Outdoor-Sport in den USA Bahntrassen zu Bikertrails

Ob Yellowstone oder Yosemite, die großen Nationalparks in den USA sind oft überlaufen. Dabei gibt es unter den Hunderten Schutzgebieten viele, die ein gleiches Naturerlebnis abseits der ausgetretenen Pfade bieten. Jetzt werben sie verstärkt mit neuen Wander- und Mountainbikestrecken um aktive Urlauber.


Wandern in den USA: Neue Möglichkeiten, ausgetretene Pfade zu verlassen
GMS

Wandern in den USA: Neue Möglichkeiten, ausgetretene Pfade zu verlassen

New York - In den USA wächst speziell für aktive und naturverbundene Urlauber das Angebot immer weiter: Mehr Mountainbikestrecken und Wanderwege zum Beispiel sollen in vielen Bundesstaaten nicht zuletzt Gäste aus dem Ausland ansprechen. Zugleich sollen sie dazu beitragen, die Besucherströme besser über das weite Land zwischen der Arktis Alaskas und der Hitze Floridas zu verteilen, wie auf der Reisemesse Pow Wow in New York deutlich wurde.

Rund 277 Millionen Besucher wurden im Jahr 2004 allein in den 388 Nationalparks der USA gezählt. Das bedeutete einen Zuwachs von vier Prozent. "15 Prozent der Touristen stammten aus dem Ausland", sagt Fran Mainella, Direktorin des National Park Service in Washington. Hinzu kamen rund 40 Millionen Gäste in den 545 als National Wildlife Refuge (NWR) ausgewiesenen Schutzgebieten.

Doch das Interesse ist ungleich verteilt: "Große Nationalparks wie Yellowstone und Yosemite sind oft überlaufen", sagt Martha Nudel vom National Wildlife Refuge System. Zum Teil gelte dies auch für die insgesamt ruhigeren NWR: "In Virginia zum Beispiel fahren sehr viele Menschen zum Chincoteague NWR an der Küste. Das hat einen bekannten Namen. Das Back Bay NWR weiter südlich wird dagegen wenig besucht, obwohl es für den Touristen genau das gleiche Naturerlebnis bietet."

Neue Infrastruktur in den weniger bekannten Nationalparks

"Wir wollen die Leute ermuntern, die weniger bekannten Parks anzusteuern", sagt auch Amy Cockerham aus Alaska. Zu diesen Alternativen zählt sie den Wrangell-Saint Elias-Nationalpark, wo von Rafting über Fischen bis hin zu Helikoptertouren viele Aktivitäten möglich sind. Dennoch drängeln sich die Touristen eher im Glacier-Bay-Nationalpark und im Denali-Nationalpark mit dem 6194 Meter hohen Mount McKinley: "Touren und Lodges sind dort im Sommer schon fast ausgebucht." Gesteigert werden soll die Attraktivität der weniger bekannten Parks unter anderem durch neue Infrastruktur. So habe Wrangell-Saint Elias vor kurzem ein neues Besucherzentrum erhalten, im Kenai Fjords Nationalpark soll 2007 eines fertig werden.

Pennsylvania bemüht sich darum, das Interesse mehr auf den zentralen Norden des Staates zu lenken. In einem mehrjährigen Programm sollen in den "Pennsylvania Wilds" neue Wanderwege angelegt werden, sagt Richard Bonds von Pennsylvania Tourism. Bereits fertig ist in dem dünn besiedelten Gebiet der "Elk Scenic Drive", eine rund 200 Kilometer lange Strecke mit 20 Aussichtspunkten, von denen aus sich Elche beobachten lassen. Rund 800 Tiere leben in der Region, am besten zu sehen sind sie in der Brunftzeit im September und Oktober.

Zelten in 3500 Meter Höhe

Auch weiter westlich in den USA tut sich einiges für Wanderer und Mountainbiker. So will der Staat Arizona den Ausbau des rund 1260 Kilometer langen Arizona Trail vorantreiben. Gut 800 Kilometer sind bereits markiert und für die Öffentlichkeit freigegeben. Nun soll im Coconino National Forest im Norden Arizonas die letzte größere Lücke geschlossen werden. "Es geht darum, den Urlaubern neue Möglichkeiten zu geben, einmal die ausgetretenen Pfade zu verlassen", sagt Jacki Mieler vom Tourismusamt des Staates mit Sitz in Phoenix.

Zelten in Alaska: Besucherströme sollen besser verteilt werden durch neue Angebote
GMS

Zelten in Alaska: Besucherströme sollen besser verteilt werden durch neue Angebote

Anstrengend kann eine neue Mountainbiketour in den Bergen Utahs und Colorados werden: In sieben Tagen geht es 350 Kilometer weit von Durango nach Moab, übernachtet wird in Hütten mit je acht Schlafplätzen und Kochgelegenheit. Zum Teil verbringen die Radler die Nacht in knapp 3500 Meter Höhe über dem Meer, erklärt das Colorado Tourism Office. Beim Veranstalter San Juan Huts kostet die Tour 553 Dollar (428 Euro, www.sanjuanhuts.com).

Rails to Trails

Nicht ganz so hoch hinaus geht es in Virginia, wo Wanderer und Radfahrer jetzt verstärkt auf alten Eisenbahntrassen unterwegs sind. Das Programm "Rails to Trails" soll den zumeist schon vor Jahrzehnten aufgegebenen Bahnstrecken einen neuen Sinn geben - geplant ist ein Netzwerk von mehreren hundert Kilometern. Modell steht der "Virginia Creeper Trail" nahe der Stadt Bristol an der Grenze zu Tennessee. Dort gibt es bereits ein Wegenetz von knapp 50 Kilometern Länge, wie Matt Bolas von der örtlichen Handelskammer erläutert.

"Vor allem internationale Gäste wollen in der Natur aktiv sein", sagt Andrea Wiseman Bourne von der Virginia Tourism Corporation. "'Rails to Trails' ist eine gute Chance, ihnen das zu ermöglichen und ihnen im Süden Virginias auch Teile des Staates zu zeigen, die sie sonst vielleicht nicht besuchen würden." Ein solches Erlebnis bietet dann noch einen anderen Vorteil, sagt Martha Nudel von den National Wildlife Refuges: "Die Touristen können später zu Hause ihren Nachbarn von Gegenden erzählen, von denen die noch nie gehört haben."

Von Christian Röwekamp, gms



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.