Geschenktipps für Weihnachten Die besten Outdoor-Bücher

Hoch hinaus und ab ins Eis: Wer sich auf dem Sofa ins Abenteuer lesen will, sollte einen Kletter-Bildband, einen Arktis-Segelbericht und einen Everest-Roman auf die Wunschliste setzen. Geschenketipps für die letzte Minute.

Ralf Gantzhorn

Von und


Für Arktis-Süchtige

Mit Roald Amundsen hat es Tina Uebel nicht so. Zumindest, was dessen Aufzeichnungen angeht. "Seine Reiseberichte versprühen den Esprit einer Gezeitentabelle", es gebe "Spiegeleirezepte, die sich mitreißender lesen als seine Schilderung eines beinahe fatalen Brandes an Bord", schreibt die bekennende Polarreise-Süchtige in ihrem Buch "Nordwestpassage für dreizehn Arglose und einen Joghurt".

Zwei Monate lang schipperte Schriftstellerin Uebel ("Last Exit Volksdorf") als Passagierin des 20 Meter langen Segelboots "Santa Maria Australis" durch die Arktis. Sie durchquerte die Nordwestpassage von Grönland bis Alaska, eine Route, die über Jahrhunderte Schauplatz tödlicher Dramen und irrwitziger Abenteuer war. Dem Norweger Amundsen gelang es, sie zwischen 1903 und 1907 als Erster zu durchsegeln. Sein Schiff, die "Gjøa", hatte etwa die gleichen Maße wie die "Santa Maria Australis".

Auch heute ist das noch ein zeitweise sehr einsames Unterfangen. Doch Uebel macht keinen Hehl daraus, dass ein Segeltörn im 21. Jahrhundert mit GPS-Navigation und Hightech-Klamotten nicht in der Abenteuer-Liga der alten Expeditionshaudegen spielt, deren Arktisberichte sie so gern zitiert. Die Tatsache, dass Pioniertaten wie die von Amundsen nicht mehr möglich sind, kompensiert sie, was bleibt ihr auch übrig, mit einem 400-seitigen "Ätsch, dafür kann ich besser schreiben".

Leider ist der Titel ein wenig zu gaga, um dieses Buch zügiger als das zu erkennen, was es ist: eine gelungene Erzählung, die in Sachen Lesevergnügen nicht nur Spiegeleirezepte, Gezeitentabellen und Amundsen schlägt, sondern auch die meisten anderen Reiseberichte der vergangenen Jahre.

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Tina Uebel, "Nordwestpassage für dreizehn Arglose und einen Joghurt". Verlag C.H. Beck, 19,95 Euro. Als E-Book 15,99 Euro.

Für Alpen-Träumer

In seelische Konflikte stürzen Ralf Gantzhorn und Christoph Willumeit den Leser mit "Dolomiten". Denn für den Tagesrucksack ist der Kletterbildband entschieden zu schwer, doch gleichzeitig würde man am liebsten die topografischen Karten und Toureninfos rausreißen und mitnehmen.

Dann wäre aber das schöne doppelseitige Foto auf der Rückseite kaputt, was bei knapp 50 Euro für 50 Tourenbeschreibungen und hervorragender Bildqualität nicht wünschenswert ist. Die Schwierigkeitsgrade variieren von "anfängertauglich" bis "für Expeditionsprofis". Klassiker wie die Überschreitung der Fünffingerspitze oder die Südkante der Kleinen Zinne sind dabei, aber auch einige persönliche Lieblinge der Autoren, die seit Jahrzehnten regelmäßig in den Dolomiten unterwegs sind.

Warum sie dieses Buch gemacht haben, wo es doch schon so viele Dolomiten-Bildbände gibt? Zum einen ging es darum, die Schönheit eines Bildbands mit praktischen Klettertipps zu verbinden. Doch eigentlich ist die Antwort viel einfacher "und gleichzeitig auf geradezu unzulässige Weise pathetisch: Liebe", heißt es im Vorwort.

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Ralf Gantzhorn und Christoph Willumeit, "Dolomiten". Rother Bergverlag, 49,90 Euro.

Für Everest-Fans

Jonas will auf den Gipfel des Everest. Jetzt sitzt er vor seinem Zelt im Basislager, der erste Leichnam wird an ihm vorbeigetragen. So beginnt der Roman "Das größere Wunder" des Österreichers Thomas Glavinic.

Seine Hauptfigur wird in den folgenden über 500 Seiten den Auswüchsen des Bergtourismus begegnen, dem Irrsinn, untrainierte Reiche auf den Gipfel der Welt zu schleppen. Auch Jonas kämpft mit der Höhenkrankheit, mit Sauerstoffmangel und Halluzinationen in der Todeszone, am Ende um sein Leben. So weit, so Jon Krakauer. Auch der US-Amerikaner hat in seinem Sachbuch "In eisige Höhen" Everest-Expeditionen beschrieben, die in einer Katastrophe enden.

Glavinic jedoch verwebt die realistisch geschilderte Geschichte von Jonas' Bergaufstieg mit einem Märchen, nämlich mit Jonas' Lebensweg. Und zugleich mit den Dauerbrennerfragen nach dem Sinn des Lebens und danach, was grenzenlose Freiheit eigentlich bedeutet. Könnte kitschig sein und nach Küchenphilosophie riechen. Und ja, das tut es zuweilen auch - aber das macht Spaß, Glavinic' klare Sprache ergreift und lässt einen durch den Roman hecheln.

Jonas, ein hochintelligenter Junge mit alkoholkranker Mutter, wird mit seinem behinderten Zwilling vom Mafiapaten Picco aufgenommen. Er wächst mit seinem Seelenverwandten Walter auf. Als Bruder, Walter und Picco sterben und Jonas mit 18 schwerreich, aber allein in der Welt steht, geht er auf die Reise. Alles ist machbar, was sich mit Geld bezahlen lässt.

Er baut sich einen Baumhauspalast im tiefsten Norwegen, kauft eine Wohnung in Rom, die er jahrelang nicht verlassen wird. Er besitzt eine Insel mit gigantischen Lautsprechern. Wunderbarerweise versteht er alle Sprachen der Welt, beherrscht asiatische Kampfkunst, hilft Straßenkindern in Weißrussland. Und er trifft Marie. Natürlich ist es am Ende die Liebe, um die sich alles dreht, auch auf dem Gipfel des Everest. Was auch sonst. Und wie schön.

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Thomas Glavinic: "Das größere Wunder". Hanser Verlag; 22,90 Euro. Als E-Book 16,99 Euro.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Delago 19.12.2013
1. Wenn es um die besten Outdoor-Bücher geht ...
... dann sollte auch ein Grundlagenbuch nicht fehlen. Und hier gibt es für mich einen klaren Favoriten: "Orientierung mit Karte, Kompass, GPS" von Wolfgang Linke www.amazon.de/Orientierung-mit-Karte-Kompass-GPS/dp/3768833143 Dieses Buch gibt eine fundierte Einführung mit Beispielen und ist sehr gut lesbar. Durch das Format und den Schutzumschlag kann man es auch mit auf Tour nehmen.
ColdDayInTheSun 19.12.2013
2. Bei Bild 5 in der Ansicht...
...hatte man doch glatt eine Träne im Auge in Erinnerung daran wie atemberaubend schön die Klettertour vor knapp 2 Monaten genau an dieser Stelle war... ;) die Cinque Torri sind einfach für den gemütlichen Kletterer der nicht vor ein paar eigenen Absicherungen scheut ein Traum...
karl-der-gaul 20.12.2013
3. Outdoor-Bücher
Gibt es auch Indoor-Bücher? Im Amiland gibt es Nature Books aber keine Outdoor Bücher.
teotwin 20.12.2013
4. .
outdoor muss man nicht verkaufen. auch im winter kann man umsonst spazieren gehen. was, noch keinem eingefallen?
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