Ökoresort in Thailand Geckos statt Insektenspray

Wenn der Tsunami in Südostasien überhaupt etwas Gutes zur Folge hatte, dann die Besinnung auf einen respektvolleren Umgang mit der Natur. Das Golden Buddha Beach Resort auf der thailändischen Insel Ko Phra Thong setzt auf ein Miteinander von Mensch und Mutter Erde.

Von Martin Cyris


Die Dunkelheit setzt überfallartig ein, ohne Umschweife. Tropennächte können verdammt finster sein. Doch die energische Dunkelheit in Thailand hat auch etwas Positives, denn umso zeitiger können die Lichtspiele der Glühwürmchen bewundert werden. Die beliebten Insekten haben freilich voll zu tun, dem menschlichen Auge als alternative Lichtquelle in den warmen Nächten der Andamanensee zu dienen. Ohne wirklichen Erfolg.

Äußerst effektiv sind die dagegen die Geckos an den Wänden und Zimmerdecken des Golden Buddha Beach Resorts - als umweltfreundliche Insektenvernichter. Die flinken Echsen arbeiten natürlich nicht auf Einladung des Öko-Resorts auf Ko Phra Thong, sondern schnappen aus eigenem Antrieb nach Mücken und anderen Plagegeistern. Moskitonetze über den Betten halten von den Urlauberkörpern fern, was nicht von den Geckos vernascht wird.

"Sie nehmen uns eine ganze Menge Arbeit ab", sagt Richard Rhodes, der englische Geschäftsführer der Holzhaussiedlung am Strand des Golden Buddha Beach. "Durch ihren Hunger sparen wir uns das Insektenspray." Doch selbst wenn die Kriechtiere keinen Appetit auf Mücken hätten, käme es in der paradiesisch gelegenen Urlaubsanlage niemandem in den Sinn, die Natur mit unnötiger Chemie zu belasten. Das Ausmerzen von Moskitobrutstätten mit Insektiziden und anderen umweltschädlichen Mitteln, wie es in vielen Hotelanlagen gang und gäbe ist, ist hier jedenfalls tabu.

Paradies vor der Haustür

Das Golden Buddha Beach Resort fühlt sich dem nachhaltigen Umgang mit Mutter Erde und ihren Ressourcen verpflichtet. Alles andere wäre vor der Traumkulisse des zauberhaften Golden Buddha Beach auch ein besonderer Frevel. Das fängt beim Vermeiden von Kleinpackungen beim Frühstücksbüfett an, geht übers Kompostieren von Küchenabfällen und hört beim freiwilligen Reinigen des Strands auf. Keine Selbstverständlichkeit in Thailand, wo an vielen Orten ein allzu sorgloser Umgang mit menschlichen Hinterlassenschaften nicht zu übersehen ist. "Schau dir den Strand an", sagt Rhodes, und deutet auf die Idylle vor seiner Haustür, "wer hier keinen Respekt vor der Schönheit der Natur hat, der muss verrückt sein." Die Sonne färbt das Meer türkisblau, der Sand leuchtet golden, Palmen wiegen sanft im Wind, in den Bäumen zwitschern und krächzen seltene Vögel, darunter solch rare Spezies wie Nashornvögel.

Damit Mensch und Tourismus in dieser Idylle keine ungebührliche Belastung darstellen, dafür will Rhodes mit seinen Mitarbeitern sorgen. Es werden nur alternative Stromquellen angezapft, etwa Sonnenkollektoren und Windkrafträder. Saft aus der Steckdose gibt es nur von 6 Uhr bis 23 Uhr. Damit kein Urlauber im warmen Klima auf die Idee kommt, heiß zu duschen – die Macht der Gewohnheit –, kommt höchstens handwarmes Wasser aus der Dusche. In der Tropenhitze tut die erzwungene Erfrischung ohnehin gut. "Unsere Gäste müssen sich nicht besonders überwinden, lauwarm zu duschen", sagt Rhodes, "viele bestehen sogar darauf." Und sie bestehen auf die Abstinenz von Fernsehern. Die Umwelt auf Ko Phra Thong soll nach dem Willen der Öko-Touristen offensichtlich auch von geistigem Unrat verschont bleiben.

Einer leidet jedoch unter dem Fehlen einer Mattscheibe: Lawrence, einer der wenigen ausländischen Angestellten des Hotels – den Hauptteil des Personals stellen Bewohner von Ko Phra Thong – vermisst hin und wieder den Kontakt zur Außenwelt auf der abgeschiedenen Anlage.

Der junge Engländer ist Exkursionsführer des Golden Buddha Beach Resort. Auf dem Programm stehen Kajakfahrten in Mangrovenwälder, Vogelobservationen, Nachtexkursionen zu seltenen Säugetieren, Schnorcheln in einem nahen Riff sowie Tauchgänge auf der etwa 50 Kilometer entfernten Insel Ko Surin. Außerdem Yoga-Kurse am Strand. "Ich bin den ganzen Tag über mitten im Paradies", grinst Lawrence, "zum Ausgleich würde ich mir manchmal etwas seichte Unterhaltung wünschen. Aber nur manchmal."

Suche nach dem Goldenen Buddha

Weltliche Zerstreuung gibt es auf der Insel so gut wie keine. An den Wochenenden sind hie und da Einheimische zu beobachten, die mit Schaufeln im Strand graben. Des Rätsels Lösung: Vor Jahrhunderten soll ein Seeräuber auf der Insel seine Beute vergraben haben. Darunter befand sich der Legende nach ein goldener Buddha. Ko Phra Thong bedeutet übersetzt nichts anderes als "Insel des goldenen Buddha". Die Schatzgräber hoffen nun auf den lukrativen Fund. Bislang erfolglos.

Ein Highlight für Naturfreaks sind Ausflüge auf Ko Ra, einer Nachbarinsel von Ko Phra Thong. Obwohl beide Eilande nur eine kleine Meerenge trennt, ist die Tierwelt auf Ko Ra noch eine Spur reicher als auf Ko Phra Thong. Scheue Gibbons, bunte Landkrabben, harmlose Riesenspinnen, majestätische Seeadler, farbenprächtige Schmetterlinge, arg in die Länge gewachsende Warane sowie dickleibige Pythons geben sich in dem Naturreservat ein Stelldichein. Auf beiden Inseln sind außerdem von Januar bis Mai verschiedene Schildkrötenarten bei der Eiablage zu beobachten. Darunter die Lederschildkröte. Mit einer Länge von bis zu 2,50 Meter ist sie die größte Meeresschildkröte weltweit.

Der vernichtende Tsunami von 2004 hat Ko Ra zwar auch getroffen, aber dank einiger Hügel nicht ganz so sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ko Phra Thong wurde dagegen von einer zwei Meter hohen Flutwelle erfasst. Das Golden Buddha Beach Resort wurde dabei zur Hälfte zerstört. Im Dezember vergangenen Jahres wurde es mitsamt einem neuen Verwaltungsgebäude wiedereröffnet, als eines von ganz wenigen Anlagen auf der Insel. Der Tourismus auf Ko Phra Thong ist noch äußerst zurückhaltend. Besucher dürfen sich dadurch an manchen Stellen des Eilands wie Entdecker fühlen.

Natürlich wurden beim Wiederaufbau ausschließlich ökologisch verträgliche Baumaterialien verwendet. "Wir Menschen waren zwar nicht schuld am Tsunami", sagt Rhodes, "aber ich finde, wir sollten nicht noch zusätzlich für Belastungen sorgen." Die Spuren des Unglücks sind beinahe vollständig verwischt. Hie und da erinnert eine umgekippte Palme am Strand an die Jahrhundertkatastrophe.

Auch umweltbewusste Touristen verlangen Mindestkulisse

Weitaus gegenwärtiger sind die Spuren eines Waldbrands, der auf Ko Phra Thong kurze Zeit nach dem Tsunami wütete. Verkohlte Baumstämme auf der halbstündigen Fahrt vom Hafen in das abgeschiedene Urlaubsdomizil zeugen von der Katastrophe nach der Katastrophe. Doch die Natur hat sich ihr Terrain hartnäckig zurückerobert. Mit gewisser Starthilfe von menschlicher Hand: Rhodes und seine Mannschaft halfen unentgeltlich und ehrenamtlich bei der Wiederaufforstung.

Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn auch umweltbewusste Touristen verlangen nach einer Mindestkulisse, die an Strand und Ferien erinnert. Verbrannte Baumstümpfe und Müllhalden vertragen sich nicht mit der verklärten Phantasie von der schönsten Zeit des Jahres. Cecil aus den Niederlanden stöberte im Internet nach Öko-Resorts in Südostasien und landete schließlich mit ihrem Mann auf Ko Phra Thong. "Den Ausschlag gab, dass die Betreiber ganz bewusst die einheimische Bevölkerung in ihr Projekt einbinden", sagt Cecil, "das hat uns überzeugt." Durch Anlagen wie das Golden Buddha Beach Resort würde die Umweltbelastung auf einem vertretbaren Level gehalten, gleichzeitig würden die Menschen vom Tourismus profitieren.

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