Kea auf dem Kepler Track: Die intelligentesten Tiere Neuseelands
Kea auf dem Kepler Track: Die intelligentesten Tiere Neuseelands
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Moritz Wolf / imagebroker / IMAGO

Neuseeland aus der Vogelperspektive Bergpapagei filmt seinen Flug mit gestohlener Kamera

Neuseelands intelligenteste Tierart hat zugeschlagen: Ein Kea, ein einheimischer Papagei, mopste einer Familie eine GoPro und flog mit eingeschalteter Kamera davon.

Es war die erste Mehrtages-Wanderung der Verheuls mit ihren Kindern – und ein Video davon, aufgenommen auf der Tour durch ihre GoPro-Kamera, geht gleich um die Welt. Auf der Terrasse einer Hütte auf dem Kepler Track im Fjordland Neuseelands schnappte sich ein Kea, ein einheimischer Bergpapagei, das Gerät der Familie von der Reling und flog davon. Der entführte Camcorder filmte weiter, die Aufnahme zeigt einen weiten Blick über das gelbgrüne Tussockgras, über Büsche, Berge, Bäume. Und den Bauch und das sonnenbeschienene Gefieder des Kea.

Die Keas sind wohl Neuseelands verspielteste und intelligenteste Tierart. Mit ihrem grün-braun schillernden Gefieder, dem scharfen Schnabel und ihrem Drang, alles einzusammeln, was in ihrem Lebensraum glitzert, schmeckt und herumliegt, sind sie berüchtigt: bei Radfahrerinnen, die sich in Pausen am Wegesrand auf ihr Gefährt setzen müssen, damit die Gummireifen geschützt sind. Bei Autofahrern, deren Scheibenwischer oder Fensterdichtungen an Bergpässen von den Vögeln attackiert werden. Und bei Wanderern, die über ihre Schuhe und Lunchpakete wachen müssen. Und über ihre Kameras.

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Der diebische Kea, der die Familie aus Dunedin beraubte, machte sich bei einem Stopp auf einem Felsen über die Kamera her. Das Bild wackelt, die Fetzen fliegen. Sie seien einfach den lauten Vogelrufen gefolgt, erzählt die Mutter Alex Verheul dem neuseeländischen Sender Seven Sharp, und sie entdeckten die Keas in einem Baum: »Sie hörten uns offensichtlich kommen und ließen die GoPro zurück.« Ihr Sohn suchte die Felsen ab, die als Vogellandeplätze geeignet schienen. »Und da lag sie immer noch und filmte.«

Die Aufnahme des Action-Camcorders unterhielt zunächst die etwa 40 Gäste der Hütte, erzählt Verheul. Die Familie hatte den ersten Tag des viertägigen Kepler Tracks hinter sich und die Luxmore Hut auf 1085 Metern erreicht. Der 60 Kilometer lange, eher einfach zu begehende Weitwanderweg führt über Bergkämme, moosbewachsene Wälder und entlang von Seen und Feuchtgebieten. Er liegt in der Nähe des Ortes Te Anau im Westen der neuseeländischen Südinsel und gehört zu den beliebten Great Walks des Landes, zu denen auch der legendäre und in Nicht-Corona-Zeiten komplett überlaufene Milford Track zählt.

Blick auf den See Te Anau und die Luxmore Hut: Der Kepler Track ist einer der beliebtesten Weitwanderwege Neuseelands

Blick auf den See Te Anau und die Luxmore Hut: Der Kepler Track ist einer der beliebtesten Weitwanderwege Neuseelands

Foto: Mara Brandl / imagebroker / IMAGO

Zurzeit genießen die Neuseeländer den zweiten Hochsommer in Folge auf ihren Wanderwegen ohne ausländische Touristen – das Land hat sich in der Coronapandemie abgeschottet. Und sie bleiben auch noch ein paar Monate von dem Andrang verschont, der dem Land nun wirtschaftlich fehlt, den Einheimischen aber zuletzt zum Teil schon zu viel wurde. Erst im Oktober sollen geimpfte Touristen aus allen Ländern wieder einreisen dürfen, kündigte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern am Donnerstag an. Reisende aus Ländern wie etwa Australien und Großbritannien, die kein Visum benötigen, könnten bereits ab Juli kommen – ob mit oder ohne Quarantäne steht noch nicht fest.

Für die Familie Verheul blieb es nicht die einzige Begegnung mit den diebischen Keas. Am zweiten Tag stahlen die schlauen Papageien Tassen aus ihren Rucksäcken.

abl