Penis-Museum in Island Wer hat den Größten?

Hunderte abgeschnittene Tierpenisse, konserviert im Einmachglas: Ein Isländer stellt die Errungenschaften seiner skurrilen Sammelwut in einem Phallus-Museum aus. Auf das beste Stück eines Homo sapiens wartet er allerdings noch.

Vier Männer haben dem Isländer Sigurdur Hjartarson ihren Penis geschenkt. Noch leben die Spender, aber sie haben testamentarisch verfügt, dass ihr bestes Stück nach ihrem Tod in einem Einmachglas konserviert werden soll. Zum Beweis hat der 66-jährige Hjartarson die Dokumente eingerahmt und an die Wand gehängt. Neben dem Testament prangt jeweils ein Foto: Der deutsche Spender aus Kassel hat seinen Penis abfotografiert, der amerikanische Spender posiert nackt auf einem Barhocker, die anderen beiden Männer, ein Isländer und ein Engländer, hingegen haben die Hüllen noch nicht fallen lassen. "Der Amerikaner", sagt Hjartarson, schüttelt den Kopf und lacht so heftig, dass sein dicker Bauch wackelt, "ist ein bisschen verrückt. Er wollte sich seinen Penis sogar schon zu Lebzeiten abschneiden lassen und dann im Museum besichtigen."

Der pensionierte Lehrer Hjartarson, der früher Spanisch und Geschichte lehrte, sammelt Penisse. Er begann damit vor 34 Jahren eher zufällig. Damals schenkte ihm ein Bekannter einen Ochsenziemer. Eine Peitsche aus einem Bullenpenis. "Ich fand das witzig, und irgendwie haben die Leute dann angefangen, mir Penisse zu schenken." Nach und nach trudelten immer mehr bei ihm ein. Anfangs waren es hauptsächlich Walpenisse aus einer benachbarten Fangstation.

Inzwischen füllt Hjartarson mit seinem Faible ein ganzes Museum: das Phallus-Museum in Husavík im Norden Islands - untergebracht in einem ehemaligen Restaurant. Die meisten Penisse hat er geschenkt bekommen. Einige hat er selbst abgeschnitten, bei besonders kleinen Exemplaren haben ihm Biologielehrer beim Kastrieren geholfen. Eines der Ausstellungsstücke - einen Elefantenphallus - hat er gekauft.

Eine Spezies fehlt zur Perfektion

In einer Tabelle notiert er akribisch seine Habseligkeiten: Insgesamt sind das 262 Penisse von 90 verschiedenen Arten, darunter allein 52 Walpenisse. Der größte stammt von einem Pottwal: Er wiegt 75 Kilogramm und misst 170 Zentimeter. Daneben gehören Hjartarson ein Eisbärenpenis, 31 Robben- und Walrosspenisse, 114 Phallusse von Landsäugetieren wie Pferd, Fuchs und Hamster - dessen Penis übrigens der kleinste von allen und nur mit einer Lupe zu erspähen ist - und zwei Rotbarschpenisse.

"Der menschliche Phallus ist der Einzige, den ich mir für meine Sammlung noch wünsche", sagt er. Dann wäre sie in seinen Augen perfekt. Allzu lange muss er wohl nicht mehr warten, denn der isländische Spender wird bald 93 Jahre alt. Allerdings wollte der schon einen Rückzieher machen: Sein Penis sei schon so zusammengeschrumpelt, er sei nicht mehr wert, ausgestellt zu werden. Hjartarson aber wiegelt ab: "Das ist Humbug." Bei Menschen ist er anscheinend nicht allzu wählerisch.

Die meisten Gläser und Wandtrophäen befinden sich in der isländischen Abteilung. Daneben zeigt Hjartarson noch eine folkloristische und eine ausländische Abteilung, die sich auf zwei Glasvitrinen beschränken. In der Folklore-Sektion schwimmt laut Beschriftung beispielsweise der Penis einer der 13 isländischen Weihnachtstrolle und einer von einem Elfenmann. "Und in die ausländische Abteilung kommen später auch der deutsche, der englische und der amerikanische Penis", bestimmt Hjartarson. "Ganz klar!"

Erotiksektion unter dem Samttuch

Die Phallologie sei eine uralte Wissenschaft, die aber in Island bislang kaum jemand beachtet hätte, schreibt Hjartarson auf seiner Homepage. Das hat er geändert: "Heute ist es endlich möglich, ernsthafte Studien im Bereich der Phallologie in einer organisierten und wissenschaftlichen Weise durchzuführen," heißt es weiter. Für Wissenschaftler ist sein Museum bestimmt eine Fundgrube. Für alle anderen ist es interessant und ein Spaß, über den man zu Hause erzählen kann. In Island kennt das Museum jeder. Auf Hjartarson angesprochen, lachen die meisten Einheimischen: Der sei ein bisschen anders, heißt es dann.

Unter all diesen Prachtstücken fällt es Hjartarson schwer, seinen Lieblingspenis zu küren: "Du fragst eine Mutter schließlich auch nicht nach ihrem Lieblingskind." Dennoch gibt er zu, dass ihm der allererste Penis, der Ochsenziemer, und der Elfenpenis, der natürlich genau wie alle Elfen und Trolle in Island nicht sichtbar ist, am meisten ans Herz gewachsen sind.

Hjartarson frönt einem skurrilen Hobby, legt aber Wert darauf, nicht als pervers bezeichnet zu werden: "Mein Museum hat nichts mit Sex zu tun. Das sind nur Organe!" Und dennoch gibt es eine Erotikabteilung: Unter einem schwarzen Samttuch tummeln sich in einer Glasbox, groß wie zwei Schuhschachteln, kopulierende Figuren. "Erotiksektion. Heben Sie das Tuch hoch, und schließen Sie es hinter sich", steht darüber auf einem Zettel in Klarsichtfolie.

"Es waren mal zwei alte Damen aus Deutschland zu Besuch", berichtet Hjartarson und lächelt verschmitzt, "die kamen später zu mir und sagten: Das ist so ein schönes Museum, aber diese Figuren hier, die sind ganz schäbig." Seitdem hat er die Erotiksektion mit einem Tuch verhüllt. So wird niemand gezwungen, sie sich anzuschauen. "Aber eigentlich wird ja so die Aufmerksamkeit erst darauf gelenkt", sagt er, und sein Bauch wackelt wieder.

Pottwal-Fliege und Penissong

Von seiner Familie erfährt er volle Unterstützung: Seine Frau beispielsweise hat ihm zum Geburtstag einen Peniskerzenständer anfertigen lassen, seine Tochter hat eine Penislampe gebastelt. Und seine Enkelin hat ihm mit Buntstiften einen Phallus gemalt, den Opa Hjartarson eingerahmt und im Museum ausgestellt hat. Und seine Frau murrt nicht einmal, wenn er sich an besonderen Festtagen seine Pottwalpenis-Fliege um den Hals bindet. Besonders stolz berichtet Hjartarson auch von seinem deutschen Freund Wolfgang Müller, der sogar schon ein Lied über sein Museum getextet hat: "Das Pe-Pe-Penismuseum von Reykjavík".

Von Staat und Stadt allerdings fällt zumindest die finanzielle Unterstützung eher kläglich aus. Deswegen musste er vor einigen Jahren auch die Hauptstadt Reykjavík verlassen, wo er das Phallusmuseum 1997 erstmals eröffnet hatte: Als er 2004 in den Ruhestand ging, konnte er mit seiner Rente die Miete nicht mehr bezahlen "Deswegen sind wir hierhin gezogen." Selbst im hohen Norden bleiben die Besucher nicht aus: Im vergangenen Jahr haben 6000 Menschen die Sammlung angeschaut. "Die Männer und Frauen, die mein Museum besuchen, verfügen über einen überdurchschnittlichen IQ und einen überdurchschnittlichen HQ", urteilt der Sammler. HQ steht für Humor-Quotient. Frauen, berichtet er, seien insgesamt interessierter an seinem Museum als Männer. "Über die Hälfte meiner Besucher sind weiblich."

Die Isländerin Selma Kristjánsdóttir, 35, ist eine davon. Sie lebt in Husavík und ist mit einem komischen Gefühl ins Museum reinspaziert. Natürlich sei es etwas anderes, ob man sich 262 Geschlechtsteile oder 262 Gemälde in einem Museum anschaue: "Es ist etwas schräg, und ich habe mich schon gefragt, ob das nicht pervers ist." Nach dem Besuch aber findet sie: "Letztlich ist es ein ganz normales Museum." Ihr Partner Robert Gislason, 36, ist stolz auf die Penissammlung - auch wenn er bislang noch nicht drin war: "Es ist schön, das hier zu haben. Es ist eine einzigartige Attraktion, und viele kommen nur deswegen nach Husavík."

Was mit seinem Museum passiert, wenn er mal nicht mehr ist, weiß Hjartarson nicht. "Es ist nur ein Hobby, man kann damit kein Geld verdienen." Aber eines steht für ihn fest: "Mein eigener Penis kommt auch in die Sammlung."

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