Öko-Urlaub in Kalifornien Mit Solarenergie nach Alcatraz

Plastiktüten-Verbot, Mülltrennung und Autos mit Hybridantrieb: Kaum eine US-Stadt entwickelt sich so konsequent zur Öko-Hochburg wie San Francisco. Sogar das Baseball-Stadion nutzt Solarenergie - und Bio-Restaurants sind Publikumsmagneten.

TMN

San Francisco - Hier lockte das Gold, schossen die Westernhelden, liebten die Hippies - etwas Besonderes hatte Kalifornien immer schon. Derzeit wandelt sich das sonnige Land im Westen der USA zum Öko-Zentrum der Vereinigten Staaten, mit San Francisco an der Spitze.

Was im Land der Wegwerfplastikbecher und Burger-Pappschachteln auch ziemlich besonders ist. Nach Anfängen einzelner engagierter Gruppen haben auch Hotels und die Gastronomie das Thema für sich entdeckt. Urlauber in Kalifornien können inzwischen aus einer stattlichen Zahl umweltfreundlicher Hotels und "grüner" Restaurants auswählen.

Viele Einwohner von San Francisco und Umgebung trennen Müll, installieren Sonnendächer, gehen mit Stofftaschen einkaufen und fahren Autos mit Hybridantrieb. Umweltbewusstsein habe hier Tradition, sagt Mark Westlund vom Umweltschutzamt der Stadt: "Die ersten Öko-Programme sind aus dem Jahr 1932." Inzwischen sortieren alle rund 900.000 Bürger der Stadt ihren Müll in blaue, grüne und schwarze Säcke. Allein an organischem Abfall kommen so jeden Tag 450 Tonnen zusammen. "72 Prozent des Mülls werden recycelt. Und wir hoffen, bald auf 90 Prozent zu kommen."

Während Umweltbewusstsein in Europa oft eher verbissen herüberkommt, leben Amerikaner es mit lässiger Eleganz. Das beginnt schon mit den Shuttle-Limousinen am Flughafen von San Francisco. Die schwarzen Wagen des Fuhrunternehmers Gary Bauer zum Beispiel haben Hybridantrieb oder fahren mit Propangas, Erdgas und Biodiesel.

Bauer besitzt eine der größten alternativen Fahrzeugflotten in den USA. Die Öko-Restaurants der Stadt liegen im Trend, deren Chefköche sind Stars und die alternativen Hotels der Stadt etwas für Design-Liebhaber.

Bikesharing und Bio-Busse

An der Spitze der Umweltbewussten kämpft Bürgermeister Gavin Newsom. Der Demokrat will San Francisco "so schnell wie möglich so grün wie möglich" machen. Er plant, den Energieverbrauch der Stadt weiter zu senken und setzt auf Solarzellen, Energie aus Wasserkraft und Carsharing. Die 500 Busse der Stadt fahren mit Biodiesel oder Hybridantrieb, Taxen mit umweltfreundlichem Antrieb werden bezuschusst.

Seit zwei Jahren dürfen die großen Ladenketten keine Plastiktüren mehr herausgeben. Bislang beschwerte sich darüber nur ein Einwohner, "und dem war die Papiertüte gerade in einem Platzregen aufgeweicht". Und als Newsom in Paris Unterstände für "Bikesharing" sah, verkündete er: "Das will ich zu Hause auch" - und beschloss auch gleich eine Verdoppelung der Fahrradwege von San Francisco.

Fahrradfahren bleibt in einer Stadt mit so vielen steilen Hügeln trotzdem eine beschwerliche Art des Fortkommens. Wer sich als Tourist für das Rad entscheidet, bucht beim Verleih am besten einen Guide mit. Mit seiner Hilfe schaffen es auch Freizeitfahrer, heil den berühmten Russian Hill hinunterzurollen und unfallfrei durch die zahlreichen Touristen an der Fishermans Wharf zu kurven. Und es gelingt, den am wenigsten steilen Weg durch den Golden Gate Park zu finden hin zum ultimativem Radlererlebnis - trotz der konkurrierenden Jogger und Spaziergänger: einer Fahrt über die berühmte Golden Gate Bridge.

Den Titel der "grünsten Stadt der USA" hat zum Leidwesen von Gavin Newsom aber nicht San Francisco, sondern Portland in Oregon. Die Hauspreise und die Erdbebengefahr verweisen die Stadt an der Bay auf Platz zwei - immerhin. Davon sollen auch die Touristen etwas merken: Die Stadt will "ein internationales Ziel für grünen Tourismus werden".

Viele Hoteliers halten das für eine gute Idee und bauen und renovieren ihre Häuser verstärkt "grün". Wobei sie nichts vom muffigen Öko-Charme mancher alternativer Hotels in Europa haben.



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