Ökomobil in Indien Mit Heilige-Kuh-Hupe durchs Getümmel

Indiens Verkehrschaos überfordert auch das Solartaxi. Louis Palmer nimmt bei seiner Fahrt einen halben Marktstand mit, wird von heiligen Kühen ausgebremst und bleibt in einem Graben mit Kloake glatt stecken. Danach darf er den diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises treffen.


Seit unserem Unfall mit einem Honda-Fahrer sind nun 24 Stunden vergangen - und das Meeting mit dem Maharadscha von Jaipur holen wir nach. Ich fahre jetzt vorsichtiger.

Willkommen im Jaipur City Palace! Wir durchfahren ein majestätisches Tor mit zwei salutierenden Elefanten aus Marmor, und schon springen die Wächter mit ihren langen, weißen Kleidern und roten Turbanen kreuz und quer in alle Richtungen, um uns einen Standplatz zuzuteilen - inmitten von Touristenscharen, vor der Türe des Maharadscha. Der "König", wie er in Jaipur immer noch genannt wird, lässt sich aber nur für ein paar wenige Minuten blicken, dann ist er wieder hinter seidenen Vorhängen verschwunden.

Heute scheint das Manövrieren des Solartaxi etwas Mühe zu bereiten. Um aus dem Palast wieder hinauszukommen, muss ich durch einen belebten Markt fahren, ein Alptraum. Ein paar Affen auf einem Hausdach kichern nicht zu unrecht, als ich die Kurve nicht ganz erwische und ein paar Kartoffeln eines Händlers überfahre. Mit zehn Rupies ist der Schaden schnell beglichen, doch dann versperren mir zwei heilige Kühe den Weg.

Ich hatte deshalb schon vorsorglich in der Schweiz eine Hupe mit schrillem Pfeifton eingebaut, die speziell die heiligen Kühe vertreiben soll. Doch hier merke ich – Fehlkonstruktion! Mit meiner Hupe lässt sich keine Kuh erschrecken. Dafür klammern sich die Bettler und Kinder umso mehr an mein Fenster, und Indien hat uns fest im Würgegriff. Oh Gott, was tun wir hier eigentlich?

Pflotsch - ab in die Kloake

Auf der Hauptstraße zum Amber Fort trotten uns die ersten Elefanten entgegen. Beim Fort stehen davon morgens 125 Stück im Einsatz, um müde Touristen den steilen Kopfsteinpflasterweg hinauf zum gigantischen Fort zu tragen. Doch am Nachmittag finden wir sie nur in ihrem Elefantenhaus, und so folgen wir einem Motorradfahrer. Doch auch hier, die letzte Kurve hole ich zu weit aus, und … pflotsch! Das Vorderrad versinkt in einer stinkenden Kloake. Nur mit Mühe und Not holen wir das Solartaxi aus dieser misslichen Lage, und wären nicht ein paar Dorfbewohner aufgetaucht, so hätte wohl nur noch ein Elefant das Solartaxi aus dem Graben geholt.

In Delhi feiern wir 11.777 Kilometer und genau vier Monate Solartaxi-Weltreise. Ein Viertel der Weltumrundung ist geschafft. Wie ich mich fühle? Oft müde. Wenig Schlaf. Neige zu Vergesslichkeit. Und bin seit dem Unfall auch wieder angespannt. Doch die Erlebnisse treiben an. Und das Auto rollt und rollt. Das gibt Zuversicht.

Zu unserem Vier-Monats-Jubiläum erscheint auch die Schweizer Bundespräsidentin, Frau Michéline Calmi-Rey. Sie fährt eine Runde mit, das Lenkrad überlässt sie zur Sicherheit mir. Dann folgt ein Treffen mit Rajendra Pachauri. Auch er will nicht fahren, er muss gleich weiter. Der Vorsitzende des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat ja viel zu tun. Begeistert erzählt er, am 10. Dezember fliege er nach Oslo. Um den Friedensnobelpreis für das IPCC in Empfang zu nehmen. Das Solartaxi findet er eine "extremly heartening development".



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