Pantelleria Schwarze Perle des Mittelmeers

Noch nicht Afrika und nicht mehr ganz Italien - das ist Pantelleria. Der schroffe Charme der Insel zeugt von einer bewegten Vergangenheit zwischen Vulkan-Eruptionen und Bombenangriffen. Trotzdem kommen Reisende immer wieder. Sogar Giorgio Armani hat hier ein Ferienhaus.


Pantelleria - "Schwarze Perle des Mittelmeers" wird die Insel genannt, die einsam zwischen Sizilien und Tunesien liegt. Es gibt hier keine weißen Strände und hohen Palmen, sondern steile Klippen und vom Wind gepeitschte Macchia Mediterranea. Fast sieht es so aus wie in Schottland. Noch sonderbarer ist, dass sich die heute rund 7200 Einwohner seit Menschengedenken als Landwirte betätigen - und nicht etwa als Fischer. Wilde Kapern wachsen am Wegesrand, terrassenförmig angelegte, üppige Weinberge werden beackert, und im Hintergrund leuchtet das allgegenwärtige blaue Mittelmeer.

Wie Kopf und Rüssel eines Elefanten: Die Felsformation "Arco dell'elefante" ist bei Schnorchlern beliebt
GMS

Wie Kopf und Rüssel eines Elefanten: Die Felsformation "Arco dell'elefante" ist bei Schnorchlern beliebt

"Die 'Insel der Sonne und des Windes' wird Pantelleria genannt", sagt Marco Fragonara, ein Norditaliener, der sich vor Jahren in das Eiland verliebte und seither als Reiseführer arbeitet. Immer wieder wird er dabei gefragt, wo denn der Vulkan von Pantelleria sei, da es sich ja um eine vulkanische Insel handele. "Aber es gibt gar keinen auf der Insel, der Vulkan liegt im Meer", sagt Fragonara.

Venusspiegel mit Schwefeldampf

Pantelleria entstand vor etwa 350.000 Jahren durch die erste von insgesamt acht Eruptionen. Vor 45.000 Jahren implodierte die Insel dann bei einem heftigen Vulkanausbruch, und die Hügel, Berge und Täler entstanden - ebenso wie der "Specchio di Venere", der "Spiegel der Venus". Dieser nach Schwefel riechende türkisfarbene Binnensee wird durch heiße Quellen gespeist. Er ist bis zu zwölf Meter tief und wird heute für therapeutische Zwecke genutzt.

Weniger spektakulär ist der Hauptort Pantelleria. Hier wurde im Zweiten Weltkrieg fast jedes Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Italiens Diktator Benito Mussolini hatte die strategisch günstige Position ausgenutzt und Pantelleria zur Festung ausbauen lassen. Er ließ auch die Straßen und den Flughafen bauen, die noch heute benutzt werden. "Der Flugzeugträger Mussolinis" wurde Pantelleria damals genannt - bis 1943 die Alliierten kamen und die Insel bombardierten.

Ungetrübt von den Ereignissen ragt hingegen seit Jahrtausenden der "Arco dell'elefante" (Elefanten-Bogen) aus dem Meer. Wie der Kopf eines Dickhäuters samt Rüssel sieht die Felsformation aus, die südlich von Cala Levante zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt. Und am Abend warten die typischen Dessertweine Moscato und Passito auf die Gäste, am liebsten mit einer "Bruschetta" mit Kaperncreme. Der "Passito di Pantelleria" gilt als weltberühmt. "Für seine Herstellung werden die ortstypischen Zibibbo-Trauben verwendet. Und bei der Gärung werden dem Most dann handverlesene Trockenbeeren beigemischt", sagt Giacomo Rallo, der Chef des Weingutes Donnafugata.

Auch Stardesigner Giorgio Armani ist dem eigentümlichen Charme Pantellerias seit Jahren erlegen. Er bezeichnet sich als "einen der ersten Touristen auf der Insel". Heute besitzt der Couturier bei Cala Gadir ein Anwesen. Es besteht aus sechs "Dammusi", den typischen Häusern des Eilands - meist weißgetünchte, eingeschossige Bauten mit "stiller arabischer Architektur", wie Armani es nennt. Auch Touristen können sich einen Dammuso für den Urlaub mieten - die wohl schönste und landestypischste Art, auf der Insel des Windes Urlaub zu machen.

Carola Frentzen, gms



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