Paris und London Solartaxi für Kinder

In Europa trifft das Solartaxi-Team fast auf mehr Schwierigkeiten als im Rest der Welt: Sprachprobleme in Paris, Kamikaze-Fußgänger in London - und nicht zu vergessen: das Wetter! Grauer Himmel hilft dem Solar-Mobil nicht weiter. Mechaniker Thomas Gottschalk kämpft sich durch.

Während Louis Palmer Tausende Termine wahrnehmen muss, komme ich als Mechaniker mal zum Schreiben. Wir sind in Paris! Blauer Himmel und Sonnenschein begrüßen uns. Die obligatorischen Fotomotive fahren wir an - und schnell wird auch das Solartaxi zur Attraktion. Selbst die Polizei drückt ein Auge zu, als Louis für eine halbe Stunde das Solartaxi auf dem Mittelstreifen der Champs-Élysées parkt, um ein Foto vor dem Arc de Triomphe zu machen.

Wir sind vom französischen Umweltminister Jean-Louis Borloo eingeladen. Monsieur Borloo scheint ein Mann der Tat zu sein. Noch während der Pressekonferenz holt er sein Handy raus, führt zwei Telefonate und verkündet, dass er am Nachmittag einen Termin für uns bei Peugeot und Dassault Aviation arrangiert hat. Wir sollten den Damen und Herren der großen französischen Auto- und Flugzeugkonzerne demonstrieren, was nachhaltige Mobilität bedeutet.

Eigentlich hatte ich mir schon einen Plan für den freien Tag in Paris gemacht. Paris von oben anschauen und eine heiße Schokolade am Seine-Ufer trinken. Doch das Solartaxi hat eine Panne, und so muss ich mich auf der Suche nach einem neuen Stoßdämpfer durch Paris quälen. Mein Schulfranzösisch ist nicht beeindruckend, die Vokabeln Stoßdämpfer, Bolzen und Gummistöpsel sind im Berliner Lehrplan nicht vorgesehen.

Ich komme mir vor wie in Thailand oder China. Mit Englisch habe ich keine Chance, und mit Händen und Füßen zu erklären, was das Solartaxi für ein Gefährt ist, und wie groß die Muffe ist - ich bin verloren. Im fünften Laden arbeitet ein taubstummer Mechaniker. Tiptop, nach fünf Minuten hat er alles verstanden, ich habe meinen Stoßdämpfer in der Hand und brause zurück.

Mieses Wetter für Solarzellen

Ein feiner Nieselregen begrüßt uns bei der Ankunft im englischen Dover. Ich habe Bedenken, ob die Idee der solaren Mobilität durchschlagenden Erfolg in England haben wird. Das Solartaxi in England, ein Oxymoron?

Bisher hatten wir ausschließlich Daumen-hoch-Reaktionen, wenn wir mit dem Solartaxi durch die Welt fuhren, anders in London. Für den Einstellungstest für Taxifahrer muss hier offensichtlich ein Kurs für Schimpfwörter und absolute Ungeduld belegt werden. Es ist keine Freude, in London Auto zu fahren. Nicht nur der aggressive Fahrstil, auch die Straßen sind hoffnungslos überfüllt, selbst die Motorradfahrer stecken fest.

Mit viel Geduld und Mut schlängelt sich das Solartaxi zwischen den roten Doppeldeckerbussen und fluchenden Taxifahrern durch die City. Irgendein Idiot hechtet als Mutprobe auch noch auf den Anhänger - die Solarzellen hängen seither schief.

Es ist typisches London-Wetter. Schon gestern hat es geregnet, und vorgestern auch. Der Himmel ist grau und sorgt für eine depressive Grundstimmung. Das Solartaxi wird auf dem Trafalgar Square ausgestellt. Es bedarf sehr viel Motivation und noch mehr guter Laune, um die Touristen, die sich unter ihren Regenschirmen verstecken, von der Funktionalität und Praxistauglichkeit unseres Gefährts zu überzeugen.

Zum Glück werden wir von vier immer lächelnden und freundlichen Schweizer Botschaftsangestellten unterstützt. Das hebt unsere Moral und gibt Louis und mir die Möglichkeit, eine Verschnaufpause einzulegen.

Am Montag waren wir mit "Blue Peter" verabredet, das ist die englische Version des deutschen TV-Sender KI.KA. Ein Solartaxi-Spezial informiert die Konsumenten von morgen über das Auto der Zukunft. Es regnet, doch das Kamerateam ist robust. Louis ist in seine Regenjacke gehüllt und stellt sich tapfer den Fragen. Er wiederholt mit der ebenso motivierten Moderatorin Helen ein Interview nach dem andern, bis es perfekt im Kasten ist. Nach zwei Stunden sind beide pitschnass. Doch mit der Sendung erreichen sie gut eine Million Kinder im ganzen Königreich.

Der Wetterbericht für Brüssel: Sonnenschein! Auf geht's.

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