Palm Springs Schickeria-Oase der Rockstars

Tolerant, liberal und protzig: Im kalifornischen Wüstenort Palm Springs treffen sich Althippies und Neureiche, Rockstars und Hollywood-Legenden. Hier gibt es 117 Golfplätze und zahllose Kasinos - und einen der reichsten Indianerstämme Nordamerikas.


Palm Springs - Palm Springs ist eine schillernde Stadt. Das liegt nicht allein an den nahen Santa Rosa Bergen, die im Schein der Abendsonne in allen Gold- und Ockertönen erstrahlen. Vielmehr besitzt der Wüstenort eine einzigartige Historie als Urlaubsort der Reichen, Schönen und Berühmten. Stolz ist die Stadt im Westen der USA auf ihre Toleranz und die liberalen Traditionen. "Unser Bürgermeister ist schwarz und schwul", sagt Mary Perry vom städtischen Tourismusbüro. "Wir haben hier einige Dutzend spezieller Gay-Hotels und auch mehrere kleine Designer-Herbergen für lesbische Frauen."

In der Oase in Kalifornien war schon immer jeder so jung, wie er sich fühlt: Hier sonnten sich Hollywood-Legenden von Kirk Douglas bis Frank Sinatra. In Palm Springs amüsierten sich Komiker wie die Marx-Brothers und Charly Chaplin. John F. Kennedy übernachtete zufällig im selben Hotel wie Marilyn Monroe. Die Schauspielerin wurde einst am Pool eines Tennisclubs in Palm Springs entdeckt.

Vom Popstar zum Bürgermeister

Das warme Klima und die bizarre Wüstenumgebung inspirierten auch Rockstars wie die irische Gruppe U2. Die Songs zu dem Erfolgsalbum "The Joshua Tree", das bei den Grammy Awards 1988 den Preis für das beste Album des Jahres erhielt, wurden bei Palm Springs ausgebrütet.

Und im kleinen Designer-Hotel "Movie Colony" erzählt man immer noch gerne eine Geschichte über Jim Morrison, Rocklegende der Doors, der einst mit einem gewaltigen Satz von der Dachterrasse seiner Suite mitten in den Hotelpool sprang. Das war Ende der sechziger Jahre, als die Doors schon berühmt waren und sich nicht mehr als Vorgruppe von Sonny and Cher durchschlagen mussten.

Jener Sonny Bono, die männliche Hälfte von Sonny and Cher, wurde 1988 zum Bürgermeister von Palm Springs gewählt. Der Ex-Hippie hat viel für die Stadt getan. So etablierte er etwa das renommierte "Palm Springs International Film Festival", das jährlich stattfindet. Sonny Bono starb 1998 bei einem Ski-Unfall, auf seinem Grabstein steht der Titel einer seiner größten Hits: The Beat goes on.

Heute sind die Tennisclubs nicht mehr ganz so wichtig wie zu Marilyn Monroes Zeiten. Stattdessen gibt es in Palm Springs 117 Golfplätze, 130 Hotels für jeden Geschmack und Geldbeutel, noch mehr Zweitvillen reicher Amerikaner, täglich drei bis fünf leichte Erdbeben, wöchentlich ein Straßenfest und jährlich 360 Tage mit Sonnenschein. Die vielen Golfplätze und Gärten haben ständig Durst und schlucken gigantische Mengen an Wasser. Doch kaum irgendwo in den Staaten ist Wasser so billig wie hier in der Wüste. Das klingt paradox, erklärt sich aber durch das enorme Vorkommen an Grundwasser nur wenige Meter unter dem Erdboden.

Palm Springs war ursprünglich eine große Oase voller Palmen, gelegen im westlichen Teil des Coachella-Tals zwei Autostunden östlich von Los Angeles, eingerahmt von Bergketten und dadurch zugleich abgeschottet von Regen bringenden Pazifikwolken. Wasserquellen und schattige Fächerpalmen boten bereits vor 2000 Jahren einigen Indianern vom Cahuilla-Stamm paradiesische Lebensbedingungen am Rande der Wüste.

Die reichsten Indianer der USA

Doch spätestens mit dem Bau der Eisenbahnlinien zum Pazifik endete die Idylle der Urbevölkerung, denn die US-Regierung übertrug das Eigentum für große Ländereien an die Southern Pacific Railroad. Immerhin wurde den Indianern ein Stück des Coachella-Tals als Stammesreservat zugesprochen. Und genau auf diesem Filetstück liegt jetzt die halbe Stadtfläche von Palm Springs.

Damit zählen die Mitglieder dieser Indianergruppe, die sich in der "Agua Caliente Indian Reservation" zusammengeschlossen haben, inzwischen zu den reichsten Indianern Nordamerikas. Den Agua Calientes gehören mehrere große Hotels und Golfresorts, und sie betreiben auch das lukrative Spielkasino, da das Reservatland nicht unter jene kalifornischen Vorschriften fällt, die Glücksspiel verbieten. Es lohnt sich, ein Indianer zu sein - jedenfalls in Palm Springs: Schließlich kassiert jeder der gut 300 erwachsenen Stammesangehörigen 12.000 Dollar monatlich. Wen wundert es da noch, dass sich auch die "Canyon National Bank" in Indianerhand befindet.

Trotz Glamour, Geld und Luxus: Palm Springs ist nicht laut, sondern beschaulich. Es gibt in der 45.000 Einwohner zählenden Stadt weder Hochhäuser noch riesige Einkaufszentren. Stattdessen herrscht gediegene Kleinstadt-Atmosphäre. Man vergnügt sich auf dem Golfplatz, relaxt am Pool oder beweist sich - entsprechendes Alter und Kondition vorausgesetzt - beim Freeclimbing an bizarren Sandsteinfelsen im nahen Joshua Tree Nationalpark.

Selbst die Villen der Stars im Viertel Las Palmas wirken auf den ersten Blick überraschend schlicht und machen von der Straßenseite nicht viel her. Die vorherrschende Bauweise ist flach, die Anwesen sind meist von Mauern und tropischen Pflanzen gegen neugierige Blicke abgeschottet. Weit dagegen sind der Himmel und der Blick in die Wüstenlandschaft. Wer mag, kann sogar mit einer modernen Seilbahn von Palm Springs auf 2700 Meter Höhe in die Berge des Mount San Jacinto Naturschutzgebietes hinauffahren.

Von oben ist der Blick über Palm Springs und die Mojave-Wüste spektakulär. Man sollte sich allerdings warm anziehen, denn auf den Bergen ist es fast 30 Grad kälter als unten in der Wüste, im Winter und im Frühjahr liegt dort noch Schnee. Die Fahrt mit der Aerial Tramway ist fast so, als reise man in einer Viertelstunde von Kalifornien nach Alaska.

Georg Alexander, gms



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.