Neuer Shinkansen in Japan Highspeed-Zug mit Entenschnabel

Ein neues Shinkansen-Modell hat in Japan seinen Dienst aufgenommen: Der "Hayabusa" wird künftig Tokio mit Aomori im Norden der Insel Honshu verbinden. Der Highspeed-Zug mit der langen platten Schnauze wird zunächst bis zu 300 km/h, bald auch 320 km/h schnell sein.

AFP

Tokio - Die Premiere des "Hayabusa" (zu Deutsch: Falke) begann mit einer Panne: Obwohl sich die Schnellzüge in Japan vor allem durch ihre Pünktlichkeit auszeichnen, konnte das neue Shinkansen-Modell unter den Augen von mehr als tausend Eisenbahnfans erst mit sieben Minuten Verspätung aus dem Bahnhof von Tokio rollen. Ein Passagier war kurz vor dem Start auf die Gleise gefallen, konnte aber aus eigener Kraft wieder auf den Bahnsteig klettern.

Am Samstag hat der neue japanische Hochgeschwindigkeitszug "Hayabusa" seine Jungfernfahrt mit 300 km/h absolviert - er ist die erste Shinkansen-Neuerung seit 14 Jahren. Der Chef der Eisenbahngesellschaft East Japan Railway Co., Mutsutake Otsuka, weihte den Hochgeschwindigkeitszug ein. Tickets für den Einsatz waren so begehrt unter den Bahnfans, dass Tausende von Euro für die Fahrt bezahlt wurden, wie japanische Medien berichteten. Die Fahrkarten waren innerhalb von 20 Sekunden ausverkauft.

Künftig wird der Hayabusa die Hauptstadt Tokio zweimal täglich mit der Stadt Aomori im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu. Sie wurde bisher nicht mit Hochgeschwindigkeitszügen angefahren und wird nun verstärkt als Ausflugsziel beworben.

Die Strecke von 675 Kilometern legt der futuristische Zug mit der extrem flachen Schnauze in gerade einmal gut drei Stunden zurück. Im nächsten Jahr soll er dann mit einem Tempo von 320 km/h der schnellste Zug Japans werden. Die "GranClass" des Hayabusa ist mit Ledersitzen, individuell einstellbarem Leselicht und Fußstützen eingerichtet, angeboten werden für einen Aufpreis von 9490 Yen (82 Euro) auch alkoholische Getränke und leichte Mahlzeiten

Japan entwickelt seit den sechziger Jahren immer wieder neue Modelle des Schnellzugs Shinkansen und hofft, die Technologie auch ins Ausland verkaufen zu können. Der erste Zug wurde 1964 zu den Olympischen Spielen in Tokio eingeweiht.

Reisende ziehen die Bahn zwar einem Flug oder einer Autofahrt vor, allerdings dürfte wegen der schnell alternden Gesellschaft in Japan die Kundenzahl in Zukunft deutlich sinken. Regierung und Industrie versuchen deshalb, auch im Ausland neue Märkte für den Shinkansen zu erschließen.

abl/AFP/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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hypermental 07.03.2011
1. Dildo-Design-Gag
Ob diese lange Nase aerodynamisch Sinn macht? Man vergleiche mal Flugzeugnasen von Unterschallverkehrsmaschinen, die sehen ja auch nicht so aus. Vermute mal ganz stark hier kommt der japanische Sinn für Phallussymbolik durch... ;-)
wilam 07.03.2011
2. bei uns wäre
der auf die Gleise gestolperte Passagier sofort Anlass gewesen, um die (mühsame) Entwicklung wegen mangelnder Machbarkeit einzustellen.
Kaworu 07.03.2011
3. ---
Zitat von hypermentalOb diese lange Nase aerodynamisch Sinn macht? Man vergleiche mal Flugzeugnasen von Unterschallverkehrsmaschinen, die sehen ja auch nicht so aus. Vermute mal ganz stark hier kommt der japanische Sinn für Phallussymbolik durch... ;-)
Die lange Nase ist, damit er vor einem Tunnel nicht bremsen muss. Tunnelknall und so. ;) Kann natürlich sein, das sie aus anderen Gründen einen Meter mehr hat.
DonCarlos 07.03.2011
4. Nicht fliegen soll er ...
Zitat von hypermentalOb diese lange Nase aerodynamisch Sinn macht? Man vergleiche mal Flugzeugnasen von Unterschallverkehrsmaschinen, die sehen ja auch nicht so aus. Vermute mal ganz stark hier kommt der japanische Sinn für Phallussymbolik durch... ;-)
Genau aus dem Grund, dass der Zug nicht abhebt wie ein Flugzeug, sieht die Nase so aus. Auf den Bildern des Zuges ist deutlich zu sehen, dass der Kopf eher Keilform hat und den Zug damit bei schneller Fahrt auf die Schienen anpresst.
Joe67, 07.03.2011
5. ehemalige Vorreiter nun im Mittelfeld
Der neue Shinkansen hat schon eine eigenwillige Optik. Ansonsten sind die ehemals wegweisenden japanischen Schnellzüge nun im Mittelfeld im Hochgeschwindigkeitsvergleich. In China und Frankreich fahren die regulären Züge schon länger 320 km/h. Die ICE-3 fahren in Frankreich auch 320 km/h nur in Deutschland kommen sie über 300 km/h nicht hinaus. In Spanien wird regulär sogar 350 km/h gefahren. Bei der Deutschen Bahn dagegen wird heftig auf die Bremse getreten. Mehdorn hat massenweise alte Waggons, die auf Tempo 200 zugelassen waren, verschrotten hat lassen (er wollte unbedingt ausschliessen, dass andere Bahnbetreiber diese erwerben). Gleichzeitig hat Mehdorn die Achsproblematik beim ICE-3 verschleppt, so dass der Bahn nun massenhaft Waggons fehlen. Als Notmassnahme werden nun Waggons mit Höchstgeschwindigkeit 160 km/h bestellt. Doch auch die regulären neuen ICE-X sollen nur noch 230-250 km/h schnell sein. Damit bildet Deutschland nun das Schlusslicht beim Hochgeschwindigkeitsverkehr auf Schienen.
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