal verbietet Gipfelfoto-Fälschern das Bergsteigen

Was im Sport die Dopingsperre, ist unter Alpinisten das Kletterverbot: Nepals Behörden haben zwei Bergsteigern für zehn Jahre verboten, Nepals Gipfel zu erklimmen - wegen gefälschter Gipfelfotos.

Everest-Panorama: Pfuschen verboten
REUTERS

Everest-Panorama: Pfuschen verboten


Dinesh und Tarakeshwari Rathod wollten Ruhm und handelten sich Schande ein. Wegen gefälschter Gipfelfotos vom Mount Everest hat Nepal den zwei indischen Bergsteigern ein zehnjähriges Bergverbot erteilt.

Sie hatten behauptet, am 23. Mai den höchsten Berg der Welt bezwungen zu haben. Andere Bergsteiger hatten die Geschichte des Ehepaars aber in Zweifel gezogen. Nepals Tourismusbehörde, die die Everest-Besteigung der beiden kletterbegeisterten Polizisten zunächst bestätigt hatte, leitete schließlich eine Untersuchung ein.

Die Ermittler kamen nun zu dem Schluss, dass die Rathods ihren Gipfelerfolg nur "vortäuschten", wie Behördenchef Sudarshan Prasad Dhakal am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Sie hätten dazu Gipfelfotos eines anderen indischen Bergsteigers manipuliert. Zur Strafe und als Warnung für andere Kletterer dürften die beiden nun zehn Jahre lang keinen Berg in Nepal besteigen.

63 Jahre nach der Erstbesteigung ist das Erklimmen des höchsten Gipfels der Welt nichts Ungewöhnliches mehr, noch immer aber ein lebensgefährliches Unterfangen: Über 250 Tote liegen entlang der Aufstiegsrouten konserviert im Eis.

Die meisten Bergsteiger müssen umkehren, nur jeder fünfte, so der statistische Schnitt, schafft den Aufstieg am Ende wirklich. Auch viele der kommerziell geführten Touren, mit denen inzwischen Millionensummen umgesetzt werden, scheitern an den klimatischen Extremen.

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Extrem-Reiseziel Everest: Bergsteigen am Limit

Die Wertigkeit des erfolgreichen Aufstiegs hängt darum auch nach über 15.000 registrierten Aufstiegen an diesem Rest Exklusivität - wer den Gipfel erreicht, gehört immer noch zu einer ausgewählten Gruppe unter den Bergsteigern. Auch darum versteht Nepal hier keinen Spaß: Jeder tatsächlich versuchte Aufstieg bringt schließlich mehrere Zehntausend Euro ins Land.

In diesem Jahr gelang es bisher 456 Menschen, den Gipfel des Everest zu erreichen, mehr als 250 davon waren ausländische Alpinisten. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte dagegen nur ein einziger Mensch den Gipfel erreicht. Nach zwei schweren Unglücken waren alle Expeditionen abgesagt worden.

2014 wurden 16 Sherpas durch eine Lawine getötet, als sie die Route zum Gipfel vorbereiteten. 2015 wurde die Himalaya-Region von zwei schweren Erdbeben erschüttert. In Nepal kamen etwa 8900 Menschen ums Leben. Am Mount Everest wurde eine massive Lawine ausgelöst, die das Basislager teilweise zerstörte und 18 Menschen in den Tod riss.

AFP/pat



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