Neuseeland Spritztour mit Solarrakete

Das Solartaxi surrt über Neuseelands einsame Südinsel. Zu Louis Palmers Überraschung feiern besonders Hummer- und Muscle-Car-Besitzer das umweltfreundliche Mobil. In Christchurch wartet eine Solarrakete auf das Taxi.


Auf der Südinsel von Neuseeland lebt nur etwa ein Viertel der neuseeländischen Bevölkerung, und die Ortschaften liegen weit auseinander. So gilt es für mich nun, die Batterieladung des Solartaxis gut einzuteilen. Gegen menschenleere Straßen ist jedoch nichts einzuwenden, und so kurve ich gemütlich über die Hügel und entlang der wilden Küste der Provinz Canterbury. Eine außergewöhnliche Dürre hat die Insel fest im Griff.

Plötzlich erscheint vor mir ein Schild "Achtung Seehunde!". Zuerst denke ich, dies sei ein Witz, doch später klärt mich mein Gastgeber Bob auf: "Vor allem im Winter legen sich die Seehunde gerne auf den warmen Asphalt, und dort sind sie dann so schwarz wie die Nacht. Das ist saugefährlich!"

Bob und Karen haben sich auf einer Anhöhe kurz vor Kaikoura ein Paradies erschaffen. Sechs Monate lang waren sie durch Europa gereist, um sich inspirieren zu lassen. Und dann bauten sie sich ein Haus, mit spanischen, griechischen und auch kenianischen Stilelementen. Heute sollte mir ein Zimmer mit Blick aufs Meer gehören. Bob sammelt Oldtimer, und so stellt er seinen Liebling, einen feuerroten Ford Thunderbird, neben das Solartaxi, verschränkt die Arme und lacht: "Altes trifft die Zukunft!"

Tätowierter Hippie als Stadtführer

Von Kaikoura aus fahre ich weiter nach Christchurch, wo das Solartaxi aufs nächste Schiff verladen werden soll. Doch zuerst verirre ich mich in Straßen, die alle gleich aussehen, bis ein Hippie in einem feuerroten Ami-Schlitten neben mir stehen bleibt. Der Typ ist von Kopf bis Fuß tätowiert, und lächelt verschmitzt durch eine Zahnlücke: "Hey man, wohin willst du?" Und schon führt er mich hin. Ich müsste seinen Wagen gar nicht sehen, es würde reichen, seiner Abgaswolke und dem Lärm zu folgen.

Bei meiner Adresse angekommen, winkt mir der Typ noch lange nach. Doch von John und Diana, die uns in ihr Hotel eingeladen haben, fehlt jede Spur. Sie suchen uns irgendwo, und als sie auftauchen, steht vor mir der wohl einzige Hummer Neuseelands. Das Auto, fast so groß wie ein Panzer, ist in Europa der Sündenbock eines jeden Autohassers. Doch die beiden sind liebenswürdige Leute und wollen uns helfen, so gut sie nur können. Ich staune wirklich, dass wir in Neuseeland vor allem Hilfe von Autofans erhalten, die eine Liebe für riesige Autos haben!

Louis in der Solarrakete

An meinem letzten Abend in Neuseeland werde ich an der Universität erwartet. Rob Glassey und sein Team sind mit ihrem Rennsolarmobil aufgetaucht. Die Rakete wurde in weniger als einem Jahr für das große Solarmobilrennen quer durch Australien gebaut. Gleich nebenan hat Ulrich Bergler einen Bus der Verkehrbetriebe ausgestellt, den einzigen Linienbus der Welt, der seine Energie durch eine Gasturbine erhält und die Kraft über Elektromotoren auf die Straße bringt. Und das zuverlässig seit zehn Jahren.

Ich drehe mit der Rakete eine Runde, und schnell finde ich heraus, dass das Solarmobil gut fünfmal weniger Energie verbraucht als das Solartaxi! Und damit dürfen sie nicht auf die Straße?

Dass das Solartaxi durch Neuseeland fährt, hat hier im Inselstaat schnell die Runde gemacht. Obwohl das Elektromobil selber nun bereits außer Landes ist, werden wir noch ein paar Leute besuchen, die uns eingeladen haben, und auch die Natur genießen. Gleich morgen früh um 5 Uhr steht eine Pinguinkolonie auf dem Besuchsplan.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.