Osterbräuche Blut-Eier und Peitschenhiebe

Sie ziehen ihre Kinder an den Köpfen hoch, bespritzen sich mit Wasser und nageln sich an Holzkreuze: Menschen auf aller Welt gedenken mit ganz speziellen Bräuchen der Auferstehung Jesu. Manche Rituale sind lebensgefährlich.

Am Osterfeuer die Hände wärmen, Eier bemalen und verstecken - die hiesigen Bräuche zum Osterfest erscheinen geradezu langweilig gegen das, was auf dem Rest der Welt zum höchsten Christenfest veranstaltet wird. SPIEGEL ONLINE zeigt die skurrilsten Osterbräuche der Welt.

Bulgarien: Kampf der harten Eier

Eier färben gehört zu vielen Traditionen in christlich geprägten Ländern. Das Ei, weltweit als Symbol für das Leben zu Ostern im Spezialeinsatz, wird im christlich-orthodoxen Bulgarien an jedem Gründonnerstag zunächst rot gefärbt. Die Farbe soll an das Blut Christi erinnern - der Legende nach lag ein Ei neben dem Kreuz Jesu Christi, und Blut tropfte darauf.

Mit dem Ei werden die Wangen der Kinder berührt, um ihnen Gesundheit zu bringen. Am Ostersonntag stoßen die Bulgaren außerdem die Eier gegeneinander. Der Besitzer des Eis, das dabei unbeschädigt bleibt, wird nach alter Überlieferung über das ganze Jahr kerngesund sein.

Philippinen: Kreuzigung mit Tetanus-Schutz

Auf den Philippinen fassen die Eltern ihre kleinen Kinder am Ostermorgen beim Kopf und heben sie hoch. Sie glauben, dass sie dadurch größer werden. Wissenschaftlich ist diese These natürlich nicht belegt.

Auch sonst sind die Philippiner schmerzbefreit, wenn es um die Osterzeremonien geht: Alljährlich lassen sich Männer an Holzkreuze nageln, um das Leiden Jesu nachzuempfinden. Im Dorf Cutud rund 75 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila tragen mehrere junge Männer morgens zunächst ein Holzkreuz auf einen Hügel und lassen sich anschließend mit fünf Zentimeter langen Nägeln an Händen und Füßen darauf festnageln. Immer wieder gibt es ernsthafte Verletzungen - die Gesundheitsbehörden fordern die Gläubigen auf, zumindest die Nägel zu sterilisieren und auf einen ausreichenden Tetanusschutz zu achten.

Spanien: Büßer an Ketten und tanzende Skelette

Mit ihren spitzen Mützen mit kleinen Schlitzen auf Augenhöhe erinnern sie an die Mitglieder des Ku-Klux-Clans: Prozessionen aus frommen Bruderschaften in Büßergewändern haben in Spanien eine jahrhundertelange Tradition. Die Festzüge hatten im Mittelalter den Zweck, den Leidensweg Jesu Christi durch Theateraufführungen publik zu machen - schließlich konnten nur wenige Menschen lesen. Mit der Zeit sind Statuen angefertigt worden, die mit Blut und Tränen menschliche Züge des Leidens darstellten. Manche Teilnehmer tragen bei der Prozession eiserne Ketten und fügen sich damit tiefe Wunden zu.

Die Gewänder dienten der Anonymität der Gläubigen: Niemand sollte wissen, wer gerade für welche Vergehen um Vergebung bittet. In Spanien finden in der Karwoche Hunderte solcher Prozessionen statt, aber auch Passionsspiele und Festivals. In Verges (Gerona) geht es besonders makaber zur Sache: Dort tanzen Männer als Skelette verkleidet.

Ungarn: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

Eine ungarische Eigenart zu Ostern ist das "Begießen" der Frauen und Mädchen am Ostermontag, ungarisch "locsolás". Hintergrund dieses Rituals ist ein vorchristlicher Fruchtbarkeitsbrauch.

Die Männer besuchen die Frauen aus der Familie und aus dem Freundeskreis und besprengen sie mit Parfum. Dafür werden sie mit Ostereiern, Kuchen und Alkohol bewirtet. Weil Letzteres oft im Übermaß verabreicht wird, muss die Polizei an diesem Tag Sonderschichten schieben: Betrunkene Autofahrer trifft man am Ostermontagabend häufig.

USA: "Eier rollen" bei Mister President

In den USA geht es zu Ostern recht bunt zur Sache: In vielen Städten gibt es Paraden mit Musik und Kostümen. Die größte "Easter Parade" gibt es in New York mit Kapellen, kostümierten Osterhasen und bunten Osterhüten. Im weißen Haus dürfen Kinder Eier suchen und mit dem Präsidenten "Eier rollen". Hart gekochte Eier werden dabei mit einem Stock vorangetrieben. Für die Kinder gibt es ein Holzei mit der Unterschrift des Präsidenten und der First Lady. Der Karfreitag, der in vielen Ländern als Tag der Trauer begangen wird, ist in den USA ein ganz normaler Arbeitstag.

El Salvador: Peitschenhiebe vom Teufel

Als Teufel verkleidete Männer treiben in Texistepeque in El Salvador ihr Unwesen. Mit Peitschen schlagen rot gekleidete Menschen auf junge Männer ein. Dieses Ritual der "Talciguines"-Feierlichkeiten soll den Kampf zwischen dem Teufel und Jesus darstellen. Weiteres Ritual: Ein als Jesus verkleideter Mann läuft über eine Reihe von nebeneinander liegenden, verkleideten Teufeln.

Australien: Land der Osterhasenhasser

In Australien ist der Osterhase äußerst unbeliebt: Nach australischer Überzeugung haben die Kaninchen den Lebensraum der Bilbies eingenommen, einem Beuteltier mit haarlosen, langen Ohren und einer spitzen Nase. Nur wenige hundert Exemplare leben noch in Australien. Das Bilby ist zu Ostern zum Verzehr freigegeben - selbstverständlich nur als Schokoladen-Exemplar.

Griechenland: Lamm-Darm auf dem Teller

In Griechenland ist Ostern eine einzige Party: Doch bevor der Festschmaus am Ostersonntag aufgetischt wird, haben Gläubige in der Karwoche viele Stunden auf Kirchenbänken verbracht. Täglich wird gebetet - mit fast vier Stunden Dauer zelebrieren die orthodoxen Christen am Karfreitag die längste Messe. An diesem Tag wird auf alles verzichtet, was mit Genuss und Vergnügen zu tun hat. Am Samstagabend folgt die Erlösung: "Christus ist auferstanden" ruft der Priester, "Er ist wahrhaftig auferstanden", antworten die Gläubigen. Ein Feuerwerk läutet die Feiern ein, zu denen jeder Fremde, der vorbeikommt, eingeladen wird.

Der Festtagsbraten auf griechischen Ostertellern hat es allerdings in sich: Neben Lammfleisch-Spießen wird gern "Kokoretsi" gereicht - ein Gericht, das aus Innereien und dem Darm von Lämmern besteht.

Wer gern dabei sein möchte, der kann sich Zeit lassen: Die Griechen feiern das Osterfest in diesem Jahr erst am 27. April (Ostersonntag).

reh

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