Oregon Immergrüne Idylle am Pazifik

Eine atmosphärische Mischung aus Schweden, Schottland und der Schweiz plus Dünen und Pazifikküste - das ist Oregon, ein Bundesstaat im Nordwesten der USA. Das ebenso milde wie feuchte Klima verleiht der Landschaft ein geradezu unheimliches, tiefes Grün.


Die Küste Oregons: Ein guter Ausgangspunkt für Walbeobachtungstouren sowie eine Sehenswürdigkeit an sich
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Die Küste Oregons: Ein guter Ausgangspunkt für Walbeobachtungstouren sowie eine Sehenswürdigkeit an sich

Portland - Das Staunen beginnt in Oregon schon bei den Grünstreifen der Highways. Gras leuchtet hier im Nordwesten der USA so durchdringend, dass schnell antiamerikanische Verschwörungstheorien aufkommen: Ist es US-Labors durch irgendwelche chemischen Tricks gelungen, Gras zum Fluoreszieren zu bringen?

Doch Argwohn ist unangebracht. Die Vitalität des Grases, von der auch der volle Geschmack der heimischen Milch zeugt, hat eine ganz natürliche Ursache: das ebenso milde wie feuchte Klima an der Pazifikküste. Selbst Bäume, die im Winter ihre Blätter verlieren, tragen zum immergrünen Gesamteindruck des Bundesstaates bei. Ihnen lässt der Regen Zotteln aus Moos wachsen.

Angelockt vom fruchtbaren Land, aber auch von Berichten über sagenhafte Goldfunde, kamen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts scharenweise Einwanderer über den so genannten Oregon Trail in den Nordwesten, darunter viele Deutsche. Noch heute stößt man allerorten auf Einheimische mit vertraut klingenden Namen, die sich über Smalltalk mit den entfernten Verwandten aus Übersee freuen.

Deutsche wie andere Mittel- und Nordeuropäer müssen in Oregon rasch Heimatgefühle entwickelt haben - und das nicht nur wegen des häufigen Regens. Die Landschaft zwischen der Küste und der Cascades-Bergkette trifft mit ihrem Wechsel aus sanft geschwungenen Wiesen und Wäldern, Bächen, Flüssen und Seen ungefähr die atmosphärische Mitte

Das Nummernschild Oregons zeigt einen Baum: Der waldreiche Bundesstaat schloss sich 1859 den USA an
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Das Nummernschild Oregons zeigt einen Baum: Der waldreiche Bundesstaat schloss sich 1859 den USA an

von Schweden, Schottland und der Schweiz.

In einem Punkt unterscheiden sich die Verhältnisse allerdings grundlegend: Auf der Fläche der alten Bundesrepublik leben in Oregon gerade etwas über drei Millionen Einwohner. Während sich in Deutschland kaum noch Panoramen ohne Strommast oder Windrad erhalten haben, begegnet einem die Natur in Oregon weithin ohne Anzeichen menschlicher Eingriffe.

Besucher erfreuen sich darüber hinaus an einigen dramatischen Zuspitzungen: So liegen nur etwa 200 Kilometer zwischen der Pazifikküste mit ihren zum Teil bizarren Felsformationen und dem 3427 Meter hohen Mount Hood, der sogar im Sommer Skifahrer anlockt.

Eine ähnlich aufragende Spitze muss vor etwa 7700 Jahren den Mount Mazama im Süden Oregons geziert haben. Dann wurde sie ihm bei einem gewaltigen Vulkanausbruch abgerissen. Der Krater ist heute mit Wasser gefüllt, das im blauen Spektrum über ähnliche Leuchtkraft verfügt wie das heimische Gras. Der 600 Meter tiefe Crater Lake gibt dem umgebenden Nationalpark seinen Namen, dem einzigen Oregons.

Am Scenic Highway nahe Portland: Der eigentliche Erlebnis in Oregon ist der Reichtum der Landschaft
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Am Scenic Highway nahe Portland: Der eigentliche Erlebnis in Oregon ist der Reichtum der Landschaft

Einen grenzübergreifenden Superlativ haben die Fremdenverkehrsvertreter für den Multnomah-Wasserfall am Historic Columbia River Highway gesucht - und auch fast gefunden. Mit einer Spanne von 190 Metern soll es sich um den zweithöchsten "year-round waterfall" der USA handeln. Der Titel als meistbesuchte Touristenattraktion in Oregon ist dagegen von Einschränkungen frei.

Als Fun-Park wird eine andere natürliche Sehenswürdigkeit des Bundesstaates genutzt: die Oregon Dunes. Mit Todesverachtung rasen Motorrad- und Buggyfahrer - oft auch mit touristischer Fracht - die Sandberge herauf und herunter. Hier scheint die Spaß orientierte Technikbegeisterung schließlich doch über die Liebe zur Natur zu obsiegen.

Auch hinsichtlich der Fauna hat Oregon je nach Saison Spektakuläres zu bieten. Auf ihrem Weg von Mexiko in die Bering-See und zurück machen vor der Küste im Frühjahr und Winter Wale Station. Zahlreiche Beobachtungsboote mit Touristen heften sich auf ihre flüchtigen Spuren. Verlässlicher sind die Seelöwen des Sea Lion Caves, der angeblich weltgrößten Meereshöhle, am Highway 101 oberhalb des Städtchens Florence gelegen. Bis zu 250 Tiere leben dort.

Das eigentliche Erlebnis in Oregon bleibt der Reichtum der Landschaft. Neidgefühle können im "Youngberg Hill"-Gasthaus auf halber Strecke zwischen Portland und Lincoln City aufkommen, das über einen überwältigen Panoramablick fern jedes Nachbarn verfügt - eine perfekte Idylle, die vom Gesang fremdländischer Vögel untermalt wird. Der noch junge Inhaber hatte nach zehn Jahren in einer Computerfirma seine Schäfchen im Trockenen und kann sich nun nebenher seinem Hobby Weinbau widmen. So wie er halten es viele Vermögende in Oregon.

Im Nordwesten der Vereinigten Staaten: Oregon ist auch ein beliebtes Weinbaugebiet
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Im Nordwesten der Vereinigten Staaten: Oregon ist auch ein beliebtes Weinbaugebiet

Auch der ehemalige Vizepräsident von Sun Microsystems steckt seine technischen Kenntnisse nun in die Entwicklung einer eigenen Weinpresse. Wein wird auf dem teils sandigen, teils vulkanischen Boden Oregons erst seit etwa vier Jahrzehnten kultiviert - mit stetig wachsendem Erfolg, vor allem seit man eingesehen hat, dass der Markt für Chardonnay den Kaliforniern nicht streitig zu machen ist. Stattdessen setzen die Winzer Oregons auf Pinot Noir und Pinot Gris.

In Portland, der einzigen Metropole Oregons, ist man Genüssen ebenfalls nicht abgeneigt, wobei unter den Getränken hier Bier hoch im Kurs steht. Es wird in knapp 30 Kleinbrauereien produziert und hält für deutsche Zungen, an Reinheitsgebote gewöhnt, manche dunkle Überraschung bereit.

So wie in der Landschaft Oregons herrscht auch im Stadtbild Portlands europäisches Maß: Die Skyline verdient diesen Namen nur bei tief hängenden Wolken, die Häuserblocks sind mit bis zu rund 70 Metern nur halb so hoch wie in anderen amerikanischen Großstädten. Zudem wird das Häusermeer immer wieder von Grün durchbrochen: vom International Rose Test Garden mit seinen 9000 Rosenbüschen über einen Japanischen Garten bis hin zum Forest Park, einem urbanen Urwald.

Von Tobias Wiethoff, gms



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