Per Luxuszug durch Südafrika Ausflug in eine Welt ohne Stress

Eine Szene wie aus einem Agatha-Christie-Krimi: Ein roter Teppich ist vor dem "Pride of Africa" ausgerollt, die Gäste nippen an einem Glas Sekt. Die dreitägige Reise quer durch Südafrika mit dem historischen Luxuszug beginnt auf dem Kapstadter Bahnhof, führt über das trockene Karoo-Hochplateau und endet in der Hauptstadt Pretoria.


Dinner im "Pride of Africa": Am Abend wird formelle Kleidung im Luxuszug empfohlen
GMS

Dinner im "Pride of Africa": Am Abend wird formelle Kleidung im Luxuszug empfohlen

Kapstadt/Pretoria - Berühmte Luxuszüge gibt es viele - den "Orient-Express" zum Beispiel, der bis nach Istanbul fährt, oder den "Ghan", der durch das Herz Australiens rollt. Südafrika bietet gleich zwei solche Reisemöglichkeiten für alle, die nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen: Neben dem legendären "Blue Train" der staatlichen Eisenbahngesellschaft Spoornet verkehrt auf der Strecke zwischen Kapstadt und Pretoria auch ein Zug, der den Namen "Pride of Africa" trägt und zum Unternehmen Rovos Rail gehört.

Mit dem Zug hat sich Rohan Vos einen Kindheitstraum erfüllt. Vier historische Lokomotiven - benannt nach Vos' Kindern Shaun, Bianca, Tiffany und Brenda - gehören heute zum Bestand. Besonders "Tiffany" hat es Vos angetan: Mit großem Aufwand ließ er die 1895 in Glasgow gebaute "alte Dame" restaurieren. Weil die Loks rund 300 Liter Wasser und 75 Kilogramm Kohle pro Kilometer benötigen, wird der Zug auf seiner dreitägigen Reise zwischen Kapstadt und Pretoria aber nur auf der letzten Etappe von einer Dampflok gezogen.

Weinanbau in der Nähe von Kapstadt: Im werden Weine aus Südafrika angeboten
GMS

Weinanbau in der Nähe von Kapstadt: Im werden Weine aus Südafrika angeboten

Auf dem Kapstadter Bahnhof ist ein roter Teppich ist ausgerollt, Stewards kümmern sich um das Gepäck, während die Gäste an einem Glas Sekt nippen. "Hast und Stress wollen wir um alles in der Welt vermeiden", sagt Vos. "Dafür gibt es gutes Essen, gute Weine und gute Gespräche. Wir haben weder Fernseher noch Radio an Bord, nur das Panoptikum der Natur." Die Deluxe-Suiten bieten auf zwölf Quadratmetern ein Doppelbett, eine Sitzecke, einen Mahagoni-Schrank, einen Kühlschrank sowie ein Badezimmer mit Dusche und WC. Die "Royal Suites" nehmen sogar eine halbe Waggonlänge ein und haben eine große Badewanne.

Dann setzt sich der 200 Meter lange Zug mit den 20 Waggons für 72 Passagiere in Bewegung. Der "Pride of Africa" nimmt damit etwa so viele Passagiere mit wie der "Blue Train", in den - je nach Zug-Konfiguration - 74 bis 82 Gäste einchecken können. Die Fahrt führt hinaus aus Kapstadt, das so eindrucksvoll vor der Kulisse des Tafelberges liegt. Die meisten Passagiere haben sich bereits einige Tage in der Metropole auf Südafrika eingestimmt. Auch eine Rundfahrt auf der Kap-Halbinsel haben die meisten Zugpassagiere gemacht: "Wir sind mit unserem Mietwagen an der False Bay gestartet und dem Sonnenuntergang an der Atlantikküste entgegengefahren", schwärmt ein belgisches Ehepaar. Der Südzipfel des Kaps ist ein Naturreservat. Hier tummeln sich Pavianfamilien und Springböcke, locken einsame Sandstrände und Schiffwracks zu langen Spaziergängen.

Matjiesfontein steht heute unter Denkmalschutz: Ein gewitzter Engländer entwickelte den Provinz- zum mondänen Kurort
GMS

Matjiesfontein steht heute unter Denkmalschutz: Ein gewitzter Engländer entwickelte den Provinz- zum mondänen Kurort

Landeinwärts liegen die Wein- und Obstanbaugebiete von Franschoek und Stellenbosch. Die "französische Ecke" wurde 1688 von Hugenotten gegründet, die die Weinrebe am Südzipfel Afrikas heimisch machten. Stellenbosch ist Südafrikas zweitälteste Stadt und bewahrt mit seiner historischen Altstadt das Erbe der Buren. Die Stadt ist eine wahre Schatztruhe der so genannten kapholländischen Architektur. Nicht fehlen darf ein Besuch in einem der Weingüter der Region. In den Gutshäusern im kapholländischen Stil wird zu Weinproben eingeladen, und in vielen Estates können sich die Besucher auch zum Lunch unter großen, Schatten spendenden Eichen niederlassen. An die köstlichen Rotweine, die sie in diesem "Garten Eden" genossen haben, denken viele Reisende beim Blick aus dem Zugfenster, als draußen die üppig grünen Weinberge von Stellenbosch und Paarl vorüberziehen.

Bald danach geht es ins trockene Karoo-Hochplateau, wo es einige Straußenfarmen gibt. Der bis zum Ersten Weltkrieg anhaltende Boom der Mode mit Straußenfedern bescherte den Farmen einst märchenhafte Gewinne. Auch heute ist die Straußenzucht wieder lukrativ geworden: Das Fleisch erfreut sich wegen seines niedrigen Cholesteringehaltes zunehmender Beliebtheit, und auch das Leder bringt einen guten Preis.

Von Kapstadt nach Pretoria: Die Bahnstrecke führt 1600 Kilometer durch Südafrika
GMS

Von Kapstadt nach Pretoria: Die Bahnstrecke führt 1600 Kilometer durch Südafrika

Mitten im Karoo liegt Matjiesfontein. Im ehemaligen Bahnhof ist heute ein kleines Museum untergebracht, aber Rovos Rails "Pride of Africa" macht hier ebenso wie der "Blue Train" noch immer Station. Der kleine Provinzort wurde 1884 von dem englischen Einwanderer James Douglas Logan gegründet und steht heute unter Denkmalschutz. Der pfiffige Engländer griff vor rund 120 Jahren entschlossen zu, als ihm das Land rund um die Bahnstation zum Kauf angeboten wurde. Innerhalb kurzer Zeit ließ er in der trockenen Halbwüste eine "Oase im Nichts" entstehen und verkaufte Proviant und Getränke an die Zugpassagiere. Später pries der geschäftstüchtige Logan die trockene und klare Karoo-Luft als besonders heilsam für Lungenkranke und entwickelte Matjiesfontein bis zur Jahrhundertwende zu einem mondänen Kurort.

Für das Abendessen im Speisewagen von 1924 empfiehlt Zugmanager Pieter Peyper formelle Kleidung. Das passt besser zum festlichen Ambiente mit gestärkten Leinentischtüchern, silbernem Besteck und Kristallgläsern. Zum Essen werden Weine gereicht, die von den besten Winzern Südafrikas kommen. Drei Mahlzeiten täglich und alle Getränke sind im Preis inbegriffen, und wer mit einem Whisky im Barwagen den Tag ausklingen lässt, wird auch nicht extra zur Kasse gebeten.

 "Big Hole" in Kimberley: Der größte von Menschenhand geschaffene Krater der Welt
GMS

"Big Hole" in Kimberley: Der größte von Menschenhand geschaffene Krater der Welt

Einen Tag später hält der "Pride of Africa" in Kimberley, der Diamantenmetropole Südafrikas. Busse stehen für eine Stadtrundfahrt bereit. Die Hauptattraktion ist das "Big Hole", der größte je von Menschen geschaffene Krater. In Kimberleys Bergbaumuseum erfahren die Gäste, dass zeitweise rund 50.000 Glücksritter mit Hacke und Schaufel den offenen Schacht von 400 Meter Tiefe und fast 500 Meter Durchmesser gruben und dabei 2,7 Tonnen Diamanten zu Tage förderten.

Am letzten Tag der Reise rollt der Zug durch Johannesburg. Riesige Abraumhalden machen deutlich, dass in der Region die Goldförderung einen großen Stellenwert hat. Später tauchen die Glitzerfassaden der Hochhäuser auf, aber immer wieder sind auch Slums und Elendsviertel zu sehen, die genauso zur Realität des Landes gehören. Ab Centurion löst zur Freude der Eisenbahn-Enthusiasten die gute alte "Tiffany" die Diesellok ab. Schnaufend zieht das Dampfross den Zug die letzten Kilometer. Endstation ist der aufwändig restaurierte Bahnhof von Capital Park. Während einige Gäste schon am nächsten Tag mit Rovos Rail weiter bis zu den Victoria-Fällen fahren, geht für andere die Reise hier in Pretoria, der Verwaltungshauptstadt des Landes, zu Ende.

Von Detlef Berg, gms



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.