Alternative zum Inka-Trail Auf dem Salkantay-Trek nach Machu Picchu

Der Inka-Trail zum Machu Picchu in Peru gilt als überlaufen, die Wandergenehmigungen sind beschränkt. Doch zum Glück gibt es noch andere Wege zur berühmten Ruinenstadt in den Anden.

Claus Hecking

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Der Nebel über Machu Picchu erscheint undurchdringlich, morgens um sechs, als die mürrischen Wärter die Drehkreuze öffnen. Eine Viertelstunde später lichten sich urplötzlich die Wolken. Zuerst erscheinen die Tempel, Palastruinen und Terrassen der alten Inka-Stadt, zwischen denen Lamas grasen. Dann der Huayna Picchu, der steile Felsen gleich neben den Ruinen, der auf keiner Machu-Picchu-Postkarte fehlen darf.

Von Minute zu Minute sieht die berühmte Ruinenstadt anders aus, je nachdem was die Wolken gerade verhüllen. Die scharfkantigen Vier- und Fünftausender des Urubamba-Massivs rahmen Machu Picchu ein wie die Zuschauerränge eines Amphitheaters. Hunderte Meter tiefer schlängelt sich die Schlucht des Rio Urubamba in Hufeisenform um die Berge.

Man kann den Fluss rauschen hören. So still ist es - noch.

Eine Stunde später ist der Zauber vorbei. Menschengruppen mit Selfiesticks drängen sich auf den Steinterrassen um ihre Fremdenführer. Es wird lauter. An die 6000 Touristen werden täglich eingelassen. Die meisten von ihnen sind mit Bussen auf die 2400 Meter Höhe gefahren worden. Oder durch das Sonnentor herab gegangen: auf der letzten Etappe des Inka-Trails, einer der berühmtesten Mehrtageswanderungen der Welt.

Machu Picchu
Getty Images

Machu Picchu

Doch der Trek gilt als überlaufen, viele Besucher klagen über Massenabfertigung. Individualtouristen dürfen den Inka-Trail nicht alleine gehen, jeder muss sich einer organisierten Tour anschließen. Oft sind die Wandergenehmigungen - maximal 500 pro Tag - schon Monate vorher ausverkauft.

Zum Glück führen viele Wege nach Machu Picchu. Davon ist der Salkantay-Trek die vielleicht spektakulärste Alternative zum klassischen Weg: Der vier- bis fünftägige Fußmarsch ist mit 68 Kilometern anderthalb Mal so lang wie der Inka-Trail. Und er führt bis auf 4630 Meter über Normalnull, das ist höher als das Matterhorn.

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Salkantay-Trek statt Inka-Trail: Die anspruchsvolle Alternative

Die Plackerei wird mit grandiosen Ausblicken auf schneebedeckte Sechstausender, einen der schönen Gebirgseen der Anden und einen prächtigen Sternenhimmel entlohnt. Er führt durch Nebelwälder und den Dschungel, vorbei an Maracuja- und Avocadoplantagen, deren Früchte man für ein paar Cent kaufen kann.

"Wer mehr Ruhe und eine sportliche Herausforderung sucht, findet sie hier", sagt Carlos Chuchullo Loayza. Der 36-Jährige führt seit gut zehn Jahren Touristen nach Machu Picchu. Er hat beide Wege begangen, Dutzende Male. Die Nachfrage nach dem Salkantay-Trek häufe sich, sagt er.

Vor allem die ersten beiden Tage der Wanderung sind spektakulär. Von Mollepata geht es zunächst bis zum tiefblauen Gebirgssee Laguna de Umantai auf 4200 Metern Seehöhe - und dann wieder hinunter, um in Soraypampa, einer Ebene auf 3800 Metern, mit Blick auf zwei Gletscher zu nächtigen.

Infokasten Peru
Anreise nach Peru:
Von Deutschland gibt es keine Direktflüge nach Peru. Umsteigeverbindungen in die Hauptstadt Lima bieten unter anderem Air France, British Airways, Delta, KLM, Latam oder United Airlines an. Von Lima aus Weiterflug nach Cusco, dem Ausgangspunkt der meisten Salkantay-Touren.
Beste Reisezeit:
April, Mai, September, Oktober. Dann ist das Wetter in der Region am ehesten stabil, zudem hält sich der Besucherandrang in Grenzen. Im Nordhalbkugel-Sommer ist der Touristenandrang groß, zudem kann es dann im Hochgebirge schneien. Von Dezember bis März ist Regenzeit, im Februar ist der Inkatrail geschlossen.
Machu Picchu:
Die Besucherzahl für Machu Picchu ist beschränkt. Es gibt keine Eintrittskarten am Eingang, Tickets müssen vorher gekauft werden. Vor allem in der touristischen Hochsaison zahlt es sich aus, frühzeitig zu reservieren. Touranbieter übernehmen in der Regel den Ticketkauf. Weitere Informationen unter www.machupicchu.gob.pe.
Organisation:
Mehrere peruanische und internationale Reiseveranstalter bieten komplette Trekking-Pakete an: inklusive Bergführer, Träger, Anfahrt, Bahn- und Bustickets, Unterkünfte, Vollverpflegung und Eintrittskarte für Machu Picchu. Kosten: ab etwa 400 US-Dollar für einen viertägigen Trek. Der Autor war mit "Salkantay Trekking" unterwegs und hat keinerlei Vergünstigungen bekommen. "Salkantay Trekking" ist ein solider und vielleicht schon zu professioneller Anbieter. Wer Zeit hat, kann sich auch in Cusco oder selbst seine Tour organisieren. Es ist ratsam, sich Übernachtungsgelegenheiten vorab zu sichern. Bergführer und Träger sind nicht vorgeschrieben, können aber hilfreich sein. Sie kennen die Berge und Machu Picchu, können Unterkünfte vorreservieren oder Tipps zur Höhenanpassung geben.
Unterkunft:
Entlang des Pfades gibt es mehrere Hütten- und Zeltsiedlungen. Soraypampa, Zielort der ersten Etappe, ist allerdings größtenteils in der Hand von Tourveranstaltern. Hier ist es für Individualtrekker nicht immer leicht, eine Unterkunft zu bekommen.
Höhenkrankheit:
Viele Peru-Besucher haben Probleme mit der Höhe, oftmals schon bei der Landung in Cusco auf fast 3400 Meter Seehöhe. Typisch sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, leichter Schwindel und Atemnot bei körperlicher Anstrengung. Im Extremfall kann mangelnde Höhenanpassung in den Bergen auf über 4000 Metern tödlich sein. Tourveranstalter raten, vor Beginn des Salkantay-Treks schon mindestens zweimal auf mindestens 3000 Metern Höhe übernachtet zu haben. Die Akklimatisierung klappt besser, wenn man untertags höher aufsteigt als man nachts schläft. Dazu sollte man viel trinken und auf eine ausgeglichene Ernährung achten.

Leichte Kopfschmerzen sind normal, aber auch ein erstes Warnsignal. Wer darüber hinaus schwerere Symptome hat, etwa Schwindel, Übelkeit, starke Atembeschwerden oder sich erbricht, sollte schnellst möglich mehrere hundert Meter absteigen. Medikamente wie Diamox beschleunigen die Anpassung, verhindern aber nicht die Höhenkrankheit. Ob Coca-Tee hilft, ist umstritten.
Ausrüstung:
Die Tourveranstalter veröffentlichen Packlisten im Internet. Unentbehrlich sind gute, eingelaufene Wanderschuhe, Stöcke, ein kälteresistenter Schlafsack, eine Daunenjacke, Sonnenbrille, Handschuhe, Mütze, Thermo-Unterwäsche, Sonnen- und Insektenschutz.

In Agua Calientes beginnt die Touristenabzocke

An Tag zwei geht es noch einmal 830 Meter weiter aufwärts: zum Pass unterhalb des Salkantay (6271 Meter) mit seinen immensen Eisfeldern. Bitterkalt und stürmisch könne es hier werden, sagt Chuchullo Loayza, im peruanischen Winter von Juni bis August könne der Schnee auf dem Pass meterhoch liegen.

Anderthalb Tage später und 2700 Höhenmeter tiefer: Gedränge. Der Trek endet in Aguas Calientes, wo die meisten Machu-Picchu-Besucher übernachten. Hier beginnt die Touristenabzocke. Hotels und Restaurants sind teils um ein Vielfaches teurer als sonstwo in Peru. Und der Bus hoch nach Machu Picchu kostet für eine etwa halbstündige Fahrt satte 24 US-Dollar.

Doch man kann den Weg auch laufen. Und weil die ersten Busse nicht vor halb sechs Uhr losfahren, sind die ersten Wanderer sogar früher am Eingangstor. Sie haben dann Machu Picchu erstmal für sich.

Die einzelnen Etappen im Überblick

Etappe 1: Mollepata (2900 Meter) - Laguna de Umantai (4200 Meter) - Soraypampa (3860 Meter), 18 Kilometer

Das Bergdörfchen Mollepata ist der traditionelle Startort für den Salkantay-Trek. Hier können sich Wanderer nochmal mit Lebensmitteln eindecken, einen Esel oder Träger anmieten. Viele Tourveranstalter aus Cusco fahren mit den Bussen bis nach Challancha auf 3360 Metern Seehöhe. Von dort aus steigt der Weg erst steil an, flacht dann nach etwa einer halben Stunde ab und führt entlang eines jahrhundertealten Inka-Kanals zu den Camps auf der Hochebene Soraypampa. 300 Meter weiter oben liegt die Gletscherlagune von Umantai mit direktem Blick auf einen Fünftausender. Sie ist nicht nur sehenswert, der Aufstieg hilft Wanderern auch bei der Höhenanpassung.

Etappe 2: Soraypampa (3860 Meter) - Paso de Salkantay (4630 Meter) - Chaullay (2900 Meter), 23 Kilometer

Frühmorgens starten die Gruppen den Aufstieg zum höchsten Punkt des Treks, um die Hitze zu vermeiden. Nach einer knappen Stunde schlängeln sich Serpentinen steil eine Geröllhalde nach oben. Danach folgt eine Ebene - und schließlich der etwa halbstündige Schlussanstieg zur Passhöhe. Belohnung: eine Rundum-Aussicht auf schneebedeckte Fünf- und Sechstausender. Danach geht es stetig abwärts, zunächst zur Hochebene Huayracmachay auf knapp 4000 Meter, schließlich zum Bergdorf Chaullay mit Hütten und Zeltplätzen.

Etappe 3: Chaullay (2900 Meter) - La Playa (2130 Meter), 15 Kilometer

Entlang des Rio Santa Terese führt die Strecke weiter bergab - und unterwegs wird es immer wärmer. Nach etwa zwei Stunden Fußmarsch tauchen auf der linken Seite Obstplantagen auf. In kleinen Buden am Wegesrand bieten Verkäufer Avocado-Sandwiches und Granadillas an - süße, maracujaähnliche Früchte. Bei den Kaffeeplantagen von La Playa nehmen viele ihr Mittagessen ein, manche übernachten auch hier. Wer sich einen Tag sparen will, lässt sich von La Playa aus direkt mit dem Bus zum Bahnhof von Hidroeléctrica fahren. Von hier aus geht ein (teurer) Touristenzug nach Aguas Calientes, Ausgangsort für den Besuch von Machu Picchu.

Etappe 4: La Playa (2130 Meter) - Llactapata (2500 Meter) - Hidroelectrica (1770 Meter) - Aguas Calientes (1900 Meter), 12 bis 23 Kilometer

Zunächst geht es noch weiter bergab durch das Santa-Teresa-Tal, dann wieder hinauf zum Pass von Llactapata - und schließlich stetig nach unten bis zu einem Wasserkraftwerk. Vom Bahnhof neben der Hidroelectrica fahren am Nachmittag zwei Touristenzüge nach Aguas Calientes ab. Wer sich die 30 US-Dollar sparen und die abwechslungsreiche Natur genießen will, kann entlang der Schienen noch einmal 11 Kilometer nach Aguas Calientes laufen. Unterwegs gibt es schöne Ausblicke zu den Bergen rund um Machu Picchu.

Etappe 5: Aguas Calientes (1900 Meter) - Machu Picchu (2440 Meter), 4 Kilometer

Standard-Transportmittel zur Inka-Stadt ist der Bus. Aber immer mehr Besucher laufen das letzte Stück. Der Weg geht quer durch den Wald, stetig hoch und kann bei Regen glitschig sein. Er endet direkt am Haupteingang von Machu Picchu. Wer in der Ruinenstadt weiter nach oben wandern will, kann entweder zum Sonnentor (2745 Meter) oder zu den Bergen Huayna Picchu (2720 Meter) und Machu Picchu (3082 Meter) aufsteigen.



insgesamt 16 Beiträge
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bernhardlang 23.10.2018
1. Toll lieber Spiegel
Auf das noch mehr Menschen das Kulturerbe zerstören.Ganz großes Kino
donrencos 23.10.2018
2. sehr schöne Tour
Habe den Trek letztes Jahr gemacht, super schöne Tour und nicht überlaufen (Ende November). Am besten vor Ort buchen - Buchung von Europa aus kann das 3-4 fache kosten...
molokai 23.10.2018
3. naja
Sehr sparsamer Bericht mit wenig Info und unzutreffenden Bildunterschriften für den, der dort schon gewandert ist. Schön ist es natürlich, etwas anstrengend, die Passhöhe ist 4650 m, und links und rechts gehen die gletscherbedeckten Wände hinauf, auch im Hochsommer immer Schnee. Die begleitenden Inkas sind freundlich und hilfsbereit. Wenn das Maultier das Gepäck und das Wasser trägt eine Supertour.
effing 23.10.2018
4. Alternative
....oder auch einfach mal die ganze Sache meiden. Wo bitte liegt denn der Spaß daran, einen bekanntermaßen völlig überlaufenen Touri Hotspot zu besuchen, nur um dort dann ständig auf der Flucht vor den Menschenmassen zu sein? Ich habe Bilder von Machu Pichu gesehen und weiß, dass es toll aussieht. Klar würde ich es mir auch selbst gern ansehen aber eben auch am liebsten so, wie auf den Bildern zu sehen - menschenleer (und zwar nicht nur für 20 min bis die ersten Busse kommen). Fakt ist aber, dass dies heute nicht mehr möglich ist. Die Konsequenz: weniger gehypte Ziele ansteuern und genießen. In Tash Rabat, Kirgistan, war bei einem Besuch Anfang September kein Mensch und die Anlage wurde für uns aufgeschlossen.
Elrond 23.10.2018
5. Ein großartiger Trail
Ich war dort Anfang 2000 und habe eine Drei-Tages-Tour über Inti Punku nach Machu Picchu gemacht. Um den vielen Touristen zu entgehen muss man halt früh da sein. Wir haben die Sonne am Sonnentor aufgehen sehen gegen 6.30 und nachdem sich der Nebel lichtete einen fantastischen Blick auf die Ruinenstadt Machu Picchu gehabt. Diese wunderbaren friedlichen Bilder werde ich immer im Herzen tragen. Wer nicht dort war, hat etwas verpasst. Allein die Zugfahrt von Cusco aus ist bereits ein Erlebnis.
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