Fotostrecke

An der Grenze zu Nordkorea: T-Shirt mit DMZ-Logo

Foto: SPIEGEL ONLINE

An der Grenze zu Nordkorea "Seid ihr nervös? Nein? Alrighty!"

Nord- und Südkorea nähern sich dank der Olympischen Spiele etwas an, doch an der Sicherheitszone stehen sich die Soldaten beider Seiten gegenüber. Die Grenze ist zu einer Touristenattraktion geworden.

Ein grauer Betonklotz, 50 Zentimeter lang und fünf Zentimeter hoch - das ist alles, was Nordkorea von Südkorea trennt. Zumindest wenn man sich direkt in Panmunjeom, der gemeinsamen Sicherheitszone, befindet. Neben dem Klotz, der die militärische Demarkationslinie kennzeichnet: blaue Baracken mit zwei Türen - eine führt nach Südkorea, eine nach Nordkorea.

Die Gebäude, die wie gewöhnliche Container aussehen, haben historisch große Bedeutung: In ihnen wurde zum Ende des Koreakriegs 1953 der Waffenstillstand verhandelt. Und erst vor wenigen Wochen saßen sich hier Vertreter des Regimes von Kim Jong Un und Abgesandte des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In gegenüber. Ein Ort, der sowohl an die Wunden der Teilung erinnert als auch die Hoffnung auf einen Frieden zwischen den Nachbarländern repräsentiert.

Täglich schieben sich ausländische Touristen vorbei: schnell ein Handyfoto von den Baracken, eins von den regungslosen südkoreanischen Soldaten. Und noch beliebter: eins vom Militär auf der anderen Seite. Doch die Nordkoreaner lassen sich seit Wochen schon nicht mehr auf dem Gelände blicken. Stattdessen verschanzen sie sich in einem großen Betongebäude auf ihrer Seite. Nur manchmal kann man einen von ihnen hinter einer Fensterscheibe sehen.

Vielleicht ist der Grund dafür die Flucht eines Kameraden vor wenigen Monaten. Ganz in der Nähe der Baracken schaffte er es zwar über die Demarkationslinie, wurde aber von fünf Schüssen getroffen. Nun liegt er in einem südkoreanischen Krankenhaus. Die Einschusslöcher im Boden sind noch zu sehen.

Im Video: Die Flucht des nordkoreanischen Soldaten

SPIEGEL ONLINE

Vorfälle wie diese schrecken Besucher nicht ab. Die Tour ist Ausländern vorbehalten - Südkoreaner dürfen nicht daran teilnehmen. Sie müssten sie als "Bildungsreise" direkt bei der Regierung anmelden. Bis nach Panmunjeom werden sie aber ohnehin nicht vorgelassen. Warum, dazu gibt es keine offizielle Erklärung.

Stattdessen reisen vor allem Japaner an, die eine der größten Touristengruppen in Südkorea ausmachen. Die sogenannte K-Wave bringt sie hier her - koreanischer Pop und Seifenopern, die in Asien ungemein populär sind. Einige von ihnen wollen dann auch noch an die Grenze, erklärt die Reiseleiterin. Noch nicht einmal 50 Kilometer liegt sie von der Hauptstadt Seoul entfernt. Im Februar ist es so kalt, dass der Atem an den Scheiben im Bus gefriert.

"Seid ihr nervös? Nein? Das müsst ihr auch nicht sein. Alrighty!", begrüßt ein US-amerikanischer Soldat, der zur US-geführten Uno-Mission gehört, die Reisenden. Bis zu neun Touristengruppen führen er und seine Kameraden jeden Tag herum.

Was, wenn gerade heute etwas passiert?

Um zu den Grenzbaracken zu gelangen, durchqueren die Touristenbusse erst einmal zwei Kilometer weit die Demilitarisierte Zone (DMZ): einen fast 250 Kilometer langen Landstreifen, der den 38. Breitengrad schneidet. Er wird von der Waffenstillstandskommission verwaltet.

Unterwegs weist die südkoreanische Reiseleitung auf weit entfernte Gebäude in der nordkoreanischen Seite des Niemandslands. Dort soll sich ein Propagandadorf Nordkoreas befinden, erzählt die Führerin, in die Hausattrappen sollen angeblich Südkoreaner jeden Abend mit koreanischem Pop gelockt werden. Fenster und Türen seien jedoch nur aufgemalt. Am Abend zeige das Licht darin, dass die Gebäude über gar keine Geschosse verfügten.

Ansonsten gibt es auf der Fahrt nicht viel zu sehen, lediglich Stacheldrahtzäune, Bäume und braunes Ackerland. Was viele Besucher zu dem Ausflug an die Grenze bewegt, sind wohl eher Fragen wie: Was, wenn doch etwas passiert? Wenn gerade heute ein Fluchtversuch gelingt? Wenn auf einmal süd- und nordkoreanische Soldaten ihre stoische Haltung verlieren?

Ein mehr als unwahrscheinliches Szenario, auf das die Tourveranstalter die Besucher trotzdem schon vor der Abfahrt vorbereiten: Wer Löcher in der Jeans hat, kann gleich zu Hause bleiben. Zu provokativ. Winken ist ebenso verboten wie ein ausgestreckter Finger, erhobene Hände ebenso wie Lachen. Kaugummi kauen oder Wasser trinken - hier bitte nicht. Sicherheitshalber wird noch einmal in die Runde gefragt: Irgendjemand unter Drogeneinfluss? Stichwaffen dabei?

"Irgendwer, der nach Nordkorea flüchten will?", sagt der texanische Reiseleiter und grinst. "Nein? Alrighty!"

T-Shirts mit Comic-Bild der geteilten Halbinsel

Nur selten muss eine Tour abgesagt werden, weil der nordkoreanische Machthaber Kim wieder den Nachbarn mit Angriffsfantasien provoziert. Ohnehin büßt der Grenzbereich schnell seine Bedrohlichkeit ein - spätestens wenn offenbar wird, dass hier eine Menge Geld gemacht wird.

Umgerechnet mehr als 100 Euro kostet eine ganztägige Tour. Noch dazu befindet sich an fast jeder Station - außer in Panmunjeom - ein Shop mit Souvenirs von der entmilitarisierten Zone. Es gibt T-Shirts mit Comic-Bildern der geteilten Halbinsel, Briefmarken aus dem Norden, Äpfel aus dem Grenzgebiet und Baseballcaps mit "DMZ"-Logo zu kaufen. Das volle Programm.

Dabei gibt es auch einen ganz anderen Ansatz für den Grenzstreifen, in dem die Natur über weite Teile unberührt geblieben ist: Auf südkoreanischer Seite soll er als Naturschutzzone ausgebaut und erhalten werden. Seit 2012 ist auch das deutsche Bundesamt für Naturschutz in das Vorhaben mit eingebunden. Demnach befinden sich 960 Pflanzen-, 35 Säugetier- und 64 Vogelarten in der DMZ. Oder wie es in einem Film der Reisetour heißt: "Wo wilde Tiere in Harmonie miteinander leben."