Notiz aus Neuseeland Aden und die sprechenden Schnörkel

Antje Blinda

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"Ich bin ein Fast Carver, ein Schnellschnitzer", sagt Aden Hoglund und grinst mich an. Bis zu zehn Schmuckstücke am Tag schafft er. Mit rasant flotten Kratzern zeichnet er die Umrisse meines künftigen Anhängers auf die dicke grüne Jadeplatte. Später wird er sie nachsägen, die geschwungenen Formen herausschleifen und polieren.

Eine Seite wird heller geflammt sein - die fast weiße Färbung ist typisch für die neuseeländische Jade, bei den Maori pounamu genannt. Das Motiv meines Schmucks: eine Kombination aus Koru und Manaia - aus Spirale und Vogelfischmenschen. Ihre Bedeutung soll so was sein wie Neuanfang und Einheit von Körper und Geist, erklärt Aden mir. Und wenn dieses Stück Stein tatsächlich Wirkung auf mich haben sollte - dann bitte diese Kombi.

Bei den Maori ist pounamu hochgeschätzt. Waffen und Schmuckstücke aus Jade sollen die mana, die spirituelle Kraft des Trägers, aufnehmen und über die Generationen hinweg weitergeben, was vererbte Stücke besonders wertvoll macht. Viele Neuseeländer tragen recht massive, sehr große Steine, die Hunderte Dollar wert sind.

Der stämmige Aden Hoglund ist zwar zum Teil Maori (und zum Teil schwedisch), hat aber ansonsten mit der Tradition nicht viel am Hut. Zeremonien im Marae, im Versammlungshaus, feiern? Der 45-jährige Jadeschnitzer guckt mich skeptisch an und lacht: Dafür müsste er ja zum Stamm seiner Mutter fahren, und das wäre auf der Nordinsel, weit weg von Hokitika an der Westküste der Südinsel.

Und warum produziert er, frage ich, ihn vor allem die einfachen, traditionellen Formen wie Fischhaken und Spiralen? Und das, obwohl er Hunderte eigene Designs entwickelt hat, die sogar das Nationalmuseum von Wellington anpreist, und trotz seiner Leidenschaft für Skulpturen? Der Markt will es, sagt er. Die Tausenden Touristen, die mit etwas typisch Neuseeländischem um den Hals nach Hause fahren wollen.

Geschenk für Barack Obama

So wie ich. Schon vor 15 Jahren habe ich in einem Neuseeland-Urlaub einen Hei-Matau, einen Angelhaken, aus Jade bei einem Schnitzer in Christchurch gekauft. Auf dem Markt vor dem Arts Centre, das seit dem Erdbeben vor drei Jahren geschlossen ist. Jahrelang habe ich das Schmuckstück kaum mehr abgelegt - es weckte immer wieder die Sehnsucht nach dem Land am anderen Ende der Erde.

"Das Schwierigste ist, Jade in guter Qualität zu bekommen", sagt Aden, "man muss gute Beziehungen haben." Gute Beziehungen zum lokalen Maori-Stamm Ngai Tahu. Seit 1997 gelten strenge Regeln zum Schutz der Jade. "Am besten ist, einer vom Stamm kommt vorbei und bietet mir Steine zum Kauf an", sagt Aden. Eigentlich aber würde er viel lieber selber wieder per Helikopter in die schroffe Bergwelt fliegen und in Flüssen nach den grün-weißen Brocken suchen, die es vor allem hier an der Westcoast gibt.

Als Aden vor drei Jahren eine besonders wertvolle Variation von pounamu angeboten bekam, griff er zu. Und formte daraus einen rund 30 Zentimeter langen, schweren mere wahaika, einen Schläger mit Fischmund. Stärke und Hingabe soll er symbolisieren und helfen, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern.

Heute ist er im Besitz von Barack Obama. Der neuseeländische Premierminister John Key überreichtedem US-Präsidenten die Waffe als Gastgeschenk in Washington. "Cool", findet das Aden.


Jagosi Jade, 246 Sewell Street, Hokitika, Neuseeland



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1 Leserkommentar
Bolligru 23.01.2014

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