Nordthailand Noi und ein Bad mit Rüsseldusche

Noi hat ihre Gäste im Griff. Schnell lernen sie, dass sich die verfressene Elefantendame nur gegen ständige Bananenzufuhr durch den Dschungel reiten lässt. Das Ziel: die heißen Tapai-Quellen beim Bergdorf Pai.

Von Katja Rieger


Elefantendame Noi: Reiten gegen Bananenzufuhr
Katja Rieger

Elefantendame Noi: Reiten gegen Bananenzufuhr

Noi ist 35 Jahre alt und bereits grau. Sie hat schon recht viele Falten und bewegt sich ziemlich langsam, aber wer sie näher kennen lernt, verliebt sich sofort in sie. Auch um den jungen deutschen Touristen in Trekkinghosen und Khaki-Hemd ist es bereits geschehen. Er säuselt ihr Liebkosungen ins Ohr und sein Vorrat an Bananen schwindet zusehends. Noi ist eine Elefantendame mit einem gesunden Appetit, etwa 300 Kilogramm Futter vertilgt sie am Tag. Da braucht es schon mindestens eine Bananenstaude, um sich ihre Freundschaft zu erkaufen.

Noi wohnt in einem Elefantencamp im nordthailändischen Pai in der Provinz Mae Hong Son inmitten einer dicht bewaldeten Berglandschaft nahe der Grenze zu Burma. Bis in die fünfziger Jahre hinein lang diese Provinz noch im Tiefschlaf. Eine Reise durch die Wälder über Elefantenpfade nach Chiang Mai, der größten Stadt Nordthailands, konnte mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Heute sorgt eine asphaltierte Landstraße nach Pai für entsprechend viel Verkehr. Trotzdem ist es noch immer die Abgeschiedenheit, die verschwenderische Natur und die erholsame Luft, die sowohl thailändische als auch westliche Touristen das ganze Jahr über in diese Ecke des Landes zieht.

Heiße Tapai-Quellen: Das schwefelhaltige Wasser hält die Haut jung und schön
Katja Rieger

Heiße Tapai-Quellen: Das schwefelhaltige Wasser hält die Haut jung und schön

Elefanten werden von den Thais seit Jahrhunderten sehr verehrt. Der Umriss des Landes auf der Karte ähnelt einem Elefantenkopf und eines der beliebtesten Biere ist nach dem Dickhäuter benannt: Chang. Trotzdem gehören die Elefanten zu den zehn am meisten bedrohten Tierarten in Thailand. Laut WWF gibt es dort noch etwa 1000 wilde Elefanten, vorwiegend entlang der burmesischen Grenze. 3000 gezähmte werden gehalten, um Bäume aus dem Dschungel abzutransportieren.

Noi kennt das Baumstämmerollen und -aufeinanderstapeln nur aus dem Training. Ihre eigentliche Arbeit besteht darin, Touristen durch den Urwald zu tragen - Fliegengewichte gegen einen Baumstamm. Die Reiter sind schnell dressiert: Vor jedem steileren Streckenabschnitt bleibt Noi stehen, schwingt den Rüssel nach oben und legt ihn auf ihrem grauen, behaarten Hinterkopf ab. Die Botschaft ist klar: Ich will eine Banane! Wer auf der verfressenen Elefantendame vorwärts kommen will, tut gut daran, am Eingang des Camps in Obst zu investieren.

Noi trägt die Besucher zunächst zu den heißen Tapai-Quellen. Sie sind das Badehaus für die Bewohner von Pai. In den kleinen Becken unterhalb der Quelle hat das Wasser ideale Badetemperatur. Ganze Familien sitzen darin wie in Wannen. Die Frauen schwören auf die Wirkung des schwefelhaltigen Wassers, die die Haut jung und schön hält. Oben an der eigentlichen Quelle ist der Wald ringsum in Dampf gehüllt. Einheimische Kinder bieten in dem heißen Wasser gekochte Eier an.

Nach dem Besuch der Quellen geht es auf dem Rücken von Noi zur Abkühlung in den Fluss Pai. Die Sitze sind abgeschnallt worden, und wer jetzt noch bequem sitzen will, versucht einen Platz direkt vorne in ihrem Nacken zu ergattern. Allerdings wird man hier auch am meisten nass. Noi lässt sich von ihrem Führer, dem Mahout, ins Wasser dirigieren und säuft erst einmal ein paar tiefe Züge. Auf Kommando des Mahouts versinkt der kolossale graue Berg komplett im Wasser und die auf ihm Sitzenden erhalten obendrein noch eine Dusche mit dem Rüssel. Nach dem heißen Ritt eine willkommene und erfrischende Angelegenheit.

Die artgerecht gehaltenen Elefanten und die Tapai-Quellen sind nur zwei der Attraktionen von Pai: Man kann in der Umgebung riesige Tropfsteinhöhlen besichtigen, auf dem gleichnamigen Fluss mit Bambusflößen Raftingtouren unternehmen oder einfach nur in der Hängematte liegen und die Aussicht genießen. Die meisten Trekkingfreunde kommen jedoch in der Absicht hierher, in die Berge zu wandern und eins der vielen "Hilltribe"-Dörfer zu besuchen, Bergvölker, die vor Jahrhunderten aus den Nachbarländern geflohen sind und in den thailändischen Bergen teilweise noch sehr einfach und abgeschieden leben. Von Pai aus sind die Wege zu diesen Dörfern vergleichsweise kurz. Einheimische Führer, deren Familien aus den Dörfern stammen, organisieren von dort aus mehrtägige Touren in die Berge.

Dorfbewohner: Bergvölker leben noch sehr einfach und abgeschieden
Katja Rieger

Dorfbewohner: Bergvölker leben noch sehr einfach und abgeschieden

Zahlreiche westliche Aussteiger haben Pai zu einem Ort mit internationalem Flair und einem reichhaltigen kulinarischen Angebot gemacht - für manchen Individualreisenden schon etwas zu viel des Guten. Der Saarländer Tom, der mit seiner thailändischen Frau Pen das "Pai Corner Restaurant" betreibt, hat die Schnitzel nach Pai gebracht, im "Chez Swan" serviert Guy französischen Rotwein und Käse auf weißen Tischdeckchen, und die Schottin Andrea backt im "Thai Yai" frische Vollkornbrötchen zum Hilltribe-Kaffee. "Bitte respektiert und achtet die einheimische Bevölkerung" fordert sie die Gäste in ihrer englischsprachigen Menükarte auf. "Helft mit, dass Pai sich nicht zu sehr verändert!" Schon geschehen.



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