Neuseeland Mit Delfinen schwimmen

Neuseeland liegt weit weg. Was allerdings nichts daran ändert, dass jedes Jahr mehr deutsche Touristen den Weg ans andere Ende der Welt finden. Was Wunder, erwartet den Besucher doch im länglichen Inselreich ein Dorado der Outdoor-Aktivitäten.


Es sollen tatsächlich Touristen dabei beobachtet worden sein, wie sie sich irgendwo in Gegenden, in denen sich nicht einmal Fuchs und Hase mehr "Gute Nacht" sagen, schüchtern wie Wäschediebe nach links und rechts umgedreht haben, um dann herzhaft und innig einen Baum zu umarmen.

Schöne Strände sind in Neuseeland keine Mangelware

Schöne Strände sind in Neuseeland keine Mangelware

Zumindest beginnt fast jeder dritte Reisebericht aus Neuseeland mit diesem Klischee: Naturliebhaber, die nach 24 bis 30 Stunden im Flieger endlich am "Ende der Welt" angekommen sind und sich hier endlich die Urkraft des Urwaldes reinziehen können: mit dem Rucksack zur Ökoreise ans Ende der Welt.

Öko - wie bitte? Von der Umweltbilanz her betrachtet, könnte man genauso gut für den Rest des Jahres mit dem Vierzigtonner zur Arbeit fahren, witzelt der Kabarettist Dieter Nuhr in einem seiner Programme. Fest steht: Wer sich auf den gut 18.000 Kilometer weiten Flug ans Ende der Welt macht, kommt in der Regel nicht im Charterpulk, sondern sucht das Abenteuer eher als Individualtourist.

Auckland ist die größte Stadt Neuseelands, aber doch nicht - wie mancher meinen könnte - die Hauptstadt

Auckland ist die größte Stadt Neuseelands, aber doch nicht - wie mancher meinen könnte - die Hauptstadt

Obwohl Neuseeland von der Fläche her nicht gerade ein Riesenreich hergibt, ist Platz genügend vorhanden, um sich gegenseitig aus dem Weg gehen zu können. Allerdings leben die "Kiwis" (wie sich die Einwohner selbst nennen) in ihrem auf zwei Inseln verteilten Land nicht alleine: 50 Millionen Schafe weiden hier auf reichlich vorhandenen Grünflächen und tun so ihren Dienst zunächst als vierbeinige Rasenmäher - um zum Dank am Ende in den Kühlregalen und Töpfen rund um den Globus zu enden.

Neuseeland innerhalb von 14 Tagen bereisen zu wollen, wäre freilich der Wahnsinn. Schon weil sich das "Kiwi"-Land von Nord nach Süd ziemlich in die Länge zieht, kann Neuseeland verschiedenartige Regionen bieten. Kurz: Es gibt Städte, aber diese verblassen neben den Naturwundern.

Der Norden ist subtropisch und daher mit seinen touristischen Hauptzentren Whangarei, Paihia und Russell einer der Spitzenreiter unter den Bade- und Surfgebieten. Am North Cape, dort, wo sich Pazifischer Ozean und Tasmanische See vermischen, liegen die großen Naturstrände, an die es nicht nur den gemeinen Sonnenanbeter, sondern eben Wassersportler aller Art und Gattung zieht:

Taucher schwören auf die Reviere, oder es finden sich Freizeitkapitäne ein, die zum Törn um die 144 Inseln umfassende "Bay of Islands" gekommen sind. Oder zum Whalewatching. Mit Delfinen schwimmen? Im nördlichen Neuseeland nichts Außergewöhnliches.

Ungewohnt: Die traditionelle Begrüßung unter Maoris

Ungewohnt: Die traditionelle Begrüßung unter Maoris

In Waipoua - und nicht nur dort - wachsen die Kauri-Bäume, bis zu 50 Meter hohe Nadelbaume, ferner Tropenwälder mit haushohen Farnen. In dieser Region liegt der historische Treffpunkt von Neuseelands europäischer Kultur mit der der Ureinwohner, der Maori.

Südlich davon liegt Auckland, Neuseelands größte Stadt und Ankunftsflughafen für die meisten internationalen Touristen. Die City trägt den Beinamen "Stadt der Segel", weil rund 80.000 Freizeitboote hier beheimatet sind. Auckland liegt gleich zwischen zwei großen Häfen und bietet neben einem veritablen Metropolenleben ein imposantes Outdoor-Angebot, das bei Touren durch den nahen Regenwald des Waitakere-Range beginnt und sich über filmreife Strände ("Das Piano" wurde hier gedreht) und Weinbergtouren im Westen bis hin zu den weltberühmten Golfplätzen erstreckt.

Nationalsymbol: Der Kiwi

Nationalsymbol: Der Kiwi

Als "warmes Herz" der Nordinsel gilt indes das Dreieck zwischen Hamilton, Rotorua und dem größten Binnensee des Landes, dem Lake Taupo, berühmt vor allem wegen der siedenden Thermalquellen. Und wegen der exklusivsten aller neuseeländischen Lodges, von denen die eine oder andere auch schon mal den eigenen Hubschrauber im Angebot hat - etwa für Besichtigungen des 1111 Meter hohen Vulkan Mount Tarawera.

Südlich von hier liegt der Inbegriff der neuseeländischen Farmlandschaften, eine von Flüssen und dem Taranaki-Vulkan geprägte Provinzidylle - nicht unnett, aber ein Kontrast zur gegenüberliegenden Ostküstenregion mit ihren Badebuchten und einem Landschaftsbild, das sich entlang des Pacific Coast Highway alle dreißig Minuten verändert.

An vielen Wander-Tracks zu finden: Einsame Bergseen

An vielen Wander-Tracks zu finden: Einsame Bergseen

Wer's gerne "englischer" hat, muss eher nach Canterbury und Christchurch auf der Südinsel. Der Weg hierher führt von der Nordinsel an der Hauptstadt Wellington vorbei mit der Fähre über die Cook Strait. Eine erstaunlich friedliche Mischung aus englischer Gartenliebe und französischer Kolonialarchitektur tut sich dort am "Tor zur Antarktis" auf.

Unter Touristen besonders angesagt ist hier das "Heliskiing" sowie Flüge zu den Gletschern im Mount-Cook-Nationalpark, mit 3754 Metern Neuseelands höchstem Berg. Am weitaus bekanntesten unter den Erholungs- und Abenteuerregionen ist die südliche Westküste mit ihren Zentren Queenstown, Wanaka, und dem Fjordland und Central Otago mit seinen Fjorden, Gletschern und Regenwäldern.

Einsame Pfade findet man im dünnbesiedelten Neuseeland garantiert

Einsame Pfade findet man im dünnbesiedelten Neuseeland garantiert

Hier liegt das Dorado aller spektakulären Outdoor-Aktivitäten wie Trecking, River Rafting oder dem Bungee Jumping. Keine Frage: Neuseeland ist unter Touristen in den letzten Jahren immer beliebter geworden, nach den Briten stellen die Deutschen die größte Besuchergruppe aus Europa. Keine Frage ist aber auch, dass das Zwei-Insel-Reich am Ende der Welt nie ein Ziel des Massentourismus werden wird. Ein Pluspunkt in Sachen Ökologie ohne Zweifel.



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